Arabische Großfamilien

Sechs kriminelle Clans halten die Polizei in Atem

Sechs arabische Clans treten in Berlin im kriminellen Milieu besonders in Erscheinung. Doch Innensenator Körting warnt vor einer pauschalen Verurteilung. Für Thilo Sarrazin hat er noch einen Seitenhieb parat.

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In diesem Jahr sind bislang 350 Mitglieder arabischstämmiger Großfamilien in Straftaten verwickelt worden. Dabei ermittelte die Polizei 122 Tatkomplexe – darunter so schwerwiegende Delikte wie Drogenhandel und schwerer Raub. Das sagte der Chef des Landeskriminalamtes (LKA), Peter-Michael Haeberer, am Montag im parlamentarischen Innenausschuss. Insgesamt gebe es etwa 20 bis 30 arabische Großfamilien in Berlin, von denen sechs Clans strafrechtlich besonders in Erscheinung getreten sind.

„Die Mehrheit der arabischen Großfamilien ist strafrechtlich aber unauffällig“, sagte Haeberer. „Es ist völlig falsch, dass alle Großfamilien mit Kriminalität belastet sind“, ergänzte Innensenator Ehrhart Körting (SPD) und warnte vor einer pauschalen Verurteilung der Familien.

Bei den problematischen Familienclans handele es sich um Gruppen, die einen libanesisch-kurdischen Hintergrund haben und aus 50 bis 500 Mitgliedern bestehen, sagte Haeberer. Hier sei die Straffälligkeit fünf Mal höher als bei Deutschen. Die höchste Kriminalitätsrate sei dagegen derzeit bei Letten und Rumänen zu verzeichnen.

Kritik an Thilo Sarrazin

"Das zeigt die Absurdität eines Buches, das einen Zusammenhang zwischen Religion und Gewalt herstellen will“, sagte Körting mit Verweis auf das umstrittene Buch des ehemaligen Finanzsenators Thilo Sarrazin (SPD). Die Zahlen belegten lediglich, dass Menschen, die ihr Heimatland verlassen, offenbar anfälliger für Straftaten seien, als Menschen, die ohne Migrationshintergrund aufwuchsen.

Körting sagte, dass sich Teile der arabischen Großfamilien durch Abschottung der Integration entziehen. Er sprach sich dafür aus, so früh wie möglich einzugreifen, beispielsweise durch die Betreuung jugendlicher Intensivtäter. 56 Prozent der jugendlichen Intensivtäter sitzen nach Angaben des Innensenators derzeit in Haft. Durch frühzeitige Betreuung und auch im Gefängnis könne noch auf die Straftäter eingewirkt werden. „Bei 27-Jährigen geht das nicht mehr“, sagte Körting. Insgesamt registrierte die Polizei bislang 866 Intensivtäter. Dabei handelt es sich um Jugendliche, die innerhalb eines Jahres mindestens zehn Mal mit dem Gesetz in Konflikt geraten.

Die Opposition warf der Regierungskoalition Untätigkeit vor. Die Zahlen seien seit Jahren bekannt. Dem Senat fehle aber ein Konzept, wie auf diejenigen, die sich der Integration verweigerten, eingewirkt werden könne.

In Berlin sind nach Angaben des Amtes für Statistik 64000 Menschen gemeldet, die aus Staaten der arabischen Liga stammen. Rund die Hälfte davon verfügt über die deutsche Staatsbürgerschaft. Im Mittelpunkt der Ermittlungen stünden stets die jeweiligen Straftaten, sagte Haeberer. Arabische Großfamilien stünden nicht unter Generalverdacht. Die meisten Familien leben bereits seit 30 bis 40 Jahren in Berlin. Sie flüchteten während des libanesischen Bürgerkriegs nach Deutschland.

Ein besonderes Problem stellen nach den Aussagen Haeberers die sogenannten Friedensrichter dar. Sie vermitteln bei Streitigkeiten zwischen arabischen Familien – was die Ermittler allerdings sehr skeptisch sehen. Aus präventiver Sicht wirkten die Friedensrichter zwar deeskalierend, aus Sicht der Strafverfolgung behinderten sie aber die Aufklärung von Taten. Beteiligte würden sich den Strafverfolgungsbehörden gegenüber nicht äußern, wenn sie bereits von einem Friedensrichter angehört worden seien. Körting verurteilte daher das Wirken der Friedensrichter. Die in Berlin tätigen Vermittler seien überdies käuflich und würden demjenigen Recht geben, der am meisten zahlt, sagte der Innensenator.

Körting verteidigte auch die Auflösung der Gemeinsamen Ermittlungsgruppe „Ident“ beim Landeskriminalamt. Das LKA hatte aufwendig die tatsächliche Herkunft von vermeintlich staatenlosen Clans ermittelt. Doch auch nach der Ermittlung der tatsächlichen Herkunft sei eine Abschiebung häufig nicht möglich gewesen, weil die Herkunftsländer die Betroffenen zuvor ausgebürgert hätten und nicht mehr aufnehmen.