Protestbewegung

Berliner kämpfen für ihre Straßenbahnlinie 68

Aus Kostengründen soll die Straßenbahnlinie 68 zwischen Treptow und Schmöckwitz eingestellt werden. Eine Initiative wehrt sich jetzt gegen dieses Vorhaben. Auch Verkehrssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD) setzt sich für den Erhalt ein.

Foto: ddp

Die Initiative Pro Uferbahn hat dazu aufgerufen, am 9.April ab 14 Uhr eine lange Menschenkette vom S-Bahnhof Grünau bis in den Treptow-Köpenicker Ortsteil Schmöckwitz zu bilden. Mit dieser – von der Antiatomkraftbewegung abgeleiteten – Aktion will die Bürgerinitiative ihrer Forderung nach dem Erhalt der Straßenbahnlinie 68 im Berliner Südosten größeren Nachdruck verleihen.

Mit dabei sein wollen an diesem Tag auch zahlreiche Kinder der Schmöckwitzer Grundschule. Sie haben am Mittwoch mit der Hilfe ihrer Lehrer Plakate und Transparente gestaltet, mit denen sie sich für den Weiterbetrieb der Tram-Linie einsetzen. „Die Uferbahn soll weiterfahr'n“ steht etwa auf dem Banner, das die neunjährige Victoria gestaltet hat. Und ihr Klassenkamerad Gustav schneidet eine Kette aus Strichmännchen aus. Mit den kleinen und großen Plakaten wollen die Grundschüler sich an der geplanten Menschenkette am 9.April beteiligen. „Wir unterstützen diese Aktion, weil die Bahn gerade für unsere Kinder unersetzlich ist“, sagt Schulleiterin Kerstin Sander. Viele Schüler von ihr würden die Straßenbahn täglich nutzen, um mit ihr zur Schule oder zu den vielen Sportvereinen zu gelangen.

Viele Berliner halten die „68“ für die schönste Straßenbahnlinie der Stadt. Die knapp acht Kilometer lange Strecke führt vom S-Bahnhof Grünau bis nach Alt-Schmöckwitz und dabei zu großen Teilen mitten durch die Wälder eines Landschaftsschutzgebietes und am Ufer des Langen Sees entlang. Besonders im Sommer sind die Züge gut gefüllt, halten sie doch unter anderem an der Regattastrecke und vor dem Strandbad von Grünau.

Doch wie lange die Straßenbahn dort noch fahren kann, ist unklar. Die seit 1912 bestehende Gleisverbindung ist stark sanierungsbedürftig. Die BVG hatte zunächst einen Investitionsbedarf von fünf Millionen Euro errechnet. Inzwischen sollen es 18 Millionen Euro sein, die benötigt werden. Forderungen des Trinkwasserschutzes haben unter anderem dazu geführt, dass die Strecke fast komplett neu als sogenannte feste Fahrbahn – also mit einem Betonfundament – gebaut werden müsste, damit keine Schadstoffe in den Boden eindringen können.

Für die BVG ist dies eine Summe, die sie aus dem eigenen Investitionsetat nicht aufbringen will. Denn für die Verkehrsbetriebe ist die Linie 68 wegen der übers Jahr eher geringen Anzahl von Fahrgästen nicht rentabel. Sie würde das Geld lieber in stärker nachgefragte Strecken investieren und dafür zwischen Grünau und Schmöckwitz billigere Busse einsetzen.

Verkehrssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD) setzt sich hingegen für den Erhalt der umweltfreundlichen Straßenbahnlinie ein. Aus eingesparten S-Bahn-Mitteln hat der Senat bereits im Juni 2010 neun Millionen Euro für die geplante Streckensanierung bewilligt. Offen ist aber, woher der Rest kommen soll. Bereits zweimal hat der BVG-Aufsichtsrat eine Entscheidung vertagt. Speziell Finanzsenator und BVG-Aufsichtsratschef Ulrich Nußbaum (parteilos) hält die Ausgaben für nicht gerechtfertigt. Ihm geht es dabei nicht nur um die hohen Sanierungskosten, sondern auch um das Defizit im Betrieb. „Wer das will, muss auch sagen, wie es bezahlt wird“, so Nußbaum.