Humboldt-Forum

Schloss könnte bis zu 750.000.000 Euro kosten

Was viele geahnt hatten, wird nun immer mehr offenbar – die Baukosten des Berliner Stadtschlosses werden enorm steigen. Experten rechnen mittlerweile mit Kosten in Höhe von einer Dreiviertelmilliarde Euro.

Je näher der Baubeginn für das Humboldt-Forum rückt, desto höher werden die von verantwortlicher Seite eingeräumten Baukosten. Nachdem sich vor einem Monat der Stiftungsvorstand des Berliner Schlosses, Manfred Rettig, aus der Deckung wagte und öffentlich einräumte, dass das Schloss mindestens acht Prozent teuer werde als geplant, folgt nun Kulturstaatsminister Bernd Neumann. Der Kostenrahmen werde schon deshalb nicht eingehalten werden, weil man automatisch einen entsprechenden Kostensteigerungsindex einrechnen müsse wie bei allen größeren Bauvorhaben, sagte der CDU-Politiker am Freitag. Wie viel mehr Geld eingeplant werden muss, sagte Neumann nicht. Er gehe davon aus, dass dies vom Haushaltsausschuss so akzeptiert werde.

Ob es sich bei den Kosten-Geständnissen um die bei Politikern beliebte Salami-Taktik oder schlicht die Anerkennung der Realitäten handelt, ist noch offen: Bauexperten jedenfalls warnen, dass die jetzt eingeräumten Mehrkosten noch längst nicht die tatsächliche Endsumme sein könnten. Zur Erinnerung: 552 Millionen Euro waren ursprünglich für den Wiederaufbau vorgesehen. Der Bund beteiligt sich mit 440 Millionen Euro, das Land Berlin mit 32 Millionen. 80 Millionen Euro sollen über Spenden finanziert werden.

Beim Festlegen des Kostenrahmens von 552 Millionen Euro war man noch von einem Baustart 2011 ausgegangen. Der erste Spatenstich für das vom Architekten Franco Stella geplanten Gebäudes ist aber nun für 2013 geplant. 2018 soll das Schloss, das ein modernes Museums- und Veranstaltungszentrum beherbergen soll, fertig sein. Stiftungsvorstand Manfred Rettig hatte deshalb erklärt, dass aufgrund der Kostensteigerungen im Baugewerbe beim Schloss am Ende eine andere Summe auf der Abschlussrechnung stehen werde. Die Baukosten würden vermutlich acht Prozent höher und damit bei 596 Millionen Euro liegen.

Neumann betonte, es müsse alles getan werden, um im Kostenrahmen zu bleiben. „Wir wollen ja nicht die Fehler beim Bau der Elbphilharmonie in Hamburg wiederholen, wo die tatsächlichen Kosten das Veranschlagte um ein Mehrfaches übersteigen.“ Mittlerweile werden die Kosten für das Konzerthaus auf 351,3 Millionen Euro beziffert, fast fünf Mal so hoch wie geplant. Neumann räumte ein, wenn bei einem Großprojekt wie dem Schloss außergewöhnliche Kosten anfielen, müssten sie bewältigt werden: „Das muss dann aber schon wirklich außergewöhnlich sein.“

Die Kuppel in ihrer originalen Form sei jedenfalls nicht im Kostenrahmen enthalten. „Die rekonstruierte Kuppel – und nicht bloß ein Platzhalter – wäre aber aus ästhetischen und historischen Gründen wichtig“, so der Kulturstaatsminister. Wenn diese nur schrittweise errichtet werden könne, dann sei es eben so, sagte der CDU-Politiker. Sollte es dafür privates Geld geben, wäre es umso besser. Im Ergebnis halte er es aber für wichtig, dass das Schloss mit der historischen Kuppel vollendet werde. „Wir haben gesehen, welche enorme Wirkung die Kuppel auf dem Reichstag entwickelt hat.“

Nach Stellas Plänen werden drei barocke Fassaden des 1950 gesprengten Schlosses rekonstruiert. Die vierte zur Spree gerichtete Ost-Fassade wird dagegen mit einer modernen Rasterfassade gestaltet. Im Humboldt-Forum sollen die außereuropäischen Sammlungen der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, ein Museum zur Geschichte des Schlosses, die Zentral- und Landesbibliothek sowie Einrichtungen der Humboldt-Universität einziehen.

Kostenrahmen zu eng gesetzt

Der Architekten- und Ingenieurverein zu Berlin (AIV) erneuerte am Freitag seine Kritik, dass der festgelegte Kostenrahmen für diese große Aufgabe nicht ausreichend sein wird. „Schon der Vergleich mit anderen Berliner Kulturbauten zeigt, dass das Budget zu niedrig angesetzt war“, so das AIV-Mitglied Tobias Nöfer. So wurden beim vielgelobten Wiederaufbau des Neuen Museum durch den britischen Architekten David Chipperfield 10?200 Euro pro Quadratmeter Geschossfläche ausgegeben. „Wenn man das auf das Schloss mit seinen rund 75.000 Quadratmetern Geschossfläche hochrechnet, liegt man bei 765 Millionen Euro“, so Architekt Nöfer. Dieser Vergleich hinke natürlich wie jeder Vergleich, für die Berechnung der Größenordnung sei er aber aufgrund der umfangreichen Rekonstruktionen beim Schloss passend. „Insofern kann die Verteuerung keine Überraschung sein“, so der Architekt.

Mit der Entscheidung des Bundestages für den Wiederaufbau des Schlosses habe das Land eine Entscheidung getroffen. „Man darf jetzt vor den Kosten nicht zurückschrecken, auch wenn sie höher werden, als in einer frühen Phase veranschlagt“, sagte Nöfer. Der AIV fürchtet aufgrund des erreichten Planungsstandes und der beteiligten Fachleute auf Bauherren- und Planerseite aber keine Kostenexplosion wie bei der Elbphilharmonie. Dies zeige auch das Neue Museum, bei dem der nach der Entwurfsphase festgelegte Kostenrahmen eingehalten wurde. Ein so wichtiger Bau müsse in hoher Qualität gebaut werden. Nöfer: „Es wäre ein Fehler, das Schloss kaputt zu sparen.“