EJF

Sozialkonzern will Aufsichtsräten mehr Geld geben

Das Evangelische Jugend- und Fürsorgewerk (EJF) setzt als gemeinnützige Aktiengesellschaft 120 Millionen Euro um. Nun will das Unternehmen mehr Geld verteilen - aber nicht an Altenheime, Behindertenwohnanlagen oder Kita, sondern an die Aufsichtsräte.

Die Aufsichtsräte des Evangelischen Jugend- und Fürsorgewerkes (EJF) dürfen sich auf eine deutliche Erhöhung ihrer Aufsichtsratsbezüge einrichten. Der Sozialkonzern, gegen deren Vorstandsvorsitzenden Siegfried Dreusicke nach wie vor die Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts auf Untreue ermittelt, setzt als gemeinnützige AG 120 Millionen Euro um und beschäftigt 3000 Menschen. Das EJF betreibt Altenheime, Behindertenwohnanlagen und Kitas. Bekannt ist das Unternehmen aber vor allem für seine Heime für straffällig gewordene Kinder und junge Kriminelle.

Im Oktober war bekannt geworden, dass der langjährige EJF-Chef Dreusicke in seiner Nebentätigkeit als Anwalt einen Beraterauftrag von einem Bauunternehmen angenommen hatte, das zuvor für das EJF ein Seniorenwohnhaus errichtet hatte. Der Aufsichtsrat hatte die Vorwürfe schon im Sommer untersucht und festgestellt, dass sich der Vorstandsvorsitzende nichts habe zu Schulden kommen lassen. Die Staatsanwaltschaft prüft jedoch den Verdacht, es habe sich bei den Honoraren um eine verdeckte Provision für die Vergabe des Auftrags gehandelt.

Einige Mitglieder des EJF-Vereins, der 30 handverlesene Mitglieder zählt und dem die Aktien des Sozialunternehmens gehören, hatten kritisiert, Dreusicke vermenge sein Tätigkeit für die AG mit privaten Interessen. Der Aufsichtsrat sah das jedoch anders, obgleich Dreusickes offizieller Anwalts-Briefkopf als Adresse seine Potsdamer Privatanschrift ausweist und als Telefonnummer sein EJF-Büro angibt.

Nun hat der Schatzmeister des EJF-Vereins, Dieter Möhring, der Hauptversammlung der gAG vorgeschlagen, den Aufsichtsräten mehr Geld zu geben. Zunächst muss nach EJF-Angaben aber der Vorstand des EJF-Vereins darüber befinden, ob dieser Plan überhaupt der Hauptversammlung vorgeschlagen werden soll, die weitgehend identisch ist mit der Mitgliedschaft des EJF-Vereins. Die Versammlung ist für Mittwochnachmittag in das der EJF AG gehörende Hotel Morgenland an der Finckensteinallee geladen.

Aufsichtsratschef Professor Ulrich Baßeler soll nach dem unter TOP 4 aufgeführten Vorschlag künftig 15.000 Euro jährlich kassieren. Bisher erhielt er nach Angaben einer EJF-Sprecherin 1000 Euro monatlich, also 12.000 Euro im Jahr. Sein Stellvertreter Bernhard Schmugge soll seine Bezüge von bisher 5000 Euro pro Jahr auf 10000 verdoppeln. Einfachen Mitgliedern will der Schatzmeister 4000 Euro anstatt bisher 3000 Euro zugestehen.

Der Aufsichtsrat der EJF gAG hat in diesem Jahr fünfmal getagt. Der Aufsichtsratsvorsitzende sei jedoch einmal pro Woche in der Geschäftsstelle und gehe dort seinen Kontrollpflichten nach.

Die EJF-Sprecherin verweist darauf, dass die Bezahlung der Kontrolleure noch deutlich unter dem in Landesunternehmen vergleichbarer Größe üblichen Niveau liege. Aufsichtsräte unterlägen im Aktienrecht auch in gemeinnützigen AGs Regeln für Verantwortung und Haftung. Auf dem Einladungsschreiben an die Hauptversammlungsmitglieder, das von Dreusicke und seinem Vorstandskollegen Andreas Eckhoff unterschrieben ist, wird der erhöhte Betrag mit „Neuerungen im Aktiengesetz“ begründet, die einen zusätzlichen Aufwand an Präsenz in der Geschäftsstelle notwendig machten.

Ein Mitglied im EJF-Verein lässt seine aktive Mitgliedschaft ruhen. Der SPD-Abgeordnete Karl-Heinz Nolte hat den Vereinsvorsitzenden darum gebeten, so lange er für die EJF als Projektentwickler tätig sei. Der Jugend- und Finanzexperte leitet die EJF-Stiftung und hat schon in der Vergangenheit für das EJF Studien geschrieben, unter anderem über den Aufbau einer Schule für kriminelle Kinder im brandenburgischen Schwedt/Oder.