Krumme Lanke

See-Anwohner fürchten Facebook-Party

Hunderte Jugendliche strömen nahezu jeden Abend zum Feiern Richtung Schlachtensee und Krumme Lanke. Das ärgert die Anwohner, nicht nur wegen des Lärms. Sie fordern ein Alkoholverbot. Nun droht neuer Promille-Ärger.

Foto: Christian Kielmann

Die Wohngegend ist schön. Einfamilienhäuser mit gepflegten Vorgärten, historische Gaslampen am Straßenrand, viel Grün. Die denkmalgeschützte Waldsiedlung „Krumme Lanke“ zählt zu den besten Adressen in der Hauptstadt. Doch am Wochenende ist es mit der bürgerlichen Idylle regelmäßig vorbei. Jugendliche und junge Erwachsenen ziehen in großen Gruppen mit Bierkästen durch das Viertel zwischen Quermatenweg und Argentinischer Allee. Ihr Ziel: der beliebte Badesee Krumme Lanke in Steglitz-Zehlendorf.

Am Ufer hören sie Musik, grillen, essen, trinken – und feiern exzessiv. Wenn die Party vorbei ist, irgendwann in den frühen Morgenstunden, geht es für die Jugendlichen wieder zurück zum U-Bahnhof. Und damit direkt durch die Siedlung. Anwohner klagen über Lärmbelästigung, zersplitterte Glasflaschen auf den Wegen und Vandalismus. „Autospiegel werden abgetreten, Mülleimer umgekippt und Haustüren mit Graffiti beschmiert“, sagt Esther Konieczny, die mit ihrem Mann seit einem Jahr im Viertel lebt. Ärgerlich für die Anwohner: Da die Waldsiedlung in privater Hand ist, müssen sie für entstehende Schäden aufkommen. Auch nach den Trinkgelagen.

Doch damit soll jetzt Schluss sein: 30 Anwohner haben sich zusammengeschlossen, Unterschriften gesammelt und einen Brandbrief an den Bezirksbürgermeister von Steglitz-Zehlendorf, Norbert Kopp (CDU), geschickt. Sie fordern mehr Kontrollen, ein Alkoholverbot am See und eine Einschränkung des Wegerechts. Kopp kann den Ärger der Anwohner verstehen. „Grünanlagen sind nicht dazu da, Party zu machen“, sagt er. Ein Alkoholverbot lehnt der CDU-Politiker aber ab. „Es fehlt an Personal, um die Einhaltung zu kontrollieren“, sagt Kopp.

Aufrufe bei Facebook

Am Wochenende droht der Waldsiedlung neuer Ärger: Am Freitagabend soll schon die nächste große Feier starten. Über das soziale Netzwerk Facebook wurde dazu eingeladen, an den See zu kommen. Mehrere hundert User haben schon zugesagt.

Die Krumme Lanke ist nicht der einzige „Problemsee“ in Zehlendorf. Auch am Schlachtensee gab es in diesem Sommer schon Ärger: Jugendliche aus ganz Berlin haben das Ufer als Party-Revier entdeckt. Die Polizei registrierte seit Mai bereits 34 Straftaten, eine Steigerung um 25 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Im Alkoholrausch sei es immer wieder zu Schlägereien und Sachbeschädigungen gekommen. Bewohner müssten sich anpöbeln lassen und auch die Diebstähle nähmen zu. Trauriger Höhepunkt in diesem Sommer: Ein amerikanischer Austauschschüler ertrank im Schlachtensee. Polizei und Ordnungsamt reagieren inzwischen mit verstärkten Kontrollen und mehr Präsenz am See. Die Situation scheine sich leicht zu entspannen, sagt Bezirksstadträtin Barbara Loth (SPD). Allerdings könne jungen Erwachsenen nicht verboten werden, am Seeufer Alkohol zu trinken. Sowohl Loth als auch Bezirksbürgermeister Kopp glauben nicht, dass sich das Problem nur durch Kontrollen und Verbote lösen lässt. „Sobald wir strenger durchgreifen, ziehen die Jugendlichen und jungen Erwachsenen eben weiter“, sagt Kopp. Vom Schlachtensee an die Krumme Lanke oder in einen anderen Bezirk. Die Probleme, so Kopp, werden dadurch nicht gelöst, sondern nur verlagert.

Die Verwaltung hat den erbosten Anwohnern der Waldsiedlung zugesagt, den Supermarkt am U-Bahnhof und die Tankstelle genau zu überprüfen. Dort decken sich die Jugendlichen mit Alkohol ein, glauben die Bewohner. „Wir werden kontrollieren, ob der Jugendschutz eingehalten wird“, sagt Stadträtin Loth.

Bezirk schlägt Runden Tisch vor

Der Bezirk hat der Anwohnerinitiative auch einen Runden Tisch vorgeschlagen. Polizei, Ordnungsamt, Politik und Siedlungsbewohner sollen sich regelmäßig über die Probleme am Partysee austauschen. Erst vergangenen Sonnabend waren der Bezirksbürgermeister, seine Stadträtin, Vertreter der Polizei und des Ordnungsamtes vor Ort, um sich ein Bild zu machen. Zusammen mit 20 Anwohnern haben sie sich die Situation am See angeschaut. Jugendliche hatten illegal gegrillt, das Ordnungsamt musste einschreiten.

Bezirksbürgermeister Kopp sagt, dass ein „gewisser Druck“ sicherlich hilfreich sei. Allerdings setze er auf die Vernunft der jungen Menschen, die im Sommer an den See kommen und Spaß haben wollen.

Bei der Facebook-Party, die für Freitagabend geplant ist, hat das auch – beinahe – geklappt. Mitarbeiter des Ordnungsamts und Polizisten gingen zu dem jungen Mann nach Hause und informierten ihn über die Bestimmungen des Grünanlagengesetzes. Das verbietet Massenpartys. Wenig später verschwand die Einladung aus dem Netzwerk. „Wir können natürlich nicht verhindern, dass immer wieder zu Facebook-Partys im Internet aufgerufen wird“, sagt CDU-Politiker Kopp. Am Donnerstag waberten immer noch Gerüchte über die Party an der Krummen Lanke durchs Netz. Ein Facebook-Nutzer verfasste einfach eine neue Einladung und setzte knapp 200 Leute auf die „Gästeliste“. Der Name der Feier ist kurz und knapp: „Saufen und Tanzen“.