Zu spät

Jeder dritte Fernzug in Berlin ist unpünktlich

Laut einer Studie der Stiftung Warentest hat die Deutsche Bahn vor allem in der Hauptstadt mit Verspätungen zu kämpfen. Durchschnittlich 37 Prozent der Fernzüge waren am Berliner Hauptbahnhof zu spät. Der Konzern kritisiert die Ergebnisse jedoch.

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Die Deutsche Bahn (DB) wird ihre Probleme mit der Unpünktlichkeit nicht los – vor allem in Berlin. Nach Untersuchungen von Stiftung Warentest waren über einen Zeitraum von acht Monaten im Durchschnitt 37 Prozent der Fernzüge am Berliner Hauptbahnhof verspätet. Bei den Nahverkehrszügen betrug die Quote 19 Prozent – nur in Erfurt ist der Wert noch schlechter. Auch insgesamt schneidet die Bahn in der Hauptstadt deutlich schlechter ab, als in den meisten anderen 20 untersuchten Städten. In Frankfurt beispielsweise lag die Quote verspäteter Fernzüge bei 31 Prozent, in Freiburg bei 22 Prozent. Auch bundesweit war jeder dritte ICE, IC oder EC nach Angaben von Stiftung Warentest unpünktlich.

Die Prüfer hat zwischen Juli 2010 und Ende Februar 2011 rund 1,3 Millionen Ankunftszeiten von Zügen überprüft, in Berlin wurden knapp 33,000 Ankünfte im Fernverkehr und 78,000 im Regionalverkehr erfasst – allerdings ohne die S-Bahn. „Je weiter die Züge fahren, desto höher ist das Verspätungsrisiko“, lautet das Fazit des Test-Teams. So seien 42 Prozent der über lange Strecken rollenden Nachtzüge unpünktlich gewesen, ICEs und Eurocitys zu 34 Prozent und Intercitys noch zu 29 Prozent. Besser schnitt im Test der Nahverkehr ab. Nach Auswertung von 850000 Ankünften waren demnach 15 Prozent der bundesweiten Regionalzüge zu spät.

Bahn wehrt sich gegen Kritik

Die Deutsche Bahn widersprach den Ergebnissen der Untersuchung nicht, kritisiert aber, dass sie einen falschen Eindruck vermittele. In der achtmonatigen Erhebungsphase lägen mehrere Streiktage und der Winter, so ein Bahnsprecher. „Wir waren Anfang vergangenen Jahres in Sachen Pünktlichkeit sehr gut unterwegs und sind es in den vergangenen Wochen wieder gewesen. Das kommt in dieser Studie nicht zum Tragen“, sagte der Sprecher. Im Jahresdurchschnitt liege die Pünktlichkeitsquote seit Jahren konstant bei mehr als 90 Prozent. Anschlusszüge würden zu über 93 Prozent erreicht. Wie bisher nannte die Bahn auch jetzt keine nach Zugarten oder Zeiträumen gegliederten Zahlen zu den Verspätungen.

Technische Probleme im Winter

Die Kritik der Bahn entzündet sich vor allem an der Systematik der Tests. Allein eine stichprobenartige Überprüfung anhand der „Ist-mein-Zug-pünktlich?“-Website der Bahn sei nicht umfassend aussagekräftig, heißt es. Zudem gelten bei der Bahn Züge erst ab fünf Minuten als verspätet, in anderen Ländern ist das ähnlich. Nach internen Unterlagen, die der Berliner Morgenpost vorliegen, betrug die Pünktlichkeitsquote im Fernverkehr seit dem Februar etwa 80 Prozent, im Gesamtjahr 2010 lag sie bei rund 82 Prozent. Zielmarke war 85 Prozent, doch vor allem aufgrund der technischen Probleme im Winter vergangenen Jahres wurde sie verfehlt.

Wie aus dem vertraulichen Bericht der Netzleitzentrale in Frankfurt hervorgeht, lag die Pünktlichkeitsquote zwischen dem 13. und dem 26. Dezember an keinem Tag über 56 Prozent, an manchen Tagen bei etwas über 20 Prozent und im Mittel bei nur rund 35 Prozent. Diese Werte sind zwar eindeutig ein singulärer Ausreißer nach unten. Dennoch: Die insgesamt kritischen Warentest-Resultate sind aus Sicht des Fahrgastverbands Pro Bahn nicht überraschend. „Die Bahn ist in den vergangenen Monaten zwar besser geworden, aber gefühlt ist das Ergebnis von Warentest richtig“, sagte Karl-Peter Naumann, Bundesvorsitzender des Fahrgastverbandes Pro Bahn.