Unerlaubte Kopien

Plagiatssoftware soll Schulcomputer überwachen

Ab Frühjahr 2012 sollen Schulserver nach unerlaubten Kopien von Unterrichtsmaterialien durchsucht werden. Jede Einrichtung ist dabei selbst dafür verantwortlich, dass die Software nur nach Plagiaten fahndet.

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Verwertungsgesellschaften wie VG Wort oder VG Musikedition gehen offenbar davon aus, dass Lehrer in großem Umfang mit Kopien aus Schulbüchern arbeiten und Unterrichtsmaterialien digitalisieren, die urheberrechtlich geschützt sind. Mit einer entsprechenden Plagiatssoftware wollen sie das künftig überprüfen. Vom Frühjahr 2012 an sollen Schulserver nach der Nutzung unerlaubter Kopien durchsucht werden.

In der Berliner Bildungsverwaltung bleibt man gelassen. Beate Stoffers, Sprecherin von Bildungssenator Jürgen Zöllner (SPD), sagt, dass die Schulen darüber informiert sind, dass Schulbücher und Unterrichtsmittel nicht digitalisiert werden dürfen. Kopien von einzelnen Textstellen sowie einzelnen Materialien seien aber erlaubt. Dafür müssten alle Bundesländer schon jetzt Pauschalbeträge an die Verwertungsgesellschafen abführen. In Berlin bringe die Bildungsverwaltung dafür pro Jahr 400.000 Euro auf.

Stoffers betont, dass es eine Plagiatssoftware zur Durchsuchung der Schulserver bisher noch nicht gebe. „Wenn es sie dann gibt, muss zunächst überprüft werden, ob diese Software arbeits- und datenschutzrechtlich unbedenklich ist“, sagt sie. Erst dann könne sie installiert werden.

Der Berliner Datenschutzbeauftragte Alexander Dix hält den Einsatz einer derartigen Plagiatssoftware für unbedenklich, wenn die Schulen vorab darüber informiert und die Rechner nicht heimlich durchsucht werden. Außerdem müsse klar sein, dass die Software nur nach Plagiaten sucht und nicht beliebig Funktionen nachgeladen werden können, die nichts mit der Überwachung des Urheberrechts zu tun haben, sagt er. „Jede Schule ist allerdings selbst dafür verantwortlich, dass die Software nur nach Plagiaten sucht“, betont Dix.

Der Vorsitzende der Vereinigung der Berliner Schulleiter, Paul Schuknecht, kritisiert indes, dass die Schulen mit dem Problem der Sicherheit ihrer Schulserver allein gelassen werden. Seine Schule sei dafür ein Beispiel. Kürzlich habe sich ein Rechtsanwalt bei ihm als Schulleiter der Friedensburg Sekundarschule gemeldet und beanstandet, dass vom Server der Schule aus ein Film versendet worden sei. Das sei unerlaubter Datentransfer. Wenn von einer Anzeige abgesehen werden soll, koste das die Schule 850 Euro.

Schuknecht hat bei der Bildungsverwaltung nachgefragt, wie er sich in diesem Fall verhalten soll. „Es kann doch sein, dass es sich hier um eine Masche handelt, um zu Geld zu kommen“, sagt er. Er könne schließlich nicht überprüfen, ob stimme, was behauptet werde. Die Bildungsverwaltung habe ihm daraufhin beschieden, dass er als Leiter der Schule für diese Dinge selbst verantwortlich sei. Das hat den Schulleiter sehr verärgert: „Wir bekommen pro Woche zweieinhalb Stunden dafür, dass sich ein Kollege um die Schulcomputer kümmert. Das reicht hinten und vorne nicht aus.“ Schließlich könne sich jeder leicht an einem Schulcomputer anmelden. Er müsse nur das Schulpasswort kennen. Schuknecht forderte, dass die Bildungsverwaltung die Schulen dabei unterstützt, die Server sicher zu machen.

Grundlage der geplanten elektronischen Kontrolle von Schulservern ist der„Gesamtvertrag zur Einräumung und Vergütung von Ansprüchen“, den die 16 Bundesländer sowie verschiedene Verwertungsgesellschaften und Schulbuchverlage Ende 2010 unterzeichnet haben.