Karlshorst

Familiendrama - Stiefvater schießt auf Boxerin

Bei einer Boxveranstaltung auf der Berliner Trabrennbahn Karlshorst ist es am Freitagabend zu einer Schießerei gekommen. Hintergrund ist offenbar eine Familiendrama um die Ulmer Profiboxerin Rola El-Halabi.

Ein Mann hat während einer Boxveranstaltung auf der Trabrennbahn Karlshorst am Freitagabend mehrere Schüsse abgegeben und drei Menschen verletzt. Hintergrund ist offenbar eine Familienfehde: Der Täter ist der Stiefvater einer Profiboxerin aus Ulm, die am Abend um den Frauen-Weltmeistertitel des Boxverbandes IBF im Leichtgewicht kämpfen sollen. Der 44-Jährige wollte anscheinend verhindern, dass seine Stieftochter an diesem Abend boxt – und schoss auf sie.

800 Zuschauer hatten bei der Veranstaltung „Back 2 Boxing“ unter anderem einen Kampf der ehemaligen Leichtgewicht-Doppelweltmeisterin und Profiboxerin Rola El-Halabi sehen wollen. Doch die Veranstaltung auf der Trabrennbahn an der Treskowallee wurde abgebrochen. Gegen 22.45 Uhr hatte war der Stiefvater der Frau, Hicham „Roy“ El-Halabi, in den VIP-Bereich vorgedrungen, wo sich die Boxerin auf ihren Kampf vorbereitete. Ein Sicherheitsmann verhinderte zunächst, dass der Mann bis in die Kabine gelangte. Dann fielen Schüsse, der Sicherheitsmann wurde verletzt. Anschließend, berichtet ein Augenzeuge, habe der Schütze versucht, seine Stieftochter gewaltsam aus dem Raum zu bringen.

Doch die 26-Jährige habe sich gewehrt, es wurde erneut geschossen, die Sportlerin wurde getroffen - nach Informationen von Morgenpost Online ist sie anscheinend durch Treffer an Beinen, Kniescheibe und Hand schwer verletzt. Polizei und Staatsanwaltschaft bestätigten dies zunächst nicht. Der Täter versuchte dann, seine Stieftochter in einen anderen Raum zu bringen. Auf dem Weg dorthin schoss der Täter auf einen weiteren Wachmann und verletzte auch ihn.

Die Polizei war zu diesem Zeitpunkt bereits alarmiert. Die Veranstaltung wurde unterbrochen, Polizeibeamte ließen die Halle räumen. Der Sport-Sender Eurosport beendete die Live-Übertragung aus Karlshorst und sendete stattdessen Aufnahmen eines Snooker-Wettbewerbs. Unterdessen konnten Polizisten den Täter festnehmen und Rola El-Halabi befreien. Sie wurde nach dem Angriff längere Zeit in einem Krankenwagen vor der Halle in Karlshorst behandelt, bevor sie ins UKB Marzahn eingeliefert und dort operiert wurde. Auch die beiden Wachmänner kamen in ein Krankenhaus. Lebensgefahr besteht laut Polizei nicht.

Der 44-Jährige wurde festgenommen. Ein Ermittlungsrichter erließ am Samstag Haftbefehl, wie der Sprecher der Berliner Staatsanwaltschaft, MartinSteltner, sagte. Der Vorwurf lautet auf versuchte schwere Körperverletzung, gefährliche Körperverletzung sowie Verstoß gegen das Waffengesetz.

Hintergrund scheint ein Streit zwischen der Sportlerin und ihrem Stiefvater zu sein, der bis Anfang Januar auch ihr Manager war, dann aber von der Boxerin entlassen wurde. Man trennte sich im Streit: Auf der – derzeit nicht aktualisierten – Homepage von Rola El-Halabi war Anfang des Jahres zu lesen, die Sportlerin führe keinen Weltmeistertitel mehr und werde wegen gesundheitlicher Probleme vorerst nicht mehr zu Kämpfen antreten – eine Mitteilung des Managements, mithin des Stiefvaters der Sportlerin. Der sagte, als er seinerzeit zum Thema befragt wurde, er wolle die Sportlerin sperren lassen, um sie am Boxen zu hindern: "Die Gesundheit meiner Tochter geht vor."

Rola El-Halabi war 2010 mehrfach in Ohnmacht gefallen. Bei Untersuchungen allerdings waren keine körperlichen Ursachen dafür festgestellt worden; die Boxerin selbst hatte dazu gesagt, sie habe „zu viel Stress und zu viel Druck“ gehabt und sich „in den letzten Jahren einfach zu viel zugemutet". Die Auseinandersetzung führte zur Trennung: Im Januar entließ Rola El-Halabi ihren Stiefvater als Manager – der wiederum hatte zuvor schon gedroht, er werde juristisch gegen seine Tochter vorgehen. Die sei „sportlich am Ende“ und habe physische Probleme – sie könne ihre Box-Karriere nicht fortsetzen. Sportarzt Mark Dorfmüller dagegen, der neben Rola El-Halabi auch die deutsche Box-Nationalmannschaft und die deutschen Skispringer betreut, sieht das anders. Die gesundheitlichen Probleme der Boxerin im zweiten halbjahr 2010 seien in der Tat Stress-Symptome und „medizinisch nicht begründbar.“

Die Folge des konfliktes zwischen Stiefvater und Tochter, das berichtet die baden-württembergischen „ Südwest Presse “, sei “eine Schlammschlacht“ gewesen, die Familie sei an dem Streit zerbrochen. Rola El-Halabi hatte in diesem Zusammenhang auch einen ihren beiden Weltmeister-Gürtel zurückgegeben. Der Abend in Berlin sollte ihre Rückkehr auf die sportliche Bühne markieren.