Flughafen-Nachnutzung

TU Berlin plant Komplett-Umzug nach Tegel

Mit der Eröffnung des neuen Haupstadtflughafens BER kommt auch das Ende des Flughafens Tegel. Der Präsident der Technischen Universität Berlin hält das Gelände für den "idealen Standort" für seine Uni. Der Senat reagiert bisher skeptisch.

Foto: Massimo Rodari

Die Technische Universität Berlin will komplett nach Tegel umziehen und auf dem Flughafenareal einen Campus errichten. „Wir sind gerade dabei, ein Konzept zu erstellen, und betrachten das Flughafengelände als idealen Standort“, sagte TU-Präsident Jörg Steinbach am Sonnabend Morgenpost Online. Der Flugbetrieb wird in Tegel mit Eröffnung des neuen Hauptstadtflughafens BER in Schönefeld im Juni nächsten Jahres eingestellt. Die Grobplanung des Senats sieht für das 460 Hektar große Gelände im Norden Berlins einen Industriestandort für Zukunftstechnologien vor.

TU-Präsident Steinbach betonte, dass in Tegel ein komplett neuer Campus entstehen könnte, der auch der Beuth-Hochschule Raum biete. Diese renommierte Hochschule steht bereits seit vergangenem Jahr als möglicher Nutzer des Terminals in der Diskussion. Doch anders als die Beuth-Hochschule hat die TU nach Angaben ihres Präsidenten Größeres im Sinn: „Wir würden für unsere Idee etwa zwei Drittel bis drei Viertel des gesamten Flughafenareals beanspruchen“, sagte Steinbach. „Unsere Devise lautet: Ganz oder gar nicht.“ Einzelinstitute weiterhin in der Stadt zu verteilen, hält der TU-Präsident weder für zeitgemäß noch sinnvoll. „Ich habe mir einige moderne Universitätscampus im Ausland angesehen und kann nur sagen, so, wie es in Berlin ist, würde man das heute nicht mehr machen“, sagt Steinbach.

Die TU in Tegel könnte im Süden auch die Erweiterung von Siemens nutzen, argumentiert der TU-Präsident. „Das wäre ein wichtiger Sprung nach vorn für ganz Berlin.“ Zur Finanzierung des Großprojektes müsse man Bundesmittel gewinnen, was machbar sein sollte, so Steinbach weiter. Die TU verfüge zudem über Liegenschaften „in exzellenter Lage“, die, wenn sie frei würden, auch gewinnbringend genutzt werden könnten. Außerdem stünden die wissenschaftlichen Einrichtungen Berlins 2014 vor einem großen Sanierungsstau in Höhe von mehr als einer Milliarde Euro. „Viele Sanierungen, die anstehen, wie beispielsweise beim Gebäude für Mathematik, sind teurer als ein Neubau“, so Steinbach. Aber eins sei klar, so der TU-Präsident: „Das geht alles nicht ohne Hilfe des Bundes.“

Auch Steinbachs Vorgänger Kurt Kutzler begrüßte den Vorstoß. Steinbach habe mit seiner Idee „einen großen Stein ins Wasser geworfen“. Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD) reagierte hingegen verhalten. Sie bezweifelt, dass es richtig ist, „einen Campus außerhalb einer lebendigen Stadt einzuordnen“. Die Senatorin ist skeptisch, „ob das tatsächlich für Studenten und Wissenschaftler so attraktiv ist“. Im Übrigen sei sie der Ansicht, dass es „wunderbar ist, wenn die Techniker Visionen haben, allerdings muss sich das rechnen“. Nur eine Rechnung mit schwarzen Zahlen „wäre die Voraussetzung, unter der wir diesen Vorschlag dann sehr gern weiter diskutieren“.

Die Industrie- und Handelskammer Berlin begrüßt dagegen den Vorstoß von TU und Beuth-Hochschule. „Das geht in die richtige Richtung“, sagte der Vize-Hauptgeschäftsführer der IHK, Christian Wiesenhütter. „Die Voraussetzungen, um in Tegel nach Ende des Flugbetriebs eine einzigartige Verknüpfung von Wissenschaft und forschender Industrie anzusiedeln, sind hervorragend. Den Wissenschaftseinrichtungen kommt hierbei eine Schlüsselrolle zu.“ Die IHK hat Wissenschaftssenator Jürgen Zöllner (SPD) bereits aufgefordert, sich verstärkt für die Ansiedlung der Wissenschaft in Tegel einzusetzen. Doch aus dessen Haus gab es bislang, auch auf Nachfrage der Morgenpost, keine Stellungnahme zu dem Vorhaben der Technischen Universität.