Buchvorstellung

Wowereit will Außenseitern Mut machen

Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) hat ein Buch über Außenseiter, soziale Aufstiege und Integration herausgegeben. In der Neuköllner Oper präsentierte er den Sammelband „Ich wär gerne einer von uns". Darin erklärt Wpwereit auch, wie er selbst ausgegrenzt wurde.

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Als Außenseiter hat sich der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit nie gefühlt. Aber: „Uns allen muss immer klar sein, dass jede und jeder ganz schnell zu einer Minderheit gehören kann.“ So steht es in dem Buch „Ich wär gern einer von uns“, das Wowereit zusammen mit der Autorin Franziska Richter herausgegeben hat (Dietz-Verlag, 14,80 Euro). Am Montagabend stellte Wowereit das Buch in der überfüllten Neuköllner Oper vor. Elf Autoren haben 14 Menschen aus Deutschland porträtiert. Keiner von ihnen ist so populär wie Wowereit, aber allen Lebensläufen widmen sich die Autoren mit gleicher Intensität.

Alle Autoren eint: Sie wollen auf ihre Weise dazugehören und ihren ganz persönlichen Beitrag zum gesellschaftlichen Zusammenleben leisten, ob als Rapstar oder Regierender Bürgermeister. Den Auftakt des Buches macht ein Interview mit Wowereit. „Was soziale Diskriminierung bedeutet, habe ich am eigenen Leib erfahren“, sagt Wowereit in dem Interview. Er war Sohn einer allein erziehenden Mutter in Tempelhof. „Ich hasste die Momente in der Schule, wenn nach den Familienverhältnissen gefragt wurde“, erinnert er sich an seine Kindheit zurück. Aber die Verhältnisse hätten ihn auch geprägt. Er habe gelernt, dass man sich nicht hängen lassen darf. „Aber viele zerschellen auch an ihrem Schicksal“, sagte Wowereit am Montag nach der Lesung.

Die soziale Durchlässigkeit und die Teilhabe möglichst aller Schichten am gesellschaftlichen Leben sind also nicht von ungefähr in diesem Jahr zum zentralen Thema des Wahlkampfes für die SPD und Wowereit in Berlin erhoben worden. „Einstiege und Aufstiege sind in Deutschland möglich, wenn Politik und Gesellschaft mithelfen“, sagte Wowereit. „Multikulti ist nicht gescheitert, es gibt tausendfache Beispiele dafür, dass es geklappt hat.“

Den meisten anderen Porträtierten in dem Buch gelang der soziale Aufstieg nicht so eindrucksvoll wie Klaus Wowereit. Porträtiert werden unter anderem zwei jugendliche Rapper libanesischer Herkunft, eine junge behinderte Frau, ein türkischer Kioskbetreiber mit einem großen Herzen und zwei Jugendliche ohne Berufsabschluss. Ihre Lebensgeschichten werden schlicht, aber aus großer Nähe von den Autoren nacherzählt. Erwartungen und Ziele, Hoffnungen und Enttäuschungen – sie reichen vom Traum des jungen Mannes ohne Berufsausbildung, nach Kanada auszuwandern, bis zum Wunsch, dass alles so bleibt wie es ist, wie für den bosnischen Kriegsflüchtling, der in Berlin als Maschinenwart arbeitet. „Wer weiß, wo die Welt endet“, hatte sein Großvater dem damals zehnjährigen Slaven mit auf den Weg in eine ungewisse Zukunft gegeben, als die Familie wegen der Kriegswirren das Heimatdorf verließ und durch Zufälle nach Berlin in ein Flüchtlingsheim kam. Als die Zeit der drohenden Abschiebung und des Berufsverbots endlich nach zehn Jahren vorbei ist, „da habe ich mich wieder als Mensch gefühlt“, erzählt er. Nun fühlt er sich wohl in Berlin.

Bei Alman und Mustafa lief es anders. Sie lernten sich in ihrem Mietshaus in Wedding als Kinder kennen. Beide sind Kinder libanesischer Einwanderer und nennen sich Blutsbrüder. Vom gemeinsamen Spielen an der Playstation wechselten sie später zum gemeinsamen Rappen auf der Straße. Die beiden jungen Erwachsenen leben in einem Grenzbereich, da wo sich künstlerische Hiphop-Szene und Kleinkriminalität treffen. Das Leben der beiden 20-Jährigen hat noch nicht die entscheidende Wende genommen. Er habe seine große Liebe gefunden und wolle sich jetzt irgendeinen Job suchen, erzählt Alman. Der Zweifel daran schwingt in seinen Worten mit.