Eichenprozessionsspinner

Berlin fehlt Geld gegen Raupen-Plage

Juckreiz , Pusteln und sogar Asthma: Die feinen Härchen der Eichenprozessionsspinner sind noch eine Gefahr, wenn die Raupe längst nicht mehr an Berlins Bäumen wütet. Aus Kostengründen kann Berlin dem Schädling nicht überall den Garaus machen.

In Berlin wütet der Eichenprozessionsspinner. Kaum treiben die Eichen im Frühjahr Blätter aus, sind die ersten Baumkronen auch schon wieder kahl gefressen. Im Grunewald, im Tiergarten und anderen Stadtwäldern erinnern rot-weiße Bänder die Spaziergänger daran, sich der dicken Raupe möglichst nicht zu nähern.

Denn ihre Nesseln sind giftig. Bei Hautkontakt löst das Gift Juckreiz aus, Pusteln und Hautreizungen entstehen. Es kann sogar sein, dass Menschen Asthmaanfälle bekommen, wenn sie die Härchen eingeatmet haben. Besonders gefährlich ist das Gift für Allergiker, die davon einen lebensbedrohlichen Schock bekommen können.

Auch Ende Juni, wenn sich der Eichenprozessionsspinner in einen Schmetterling verwandelt, ist die Gefahr noch nicht gebannt. Die Falter lassen ihre Raupenhaut samt Nesseln in den Baumgespinsten zurück. „Noch Jahre danach wirken die feinen Härchen giftig“, sagt Marc Franusch vom Landesforstamt.

Deshalb soll dem Eichenprozessionsspinner nun der Garaus gemacht werden. „Besonders an Orten, an denen sich regelmäßig Menschen aufhalten, sollen die Eichen abgesaugt werden“, sagt Marc Franusch. Etwa in der Nähe von Kitas, Schulen, Campingplätzen, Waldschulen, Spielplätzen, Biergärten und in den Bereichen um Strandbäder wie etwa am Wannsee sollen die Eichen von der Raupe befreit werden.

Aus Kostengründen können jedoch nicht alle Berliner Bäume abgesaugt werden. „Zwar sind Tausende Bäume befallen, nicht nur im Wald, sondern auch in den Straßen “, sagt Marc Franusch. Aber pro Baum zahle der Bezirk laut Pflanzenschutzamt bis zu 200 Euro für das Absaugen – zu teuer für die Bezirkshaushalte. Am Dienstag sollen nun mithilfe einer Expertenkommission die Stellen ausgewählt werden, an denen der Eichenprozessionsspinner dem Menschen besonders gefährlich werden kann. Dort sollen dann die Spezialstaubsauger zum Einsatz kommen. Eine dauerhafte Lösung ist das Absaugen zwar nicht, bisher gibt es jedoch keine Alternative.

Natürlicher Feind gesucht

Zwar könnten die Nester an den Bäumen ausgebrannt werden – was vergangene Woche in Tiergarten auch noch gemacht worden war. „Wegen der hohen Waldbrandgefahr scheidet die Verwendung von Feuer jedoch aus“, sagt Isolde Feilhaber vom Pflanzenschutzamt Berlin. Auch mit chemischen Mitteln könne nicht gegen die Falterlarve vorgegangen werden, das verbiete sich aus Gründen des Umweltschutzes. Diese Methoden haben zudem den Nachteil, dass jede Eiche damit einzeln behandelt werden müsste.

Eine Hoffnung im Kampf gegen den Prozessionsspinner gibt es allerdings: „Wir testen derzeit eine neue Methode, um den Eichenprozessionsspinner auszurotten“, sagt Isolde Feilhaber. An einzelnen Bäumen in verschiedenen Verbreitungsgebieten werden Nematoden auf den Blättern ausgesetzt. Das sind winzige Fadenwürmer. Werden sie vom Eichenprozessionsspinner gefressen, vermehren sie sich in dessen Bauch. Dabei entstehen Bakterien, die für die Raupe giftig sind und sie umbringen. „Leider ist diese Methode noch in der Testphase“, sagt Isolde Feilhaber. Bislang sei der Nematode der einzige natürliche Feind, der den Prozessionsspinner dauerhaft schädigen könne.

Wie in den vergangenen Jahren sind besonders Waldgebiete im Süden Berlins betroffen, da der Eichenprozessionsspinner von Südwesten nach Berlin eingewandert ist und sich insbesondere an den Ufern der Havel ausgebreitet hat. „Aber der Spinner wandert weiter, auch in den Waldgebieten rund um den Müggelsee und in den Müggelbergen sind bereits Eichen befallen“, sagt Marc Franusch vom Landesforstamt. Bisher sei der Köpenicker Forst verschont geblieben. Doch der Befall setze sich fort, die Population der unliebsamen Raupen steige insgesamt an.

Die Berliner können bislang nur zur Vorsicht aufgerufen werden: „Achten Sie bis Ende Juli bei Spaziergängen im Stadtgebiet, insbesondere in Parkanlagen, sowie bei Ausflügen in den Wäldern Berlins und der Umgebung auf die Warnschilder“, sagt Marc Franusch. Besonders in Wäldern mit vielen Eichen sollten die Wege nicht verlassen werden. Dies gilt auch für Hunde und Pferde, denn das Gift der Eichenprozessionsspinner wirkt ebenfalls bei Tieren. „Raupen und ihre Gespinstnester dürfen auf keinen Fall berührt werden“, mahnt Franusch. Sollte es dennoch zu einem Kontakt gekommen sein, sollten Betroffene die Kleidung noch vor dem Betreten der Wohnung wechseln, dann duschen, Haare waschen und die Augen ausspülen.

Treten trotz der Vorsichtsmaßnahmen allergische Reaktionen auf, sollte der Hausarzt verständigt werden und im Falle eines allergischen Schocks der Rettungsdienst gerufen werden.