Anonymes Schreiben

"Berlin Partner" im Visier der Wirtschaftsprüfer

Eigentlich soll sie Investoren anziehen und beraten: Nun steht die Wirtschaftsförderungsgesellschaft "Berlin Partner" wegen falscher Abrechnungen in der Kritik. Auch der Uni-Abschluss des Geschäftsführers wirft Fragen auf.

Foto: / Berlin Partner GmbH / Berlin Partner

Die Unruhe ist groß, die Mitarbeiter sind verunsichert: Die Gesellschaft Berlin Partner, die für den Berliner Senat und die Wirtschaft national und weltweit um Investoren wirbt, muss überprüft werden. Grund: In einem anonymen Schreiben werden Vorwürfe bezüglich des Geschäftsgebarens der Gesellschaft und gegen den Geschäftsführer René Gurka erhoben. Diese sind so schwerwiegend, dass der Aufsichtsrat von Berlin Partner beschlossen hat, die renommierte Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG mit einer Überprüfung der Gesellschaft zu beauftragen.

Bereits seit Dienstag befinden sich die KPMG-Experten in den Räumen von Berlin Partner an der Fasanenstraße. Es sollen alle Vorwürfe untersucht werden, die in dem anonymen Schreiben, das Morgenpost Online vorliegt, gegen das Unternehmen erhoben werden. „Mitte dieser Woche soll ein erster Zwischenbericht vorliegen“, sagte der Aufsichtsratschef von Berlin Partner, Peter Zühlsdorff, gegenüber Morgenpost Online.

"Bachelor of Laws" von Homepage entfernt

So soll die Gesellschaft Aufträge an eine Kanzlei vergeben haben, in der der Ehemann einer Mitarbeiterin von Berlin Partner beschäftigt ist. Die Kanzlei soll sich, so der Vorwurf in dem anonymen Schreiben, mit ihren Abrechnungen direkt an die Ehefrau gewandt haben. So seien über einen langen Zeitraum hinweg Beträge im vierstelligen Bereich mit Berlin Partner abgerechnet worden. Unklar ist derzeit, wann Geschäftsführer Gurka von diesen Vorwürfen erfahren und wann er die Vergabe dieser Aufträge gestoppt hat. Gurka wollte sich mit Hinweis auf die laufende Prüfung nicht äußern.

Aber es werden noch mehr Vorwürfe gegen die Geschäftspraxis bei Berlin Partner und gegen Gurka persönlich erhoben. Bei der Überprüfung durch KPMG geht es demnach auch um die Frage nach Gurkas Universitätsabschluss. Der Titel Bachelor of Laws (Abschluss in Rechtswissenschaften), den Gurka ursprünglich in seiner Biografie angegeben hat, fehlt inzwischen auf der Homepage von Berlin Partner. Der Titel soll erst kürzlich aus seinen Lebensläufen und allen Berlin-Partner-Veröffentlichungen gelöscht worden sein. Gurkas Sprecher, Christoph Lang, wollte sich dazu im Detail nicht äußern. Er sagte nur: „Die Untersuchung aufgrund des anonymen Briefs läuft und wird von der Geschäftsführung unterstützt.“

Für Unruhe sorgten in den vergangenen Tagen auch Spekulationen, Gurkas Vertrag sei vorzeitig verlängert worden, um seine Position vor der Abgeordnetenhauswahl am 18. September und damit vor einem möglichen Regierungswechsel zu sichern. Aufsichtsratschef Zühlsdorff wies diesen Verdacht zurück. Die Frage der Verlängerung habe im Juni angestanden, sagte er. „Der Vertrag wurde einstimmig vor der Sommerpause verlängert.“ Es sei üblich, ein halbes Jahr vor Vertragsende zu entscheiden, ob die Zusammenarbeit fortgesetzt werde oder nicht. „Wir haben den Vertrag gern verlängert“, sagte Zühlsdorff, der erst seit einem Jahr im Amt ist. Er habe volles Vertrauen in die Arbeit des Geschäftsführers.

Die Industrie- und Handelskammer (IHK), die fünf Prozent der Anteile an Berlin Partner hält, ist nach eigenen Angaben über die Sonderprüfung informiert. „Wir sind an einer vollständigen Klärung interessiert“, sagte IHK-Sprecher Bernhard Schodrowski. Wegen der laufenden Prüfung bewerte die Kammer die Vorwürfe jedoch nicht. „Wir haben volles Vertrauen in den Aufsichtsrat von Berlin Partner und seinen Vorsitzenden“, sagte Schodrowski. Wie aus Wirtschaftskreisen verlautet, gilt Gurka als guter Werber für Berlin, aber als schlechter Organisator seiner eigenen Gesellschaft. Deshalb erhoffe man sich jetzt auch, dass die KPMG wichtige Hinweise für eine neue Organisation von Berlin Partner geben werde, heißt es.

Termine für Wowereit

Darüber hinaus ist die Gesellschaft nicht unumstritten, weil sie in den vergangenen Monaten etliche Termine für Klaus Wowereit organisiert hat. Beispielsweise das Hoffest im Roten Rathaus, das schon Ende Juni stattfand. Üblicherweise lädt der Regierende Bürgermeister erst Ende September zum Fest, in diesem Jahr wurde die Veranstaltung wegen der Abgeordnetenhauswahl aber vorgezogen. „Berlin Partner organisiert den Wahlkampf für Klaus Wowereit mit“, heißt es deswegen kritisch bei den Oppositionsparteien. Dazu zählten auch Pressekonferenzen, bei denen neue Aktionen für die Werbekampagne „be Berlin“ vorgestellt worden seien – in Anwesenheit von Klaus Wowereit.

Berlin Partner ist ein Dienstleister für Unternehmen, die sich in Berlin ansiedeln wollen, und berät Berliner Firmen, die in anderen Regionen aktiv werden wollen. 45 Prozent des Unternehmens hält die Investitionsbank Berlin (IBB), 40 Prozent der Anteile besitzt die Holding „Partner für Berlin“. An der Holding sind 50 Berliner Unternehmen beteiligt. Jeweils fünf Prozent halten die IHK, Handwerkskammer und die Vereinigung der Unternehmensverbände Berlin und Brandenburg.

Seit knapp zwei Jahren kümmert sich Berlin Partner nicht nur um zuzugswillige Unternehmen, sondern auch um bereits in der Stadt ansässige Firmen. Die Mitarbeiter haben seitdem 800 Berliner Firmen besucht. Sie helfen, wenn es bei Baugenehmigungen hakt, nehmen Grundstückswünsche entgegen und unterstützen die Firmen bei der Personalsuche.