Skateboard

Schall skatet auf Brettern, die die Welt bedeuten

Der Berliner Yannick Schall ist dreimaliger deutscher Skateboard-Meister und startet als einer der Favoriten beim Extreme Playground im Velodrom. Der Erfolgsdruck kommt allerdings nicht von außen, den macht sich der 23-Jährige selbst.

Foto: Yannick Schall

Es ist wie eine Verwandlung, wenn sich Yannick Schall auf sein Skateboard stellt. Er guckt hoch konzentriert, fast verbissen, wenn er mit seinem Brett über Stufen springt und Geländer entlanggrindet, wie es heißt. Hat der Deutsche Skateboardmeister von 2006, 2009 und 2011 jedoch keine vier Rollen unter den Füßen, wirkt er ganz anders: freundlich und etwas zurückhaltend, kein prolliges Gepose, wie man es von einem der besten Skater Deutschlands erwarten könnte.

Dabei hat er eigentlich allen Grund zum Angeben: Seit Jahren gehört er hierzulande zu den Besten der Szene, ist bei namhaften Sponsoren unter Vertrag und hat zahlreiche Pokale gewonnen. Am Sonntag möchte er seiner Sammlung einen weiteren hinzufügen: Dann startet der 23-Jährige beim Weltcup-Event „Telekom Extreme Playground“ im Velodrom (ab 11 Uhr). „In so einer großen Halle antreten zu können, ist einfach toll“, schwärmt er.

Premiere mit 13 Jahren

Anspannung verspürt Schall aber nicht, wenn er vor heimischem Publikum auftritt, im Gegenteil: „Der Druck ist viel höher, wenn mich mein Sponsor für 1000 Euro irgendwo per Flugzeug zu einem Contest hinschickt. Wenn ich in Berlin rausfliege, kann ich einfach nach Hause laufen“, sagt der 23-Jährige, der in Kreuzberg aufgewachsen ist und nun in Friedrichshain lebt.

Dass er bei solch hochkarätigen Wettkämpfen wie dem im Velodrom teilnimmt, hätte er nie gedacht, als er vor zehn Jahren zum ersten Mal auf einem Board stand. Zusammen mit seinen Freunden übte er in einem Skatepark in der Nähe seiner damaligen Wohnung Tricks und Sprünge. Schon nach einem halben Jahr startete er bei seinem ersten Contest. „Ich habe dann schnell große Fortschritte gemacht, und nach drei, vier Jahren war ich dann Profi.“

Leben kann er von den Preis- und Sponsorengeldern zwar nicht; ein nettes Zubrot ist es allemal. Pures Geldverdienen war aber noch nie sein Antrieb zum Skateboardfahren. „Ich mag das Skaten, weil es so vielseitig ist. Man kann viele Dinge ausprobieren, an sich arbeiten und sich immer weiterentwickeln.“ Schall ist ehrgeizig: „Wenn es bei mir Druck gibt, dann kommt der nicht von außen, sondern dann mache ich mir den selbst“, sagt der 23-Jährige. Er will sich selbst beweisen, dass er immer besser werden kann.

30 Stunden pro Woche auf dem Brett

Dafür übt er, etwa am Polendenkmal im Volkspark Friedrichshain oder am Kulturforum am Potsdamer Platz, seinen Lieblingsspots in Berlin. Im Sommer steht er dort bis zu 30 Stunden pro Woche auf dem Brett. „Da gibt es Stufen, Geländer und große Asphaltflächen.“ Ansonsten haben die Stadtplaner der Hauptstadt selten die Bedürfnisse der Skater berücksichtigt. „In Berlin gibt es viel Kopfsteinpflaster und weniger Gehwegplatten als in anderen Städten wie Barcelona oder New York, wo man herrlich skaten kann“, bemängelt Schall.

Wenn er nicht Skateboard fährt, studiert Schall Sport und Geschichte an der Humboldt-Universität. Später möchte er einmal als Lehrer an einem Gymnasium arbeiten. Mit Kindern umzugehen liegt ihm, das zeigt die Erfahrung mit jungen Fahrern. „Beim Skaten unterstütze ich Anfänger und gebe ihnen Tipps“, berichtet Schall.

Zeitlich ist das Doppelleben kein Problem für ihn: „Studieren und Skaten gehen super zusammen. Die Events sind meist am Wochenende, da habe ich ohnehin immer frei.“ In den Semesterferien hat er dann Zeit zu reisen.

Vorzüge der Architektur in Asien

Der nächste große Trip führt ihn im Januar nach Los Angeles, zum legendären Skatepark am Venice Beach – zum wiederholten Mal. Diese Reisen gehören zu den angenehmen Pflichten, die ihm sein Sponsor auferlegt. Ansonsten redet ihm das Label für Skateboards und Bekleidung bei Terminen wenig herein: „Es gibt bestimmte Wettbewerbe, wo ich fahren soll, aber das kann ich mir meistens frei einteilen.“

Bei Turnieren dabei zu sein oder seine Tricks für Fotoshootings zu inszenieren, seien zwar tolle Highlights für ihn, aber „am meisten Spaß macht es immer noch, einfach mit Freunden in der Freizeit zu fahren“, sagt der Berliner.

Yannick Schall hofft, dass er noch lange erfolgreich skaten kann. „Bis ich 30 Jahre alt bin, will ich auf jeden Fall weitermachen, wenn der Körper es hergibt, auch länger.“ Jürgen Horrwarth, ein anderer professioneller Berliner Skater, fahre schließlich auch noch mit Mitte 30, sagt Schall. Außerdem hat er sich vorgenommen, noch einige Skatespots zu erkunden. Es zieht ihn nach Australien und China. Besonders die Vorzüge der Architektur in Fernost sind ihm bekannt „Die haben viel Marmor dort“, lobt er. Darauf lässt sich gut mit dem Skateboard fahren.

Die Top 8 sind das Ziel am Sonntag

Seine kurzfristigen Ziele sind nicht minder ehrgeizig: „Ich möchte beim Wettbewerb am Sonntag endlich mal die nächste Runde erreichen, also unter die Top 8 kommen.“ In den vergangen Jahren hatte er immer viel Pech beim Heim-Weltcup, meint Schall.

Sein momentaner Lieblingstrick ist der „Nollie Frontside Flip“, den er vielleicht auch im Velodrom zeigen wird. Dabei springt er vom Brett ab und versetzt es in eine Rotation gegen den Uhrzeigersinn, um dann wieder mit beiden Füßen darauf zu landen. Sich selbst beobachtet er dabei mit seinem gewohnt strengen Blick. Für den Fall, dass er die Juroren mit dem Trick nicht überzeugen kann, hat Yannick Schall es wenigstens nicht weit bis nach Hause.

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