Abgeordnetenhauswahl

Stimmenkampf - FDP versucht es mit Humor

Die Berliner Liberalen müssen hart kämpfen, um im September den Wiedereinzug ins Abgeordnetenhaus zu schaffen. Helfen soll Humor - und ein bisschen auch die fehlende Haarpracht des Spitzenkandidaten Christoph Meyer.

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Der Wahlkampf für die FDP wird schwierig, das sagt auch Landes- und Fraktionschef Christoph Meyer gleich zu Beginn, als er am Freitag die Wahlkampagne seiner Partei vorstellt. Die Bundes-FPD kommt aus der Vertrauenskrise nicht heraus, in Berlin stehen vor allem die SPD mit Klaus Wowereit und die Grünen mit Renate Künast im Fokus des Wahlkampfs. Die aktuellste Umfrage des „Berliner Kuriers“ sieht die Liberalen in der Hauptstadt am Freitag bei zwei Prozent. Die Partei kämpft in Berlin ums Überleben. „Umso wichtiger, dass wir mit unserer Kampagne unsere Inhalte gut sichtbar in der Öffentlichkeit darstellen“, sagt Meyer.

Mit Humor und viel Text will die FDP Aufmerksamkeit erlangen zwischen den Kampagnen der Konkurrenz, deren Budget zum Teil fünffach größer ist als das der Liberalen. Bis zu 350.000 Euro hat die Berliner FDP zur Verfügung, 15.000 kleinere und 350 große Plakate will sie sich unter anderem davon leisten. Wortwitz sollen die Motive haben, sagt Wahlkampfleiter Roland Zielke. Diesen Wunsch hat die beauftragte Werbeagentur „Etwas Neues entsteht“ bereits in den Werbekampagnen für die Berliner Stadtreinigung („Lola trennt“) überzeugend umgesetzt. Auf einem der vorgestellten FDP-Plakate etwa steht selbstironisch: „Wenn er damit fertig ist, hat er gar keine Haare mehr: Christoph Meyer gegen 63 Milliarden Haushaltsschulden“. Darunter ein Bild des 35 Jahre alten Juristen, dessen blonde Haare sich mittlerweile eher auf den hinteren Teil seines Kopfes konzentrieren.

Ein anderes Motiv spielt mit dem Image der Partei: „Wie sozial ist die FDP?“ wird darauf gefragt. Die Antwort: „Wir denken nur ans Geld: Wir wollen unseren Kindern keine 63 Milliarden Haushaltsschulden hinterlassen.“ Die Kampagne sei durchaus textlastig und nicht einfach im Vorübergehen zu erfassen, sagt Zielke. „Sie soll zum Nachdenken anregen.“ Neben Wirtschaft und Finanzen sollen Bildung und Verkehr die beherrschenden Themen der Kampagne sein, nicht nur der Spitzenkandidat.

Über allem schwebt das neue Motto der FDP: „Die neue Wahlfreiheit“. Damit soll verdeutlicht werden, dass die Partei nicht nur personell neu aufgestellt ist – in Berlin hat Meyer vergangenes Jahr Markus Löning abgelöst, im Bund Philipp Rösler Guido Westerwelle an der Spitze verdrängt –, sondern auch „als einzige Partei für Freiheit statt Bevormundung im täglichen Leben steht“.

Die Kampagne soll sich vor allem auf die Innenstadt und auf den „liberalen Halbmond“, wie es Meyer nennt, konzentrieren – auf den westlichen Außengürtel Berlins, von Frohnau bis Treptow. Dort vermutet die Partei, am meisten Menschen motivieren zu können, für sie am 18. September zur Wahl zu gehen. Es gebe unter den FDP-Wählern von 2006 noch 37 Prozent Unentschlossene, sagt Meyer. „Diese Menschen zu überzeugen ist für uns der Schlüssel zum Wahlerfolg.“ Wenn das gelänge, dann sei es „kein Problem, über die Fünfprozenthürde zu kommen“ – das Ziel der Berliner Liberalen.