ADAC-Test

Das beste Parkhaus Berlins liegt unterm Alex

Im bundesweiten ADAC-Test hat die Tiefgarage am Alexanderplatz den zweiten Platz belegt. Die Prüfer benoteten vier weitere Gebäude in der Hauptstadt. Doch hier fielen die Ergebnisse vergleichsweise schlecht aus.

Foto: dapd / dapd/DAPD

Bei einem deutschlandweiten ADAC-Test von Parkhäusern ist jedes sechste durchgefallen. Auch in Berlin wurde eines der Häuser mit „sehr mangelhaft“ bewertet. Die Prüfer kritisierten bei acht von 50 getesteten Parkhäusern vor allem, dass die Stellplätze für moderne Autos viel zu schmal seien – nur in einem Drittel der Häuser seien sie wie empfohlen 2,50 Meter breit, heißt es in dem Test. Kritik gab aber es auch wegen zu geringer Einfahrtshöhen, steiler Rampen oder weil die Beleuchtung und die Ausstattung mit überwachten Frauenparkplätzen mangelhaft ist.

„Die Qualitätsunterschiede zwischen den Parkhäusern in Berlin sind besonders groß“, so der ADAC-Experte Jörg Becker zum diesjährigen Testergebnis. So stehe das zweitbeste Parkhaus im bundesweiten ADAC-Parkhaustest am Alexanderplatz. Weitere vier von fünf in Berlin getesteten Parkhäusern bekamen dagegen nur die Noten „ausreichend“ bis „sehr mangelhaft“.

Das Parkhaus in der Alexanderstraße 2 dagegen punktet in den wichtigsten Kategorien: Sicherheit, Befahrbarkeit und Benutzerfreundlichkeit. Es überzeugte die Tester durch die großzügige und behindertengerechte Bauweise, klare Beschilderung, Helligkeit und Sauberkeit. „Nur beim Tarif könnte noch nachgebessert werden“, sagt Becker. Die Berechnung der Gebühr erfolge nur im Stundentakt und mit zwei Euro pro Stunde werde es für Langzeitparker am Alex ganz schön teuer.

Zahlreiche Minuspunkte in Schöneberg

Besonders die Garage an der Kalckreuthstraße in Schöneberg fiel mit zahlreichen Minuspunkten unangenehm auf und erhielt dafür die schlechteste Note „sehr mangelhaft“. Das Haus, so das Ergebnis der Prüfer, sei verwahrlost und schmutzig – und zwar sowohl auf den Parkebenen als auch im Treppenhaus. Letzteres rieche zudem unangenehm nach Urin. Die Parkgarage im ehemaligen Philips-Hochhaus, das Anfang der 70er-Jahre nach den Plänen des Architekten Paul Schwebes errichtet wurde, sei zudem mit seiner Einfahrtshöhe von 1,80 viel zu niedrig für moderne Vans und Geländewagen. Dieses Problem hätten zwar viele Parkhäuser älterer Bauart. „Da nur ein kleines Warnschild und einen Pendelbalken anzubringen, reicht nicht“, rügt Becker. Zumal der Pendelbalken noch nicht einmal mit einer Gummilippe ausgestattet sei, der Lackkratzer am Autodach verhindere. Weitere Kritikpunkte: Schadhafter Fahrbahnbelag, keine Eltern-Kind-Parkplätze und um 21 Uhr wird das Parkhaus dicht gemacht, ohne dass ein entsprechend großes und auffälliges Schild darauf hinweist. „Zudem ist das Parkhaus mit 2 Euro auch noch genauso teuer wie die Anlage am Alexanderplatz“, so Becker. Die Parkhausbetreiber wurden vom ADAC vor der Veröffentlichung der Testurteile am Donnerstag informiert. Doch beim Immobilien-Dienstleister JonesLangLaSalle (JLL), die das Philips-Haus in Berlin samt der Garage verwalten, wollte man gestern keine Stellung nehmen zu dem katastrophalen Testbericht. Weitere Anfragen zu dem Thema möge man in Zukunft bitte auch nur per Post stellen, so die zuständige Mitarbeiterin weiter.

Beschädigte Fahrbahn und hohe Gebühren

Ähnliche Kritik hagelte es mit der Note „mangelhaft" für das Parkhaus Dorotheenstraße in Mitte, in dem immerhin auch 2 Euro pro Stunde Parkzeit verlangt werden. In dem Gebäude aus den 80er-Jahren monierten die Tester vor allem die Enge der Parkplätze. Statt der vom ADAC geforderten 2,50 Meter Breite stehen dort lediglich 2,31 Meter zur Verfügung. Besonders schlimm: Die – wenigen – Parkplätze für Menschen mit Behinderungen waren sogar nur 2,30 Meter breit. Erforderlich sind nach Ansicht des ADAC 3,50 Meter, damit auch Rollstuhlfahrer problemlos aus- und einsteigen können.

Dringender Handlungsbedarf besteht nach Ansicht der Prüfer auch für die Betreiber der Parkhäuser in den Neukölln Arcaden und im Europa-Center in der City West. In beiden Fällen reichte es nur für die Note „ausreichend“. Das Europa-Center unweit des Zoologischen Gartens sammelte Minuspunkte etwa durch abgenutzte Markierungen, beschädigte Fahrbahn-Beschichtungen und hohe Parkgebühren. Mit 2,50 Euro pro Stunde verlangte es die höchste Gebühr von allen getesteten Parkhäusern im Stadtgebiet. In den Neukölln Arcaden, die gleich schlecht im Testergebnis abschnitten, war es hingegen nur 1 Euro. „Das zeigt, dass Preis und Leistung in Berlin nicht immer einhergehen“, so Becker.

Im vergangenen Jahr hatten die ADAC-Tester übrigens die Garage am Park Inn am Alexanderplatz als schlechtestes Parkhaus in Berlin ermittelt. Ein Ärgernis, das inzwischen außer Betrieb gestellt wurde. Die Hotelgäste parken inzwischen in der neuen Tiefgarage unterm Alex.

Jedes sechste Parkhaus durchgefallen

Bewertungsgrundlage für den ADAC-Parkhaustest ist ein umfangreicher Punktekatalog mit insgesamt 120 Einzelkriterien. Untersucht wurden jeweils fünf Parkhäuser im Zentrum von zehn Großstädten. Neben Berlin wurden in Bremen, Dresden, Düsseldorf, Hamburg, Hannover, Köln, München, Nürnberg und Wiesbaden Garagen getestet. 13 Parkhäuser schnitten im Test mit „gut“ ab, nur eines – das Parkhaus Kurhaus/Casino in Wiesbaden – erhielt die Bestnote „sehr gut“. Schlusslicht bei den in diesem Jahr getesteten Garagen war das Parkhaus Kreuzstraße in Düsseldorf. 28 Gebäude erhielten die Bewertung „ausreichend“. Insgesamt stufte der ADAC acht von 50 geprüften Anlagen als „mangelhaft“ oder „sehr mangelhaft“ ein. Somit sei jedes sechste Parkhaus glatt durchgefallen, so der ADAC.

Einen Platz im guten Mittelfeld belegt Berlin bei den Tarifen. So müssen die Berliner für die erste Stunde Parken im Durchschnitt 1,90 Euro zahlen. Am günstigsten Parken Autofahrer in Hannover. Dort werden für die erste Stunde durchschnittlich 1,14 Euro verlangt. Mit Abstand am meisten müssen die Münchner zahlen: 3,10 Euro kostet dort im Durchschnitt eine Stunde parken.