Illegaler Waffenbesitz

Kurras geht gegen Bewährungsstrafe in Berufung

Nach der Verurteilung des ehemaligen West-Berliner Polizeibeamten Karl-Heinz Kurras zu einer Bewährungsstrafe hat die Verteidigung Berufung eingelegt. Außerdem will sie ihren Mandanten "wegen seiner Gebrechen" auf seine Verhandlungsfähigkeit prüfen lassen. Der 81-Jährige machte allerdings am Wochenende einen fitten Eindruck.

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Kurras von Berliner Gericht verurteilt

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Der ehemalige West-Berliner Polizeibeamte und Ex-Stasi-Spitzel Karl-Heinz Kurras war am Freitag vergangener Woche wegen illegalen Waffenbesitzes zu einer Freiheitsstrafe von sechs Monaten Haft auf Bewährung verurteilt worden. Gegen dieses Urteil des Amtsgerichts Tiergarten hat die Verteidigung nun Berufung eingelegt. Dies sagte sein Rechtsanwalt Mirko Röder am Montag. Er kündigte zudem an, dass der 81-jährige Kurras jetzt auch „wegen seiner Gebrechen und seines hohen Alters“ auf Verhandlungsunfähigkeit geprüft werde.

Er wurde schuldig gesprochen, in seiner Spandauer Wohnung einen geladenen Revolver mit sechs Schuss Munition und weitere 165 Patronen sowie einen Totschläger aufwahrt zu haben, ohne eine Erlaubnis dafür zu besitzen.

Am Freitagvormittag in seiner Gerichtsverhandlung hatte er der Richterin Barbara Odenthal und den zahlreichen Zuhörern im Berliner Amtsgericht Tiergarten noch ein Bild des gesundheitlichen Jammers geboten. Eine Pflegerin schob ihn - einen Krückstock fest umklammert - im Rollstuhl zum Gerichtssaal.

Über seinen Strafverteidiger hatte Kurras im Gerichtssaal zu Protokoll gegeben, dass er sich nach einem Sturz habe operieren lassen müssen. Sprechen, Hören und Sehen falle ihm schwer, auch das Erinnern. Selbst die Hand könne er seinem Rechtsanwalt nicht mehr geben.

Pressefotos vom Wochenende zeigen Kurras jedoch in Spandau auf einem Fahrrad - auf dem Weg in eine Kneipe an der Heerstraße. Ihm droht deswegen eine Anzeige der Vereinigung 17. Juni. Der Berliner Staatsanwaltschaft lagen hierzu am Montag noch keine Angaben vor.

Kurras hatte von 1955 bis 1967 für das Ministerium der Staatssicherheit (MfS) die West-Berliner Polizei ausgespitzelt. Erst im Frühjahr war seine Spitzeltätigkeit bekanntgeworden. Wegen der tödlichen Schüsse auf den Studenten Benno Ohnesorg am 2. Juni 1967 war Kurras freigesprochen worden.

Nach Bekanntwerden seiner Agententätigkeit beim MfS ermittelt nunmehr die Bundesanwaltschaft wegen Landesverrates gegen den 81-Jährigen. Auch der Generalstaatsanwalt in Berlin prüft derzeit „vor dem Hintergrund der aktuellen Erkenntnisse der Stasiverwicklung von Kurras“ die Todesschüsse auf Benno Ohnesorg erneut.

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