Ferienbeginn

Deutsche Easyjet-Mitarbeiter stimmen für Streik

Beim Billigflieger Easyjet könnte es am Flughafen Berlin-Schönefeld zu Beginn der Ferien zu einem unbefristeten Streik kommen. In einer Urabstimmung sprachen sich Flugbegleiter und Piloten fast geschlossen dafür aus. Ein neues Angebot der Arbeitgeber könnte das drohende Chaos noch abwenden.

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Mitten in den Sommerferien müssen Flugreisende bei der britischen Gesellschaft Easyjet mit Flugausfällen und Verspätungen rechnen. Von nächster Woche an droht die Gewerkschaft Ver.di mit einem Streik der in Deutschland beschäftigten Piloten und Flugbegleiter.

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Ausgerechnet in den Sommerferien droht Chaos am Flughafen Schönefeld. Bei der Billigfluglinie Easyjet stehen die Zeichen auf Streik. Ab kommender Woche wollen Piloten und Flugbegleiter streiken, sagte ein Sprecher der Gewerkschaft Ver.di am Montag. Dies habe eine Urabstimmung ergeben. 94 Prozent der teilnehmenden Flugbegleiter und 98 Prozent der Piloten hätten für den Arbeitskampf gestimmt, hieß es.

"Es liegt an Easyjet, den Arbeitskampf noch zu verhindern“, fügte Ver.di-Verhandlungsführer Holger Rößler hinzu. Die Gewerkschaft sei weiterhin zu Verhandlungen bereit. Lege das Unternehmen aber kein verhandslungstaugliches Angebot vor, drohten „ab kommender Woche Streiks". Reisende müssten dann in ganz Europa mit Flugausfällen und Verspätungen rechnen. Die Gewerkschaft fordert einen Tarifvertrag und ein höheres Gehalt für das Cockpit- und Kabinenpersonal. Easyjet beschäftigt in Schönefeld laut Ver.di 110 Piloten sowie 240 Flugbegleiter.

Polen arbeiten zu Niedriglöhnen

Bei Warnstreiks im April und Mai hatte das britische Management Personal von anderen Easyjet-Standorten als Streikbrecher nach Berlin geschickt. Trotzdem war es zu Flugausfällen und Verspätungen gekommen. Die Gewerkschaft Ver.di fordert den erstmaligen Abschluss eines Tarifvertrages für die Piloten und Flugbegleiter. Easyjet beschäftigt in Berlin-Schönefeld rund 240 Flugbegleiter sowie 110 Flugzeugführer. Erst seit Mai 2010 hat das dortige Easyjet-Personal nach langen Auseinandersetzungen mit dem britischen Management deutsche und nicht mehr britische Arbeitsverträge.

Seitdem bekommen aber neue Easyjet-Mitarbeiter in der Kabine, darunter viele Polen, nach Ver.di-Angaben niedrigere Löhne als das übrige Personal. Ver.di-Verhandlungsführer Holger Rößler zufolge beträgt die Differenz bis zu 20 Prozent. Das Entgelt liegt damit bei etwa 1500 Euro im Monat und damit weit unter den Gehältern, die Konkurrenten wie Air Berlin zahlen. Im Cockpit gebe es zudem das Problem, dass viele Co-Piloten nach Ansicht von Ver.di eher „Scheinselbständige sind als feste Mitarbeiter“. Dass sich Ver.di bei Easyjet auch für Piloten einsetzt, ist ungewöhnlich. Normalerweise verhandelt in Deutschland bei fast allen Airlines die berufsständische Vereinigung Cockpit. Dort wird die Forschheit der Ver.di-Vertreter im Tarifkonflikt mit der Easyjet auch als Indiz dafür gewertet, dass sich die Großgewerkschaft für Piloten als Alternative zu Cockpit positionieren will.

Rößler hat noch die Hoffnung, dass das Management angesichts des Drucks und der derzeit schlechten wirtschaftlichen Lage noch einlenken wird. Mit dem Arbeitskampf will Ver.di den erstmaligen Abschluss eines Einkommenstarifvertrages für das fliegende Personal von Easyjet erzwingen, das in Berlin-Schönefeld seine Basis hat. Zuletzt hätten die Beschäftigten 2008 mehr Geld bekommen, erklärte die gewrkschaft. Zehnmonatige Verhandlungen hätten bisher kein Ergebnis gebracht.

Easyjet zeigte sich enttäuscht über das Ergebnis der Urabstimmung „trotz des Angebots, die Löhne zu erhöhen“. Das Unternehmen habe sich in langen Verhandlungen dafür eingesetzt, eine Einigung zu finden und sei „überzeugt, dass das Angebot für eine Einigung hinreichend gewesen wäre“. Sollte es zu einem Streik kommen, werde Easyjet seinen Passagieren alle Flugplanänderungen von sich aus per E-Mail und SMS mitteilen.

Die Schulferien haben bereits im Saarland, in Hessen und Rheinland-Pfalz begonnen. In dieser Woche fangen sie noch in Berlin, Brandenburg und Hamburg an. Nächste Woche folgen Schleswig-Holstein, Niedersachsen, Bremen und Mecklenburg-Vorpommern. Zwei auf mehrere Stunden befristete Warnstreiks hatten in Berlin im April und Mai bereits zu einigen Flugausfällen und langen Verspätungen geführt. Easyjet bedient von Berlin-Schönefeld aus 35 verschiedene Flughäfen in Europa und Nordafrika. Mit Beginn des Winterflugplans im Oktober will die Billigfluggesellschaft die Hauptstadt zusätzlich mit Agadir, Teneriffa und Manchester verbinden.

Ein längerer Streik in einer der wichtigsten Basen der britischen Gesellschaft auf dem europäischen Festland würde die Airline in einer schwierigen Phase treffen. Zwar schaffte der Billigflieger Easyjet im Mai ein kräftiges Passagierplus. Die Zahl der Fluggäste wuchs um 11,3 Prozent auf 4,74 Millionen, wie das Unternehmen jüngst mitteilte. Aber gleichzeitig verschlechterte sich die Auslastung der Easyjet-Maschinen um 1,7 Prozentpunkte auf 84,1 Prozent. Gleichzeitig machen die steigenden Ausgaben für Treibstoff der gesamten Luftfahrtbranche zu schaffen. Doch Billigfluglinien wie Ryanair und Easyjet sind stärker betroffen. Durch den hohen Ölpreis steigt der Anteil der Kerosinkosten an den Gesamtausgaben. Doch die höheren Kosten können die Billigflieger nicht so einfach an ihre besonders preissensible Kundschaft weitergeben. Trotzdem haben beide Gesellschaften jüngst Preiserhöhungen angekündigt. Easyjet versucht zudem, mehr Geschäftsleute in ihre Maschinen zu locken. Die mögen es nicht, wenn Flüge ausfallen und dann zusätzliche Kosten für alternative Beförderung oder Hotelübernachtungen anfallen.

Easyjet fliegt hohen Verlust ein

Und auch bei Easyjet ist es das Geschäft mit den Urlaubern in den Sommermonaten, die der Airline Überschüsse einbringt und Verluste im verkaufsschwachen Winterhalbjahr ausgleicht. Und hier traf es die Briten wegen der hohen Kerosinpreise besonders hart. Der Verlust vor Steuern im ersten Halbjahr verdoppelte sich gegenüber dem Vorjahreszeitraum nahezu auf 153 Millionen Pfund (174 Millionen Euro). Die trübe Konjunktur in Großbritannien und das schwache britische Pfund hemmten die Reisetätigkeit der Touristen von der Insel. Doch aufgrund des starken Zulaufs an ausländischen Fluggästen – unter anderem aus Berlin – die bei Easyjet gegenwärtig 59 Prozent ausmachen, stieg der Umsatz um rund acht Prozent auf 1,3 Milliarden Pfund.

Dass sich Ver.di bei Easyjet auch für Piloten einsetzt, ist ungewöhnlich. Normalerweise verhandelt in Deutschland bei fast allen Airlines die berufsständische Piloten-Vereinigung Cockpit. Dort wird die Forschheit der Ver.di-Vertreter im Tarifkonflikt mit der Easyjet auch als Indiz dafür gewertet, dass sich die Großgewerkschaft für Piloten als Alternative zu Cockpit positionieren will und deshalb unbedingt einen respektablen Abschluss erzielen will.