Berliner Wurststreit

"Curry 36" verliert gegen "Curry 66" - vorerst

Der legendäre Kreuzberger Imbiss "Curry 36" will nicht mit "Curry 66" aus Friedrichshain verwechselt werden und hat nun im Eilverfahren geklagt. Die Richter sahen allerdings keine besondere Eile geboten.

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Es geht zwar nicht um die Wurst, aber um den Namen: Der Berliner Currywurst-Gastronom Lutz Michael Stenschke, der seit 30 Jahren am Mehringdamm 36 den berlinweit bekannten Imbiss „Curry 36“ betreibt, ist vor dem Berliner Landgericht mit seinem Versuch gescheitert, einem Konkurrenten im Eilverfahren den Firmennamen „Curry 66“ oder „Curry sixtysix 66“ untersagen zu lassen. Das Gericht sah keine besondere Dringlichkeit in dieser Frage. Außerdem, so Gerichtssprecher Ulrich Wimmer, habe es dem Antragsteller seine Behauptung nicht abgenommen, er habe von der Existenz des Konkurrenzgrills unter diesem Namen erst kürzlich bei der Lektüre eines Imbiss-Vergleichs in einer Berliner Tageszeitung erfahren.

Der Antragsgegner – also „Curry 66“ an der Grünberger Straße 66 in Friedrichshain – hat eine Zeugenaussage vorgelegt, die darauf hindeutet, dass der Chef vom Kreuzberger „Curry 36“ schon Ende Juni 2006 im Anschluss an ein Fußball-WM-Spiel von der Friedrichshainer „Curry 66“ erfahren habe: Der Zeuge sagte, als er damals am Mehringdamm eine Wurst kaufte, habe er ihn auf sein T-Shirt mit der Aufschrift „Curry 66“ angesprochen und bemängelt, es müsse „Curry 36“ heißen.

Wegen dieser „langjährigen Kenntnis“ könne der Antragsteller sich jetzt nicht auf eine besondere Dringlichkeit der Wettbewerbssache berufen und auf eine Eilentscheidung drängen, so das Gericht weiter. Er habe sich sogar „grob fahrlässig“ verhalten, wenn ihm entgangen sei, dass sich in den letzten Jahren in seiner Branche zahlreiche Imbissbuden unter der Bezeichnung „Curry“ in Verbindung mit der jeweiligen Hausnummer etabliert hätten, warfen ihm die Richter vor.

Markenschutz wird dennoch geklärt

Für Stenschke ist das Thema trotz der Ablehnung der Eilbedürftigkeit des Gerichts noch lange nicht beendet. „Curry 36 ist überregional bekannt, und ich habe den Namen beim Patentamt schon vor langer Zeit schützen lassen.“ Seine Anwälte sollen jetzt klären, ob Erfolgsaussichten bestehen, gegen eine Verletzung der geschützten Marke „Curry 36“ zu klagen. „Schließlich besteht eine latente Verwechslungsgefahr. Die sind einfach auf unseren Erfolg aufgesprungen. Das ist eindeutig kein Zufall, die wollen nur von unserer Bekanntheit partizipieren“, sagte Stenschke, der so schnell nicht aufgeben will. Der Streit sei ärgerlich, schließlich koste er auch Geld. Zum Vorwurf der Richter, er müsse den anderen Imbiss doch schon länger kennen, meinte er: „Die kann man doch alle gar nicht kennen.“