Bauarbeiten

Bahnstrecke Berlin-Potsdam für ein Jahr gesperrt

Die Deutsche Bahn saniert aber 11. Dezember marode Brücken und Gleise zwischen Charlottenburg und Wannsee. Damit brechen für rund 25.000 Fahrgäste, die täglich zwischen Berlin und Potsdam unterwegs sind, schwere Zeiten an.

Foto: ZB / ZB/DPA

Jost Wenzel ist so etwas wie ein Vorzeige-Bahnkunde. Jeden Tag steigt der Student morgens in Berlin-Friedrichstraße in den Regionalexpress zur Uni nach Potsdam, abends geht es mit dem Zug wieder zurück. Ein Auto hat der 25-Jährige, der in Wedding wohnt, nicht. „Das braucht man bei der guten Bahnverbindung nicht“, sagt er.

Doch für Wenzel und die rund 25.000 Fahrgäste, die jeden Tag mit dem Zug zwischen Berlin und Potsdam unterwegs sind, brechen bald schwere Zeiten an. Vom 11. Dezember 2011 an wird die Bahntrasse zwischen Charlottenburg und Wannsee komplett unterbrochen. Die Deutsche Bahn will – wie bereits vor einiger Zeit angekündigt – die marode Gleisverbindung durch den Grunewald sanieren. Besonders die 80 bis 110 Jahre alten Brückenbauwerke müssen dringend erneuert werden.

Der Chef des Verkehrsverbundes Berlin-Brandenburg (VBB), Hans-Werner Franz, begrüßt das bevorstehende Bauvorhaben trotz der damit verbundenen Einschränkungen. „Wir fordern seit Jahren die Verbesserung der Infrastruktur in diesem Bereich, es ist gut, dass die Bahn endlich damit beginnt“, sagt er. Wegen der vielen Schadstellen komme es auf der Strecke immer wieder zu Verspätungen.

Besonders betroffen davon sind die wichtigen Regionalexpresslinien 1 und 7. Laut VBB fuhren im Juli auf der RE1 (Magdeburg–Potsdam–Berlin–Eisenhüttenstadt) nur 72,8 Prozent der Züge laut Fahrplan, beim RE7 (Airport-Express) waren sogar nur 69,5 Prozent der Züge ohne Verspätung. Für den VBB-Chef eine „katastrophale Pünktlichkeit“. Doch die Streckensperrung hat für den VBB noch einen zweiten Grund. Damit die stetig wachsende Zahl von Fahrgästen auch künftig befördert werden kann, sollen ab Dezember 2012 vier Regionalzüge je Stunde und Richtung zwischen Berlin und Potsdam fahren. Doch dafür reicht die aktuelle Kapazität nicht. Die vielen Abschnitte, auf denen langsam gefahren werde muss, bremsen das Tempo der Züge, nachfolgende müssen warten.

36 Millionen Euro werden investiert

Das soll sich nun ändern, verspricht Peter Beier von der Bahn-Tochter DB Projektbau. Das Unternehmen investiert insgesamt 36 Millionen Euro in die Sanierung der Strecke. Für das Geld werden unter anderem 17 Überbauten an acht Eisenbahnüberführungen erneuert, 50.500 Tonnen Schotter ausgetauscht sowie fast 42 Kilometer Schienen neu verlegt.

Die Alternative zur Vollsperrung wäre das Bauen bei eingleisigem Weiterbetrieb gewesen. Doch dann hätten sich die Arbeiten über mehr als vier Jahre hingezogen

Dieses Szenario wollten weder die Bahn, noch der VBB den vielen Berufspendlern zumuten. Auch die Fahrgastverbände akzeptierten die anstehende Vollsperrung. Kritik gibt es von denen jedoch an einigen Punkten des Ersatzverkehr- und Umleitungskonzepts. So fordert etwa der Berliner Fahrgastverband Igeb, dass die S-Bahnlinie S7 (Potsdam–Ahrensfelde) bis Mitternacht im 10-Minuten-Takt bedient wird. Derzeit fahren die Züge nach 20.30Uhr nur noch alle 20 Minuten.

„Wir wollen die Verlängerung des Zehn-Minuten-Taktes nicht, weil wir Sorge haben, dass Fahrgäste nach 20 Uhr nicht mehr mit der S-Bahn mitkommen, sondern um die Umsteigezeiten in Wannsee für die dort mit Regionalzügen ankommenden Reisenden zu begrenzen“, sagt Igeb-Chef Christfried Tschepe.

Während die S-Bahn durchaus bereit ist, länger im 10-Minuten-Takt zu fahren, sieht der VBB, der das finanzieren müsste, dafür keinen Bedarf. „Nach 20 Uhr fährt ja auch der Regionalexpress nur noch einmal pro Stunde“, so ein VBB-Vertreter.

Die S-Bahn kann trotz der Bauarbeiten an den Fernbahngleisen weiter auf ihrer eigenen Trasse durch den Grunewald fahren. Sie dürfte damit die wichtigste Alternative für die täglich 25.000 Nutzer der unterbrochenen RE-Linien 1 und 7 sein. Rund ein Drittel von ihnen, so die VBB-Prognose, werden in die S7 umsteigen.

Die übrigen zwei Drittel, so die Hoffnung von VBB und Deutscher Bahn, werden eines der verschiedenen Alternativangebote mit Regionalbahnen nutzen. Welche Verbindung für den jeweiligen Reisenden am günstigsten ist, hängt stark davon ab, welches konkrete Fahrziel er hat. Mit Plakaten, Info-Broschüren und Durchsagen will die Bahn ab Anfang November auf die verschiedenen Möglichkeiten hinweisen. Bereits jetzt seien die Alternativen aber im Internet ( www.bahn.de oder www.vbb-online.de ) abrufbar, so die Sprecher von Bahn und VBB. Jost Wenzel hat auf seinem Laptop schon mal nachgeschaut. Er wird ja nach Verbindung zwischen zwölf und 14 Minuten mehr für eine Fahrstrecke brauchen. „Wenn der Zug nicht noch zusätzlich Verspätung hat, ist das noch einigermaßen okay“, sagt er.

So kommen Sie ab Dezember weiter

Der RE1 fährt zwischen Magdeburg und Frankfurt (O.) wie bisher stündlich, wird aber ab Werder über Golm umgeleitet. Die Fahrzeit verlängert sich um etwa zehn Minuten. Pendelzüge fahren im Stundentakt zwischen Werder und Wannsee (über Potsdam) sowie zwischen Frankfurt (O.) und Eisenhüttenstadt.

24.640 Fahrgäste sind täglich mit Regionalzügen zwischen Potsdam und Berlin unterwegs, knapp 20.000 allein im RE1. Für sie heißt es Umsteigen in die S-Bahn-Linien S1 oder S7.

Auch die Linie RE7 ist während der einjährigen Bauarbeiten unterbrochen. Montags bis freitags gibt es aber drei Direktzüge zwischen Belzig und Gesundbrunnen.