Interview

Warum Friedbert Pflüger ins Europaparlament will

Friedbert Pflüger kämpft wieder um Einfluss in der Berliner CDU. Nachdem er den Parteivorsitz nicht bekommen hat, will er nun das Europa-Mandat. Warum er daran glaubt, nominiert zu werden, wo er seine Stärken sieht und wie der die Reformfähigkeit der CDU einschätzt, darüber sprach Pflüger mit Gilbert Schomaker.

Morgenpost Online: Herr Pflüger treten Sie für die Wahl zur Spitzenkandidatur bei der Europawahl an?

Friedbert Pflüger: Ja. Bei der anstehenden Europawahl geht es für Berlin und für Deutschland darum, in einer schwierigen Zeit unsere Interessen und Werte nachhaltig zu vertreten. Wirtschafts- und Finanzkrise, Klimawandel und internationaler Terrorismus sind enorme Herausforderungen. Sie erfordern ein wirksames Auftreten auf der europäischen Ebene. Ich glaube, dass ich diese Interessenvertretung für die Berlinerinnen und Berliner gut leisten kann.

Morgenpost Online: Was sagen Sie denen in der Partei, die sagen, Friedbert Pflüger wird mit einem Europamandat nur versorgt?

Pflüger: Wäre Versorgung mein Ziel, hätte ich nicht mein Amt als Staatssekretär in der Bundesregierung aufgegeben, um hier in Berlin für meine Überzeugung zu arbeiten. Die Frage, die die Delegierten zu beantworten haben, ist: Wer ist am besten geeignet, Berlin und die Berliner CDU im europäischen Parlament kompetent zu vertreten?

Morgenpost Online: Da sind Sie besser geeignet als Joachim Zeller, der ja auch kandidieren will?

Pflüger: Es ist das gute Recht von Joachim Zeller zu kandidieren. Er ist ein verdienter Politiker, den ich schätze. Von meinem jahrzehntelangen Engagement in der Außen- und Sicherheitspolitik, unter anderem als Vorsitzender des Europaausschusses des Bundestages, leite ich ab, dass ich für Berlin in Brüssel das Optimum herausholen und wichtige Beiträge zur europäischen Politik leisten kann.

Morgenpost Online: Die Fraktion hat Sie als Fraktionschef abgewählt. Glauben Sie denn, dass die Berliner CDU Vertrauen in Ihre Person hat?

Pflüger: Auf dem kleinen Parteitag vor wenigen Tagen und vor allem auf den meisten der Regionalkonferenzen, wo die Basis vertreten war, habe ich einen klaren Auftrag verspürt: Wir wollen, dass du weitermachst für die Berliner CDU. Hätte ich diesen Auftrag in den letzten Wochen – auch in Hunderten von Briefen, E-Mails und Anrufen – nicht verspürt, würde ich nicht antreten. Ich habe es auch als Ermutigung empfunden, dass Richard von Weizsäcker und Eberhard Diepgen sich für mich ausgesprochen haben.

Morgenpost Online: Die einflussreichen Kreischefs aus dem Westteil haben wieder getagt und Absprachen über die Wahllisten getroffen. Offenbar haben sich die alten Strukturen nicht geändert. Glauben Sie, dass die Berliner CDU reformfähig ist?

Pflüger: Das hoffe ich sehr. Auf dem kleinen Parteitag ist viel über die Mitgliederbeteiligung gesprochen worden und darüber, dass alle Beteiligten aus den Fehlern der Vergangenheit lernen wollen und dass man in Zukunft einen fairen Umgang miteinander pflegt. Ich bin zuversichtlich, dass das nicht nur rhetorische Floskeln sind, sondern dass sich das auch in der Praxis bewährt. Dazu will ich meinen Beitrag gerne leisten.