Parkpflege

Berlins Grünflächen leiden unter Rotstift-Politik

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Foto: Reto Klar

Durch den Sparkurs des Senats wurde das Budget für Berlins Grünflächen drastisch gekürzt - und weiteres Personal eingespart. In 15 Jahren hat sich die Mitarbeiterzahl halbiert. Parks und Gärten leiden darunter.

Berlin gilt als grüne Stadt. Und wenn im Frühjahr gelbe Krokusse und rote Tulpen in den Parks, Grünanlagen und auf den Mittelstreifen blühen, freuen sich nicht nur Touristen. Doch die Pracht ist in Gefahr. Und das liegt an Vandalismus, zusammengesparten Etats und Personalkürzungen. Die Grünflächenämter der Bezirke sind für die notwendigen Pflegearbeiten immer weniger gerüstet, sagt Beate Profé, Senatsreferatsleiterin für Stadtgrün. Nach ihren Angaben verfügt die Hauptstadt über 6500 Hektar Grünflächen wie öffentliche Parks und Gärten. Nicht eingerechnet sind Friedhöfe, Wälder und Kleingartenanlagen. Das große Areal mit nur noch 1800 eigenen Mitarbeitern instand zu halten sei eine äußerst schwierige Aufgabe. „Noch vor 15 Jahren waren es in den zwölf Bezirksgrünflächenämtern doppelt so viele“, sagt die Senatsreferentin.

Berlin betreibe seit vielen Jahren schon eine „desolate Pflegepolitik“, beklagte sich Oliver Hoch vom Fachverband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau Berlin-Brandenburg. Haushaltsmittel seien in der Hauptstadt konsequent gekürzt worden. „Sie sind fast nirgendwo mehr bestandssichernd“, so der Hauptgeschäftsführer und führte das Beispiel Görlitzer Park in Kreuzberg ins Feld.

Hier sei in den letzten Jahrzehnten fast nichts gemacht worden. Der Park sei einfach abgewirtschaftet worden, betonte er. Jetzt auf einmal sei Geld für die Wegesanierung da. Das passiere dort jetzt nur, weil es nicht mehr anders gehe, „und weil Bürgermeister sehr gerne rote Schleifen durchschneiden“, meinte Hoch. Nach Auskunft des Bezirksamts Friedrichshain-Kreuzberg sollen in den „Görli“ in den kommenden beiden Jahren rund 1,5 Millionen Euro investiert werden. „Neben der Wegsanierung werden auch Tiefbrunnen gebohrt und Bewässerungsanlagen eingebaut“, sagte Ursula Meyer vom Grünflächenamt Friedrichshain-Kreuzberg.

Weil Berlin über viele grüne Flecken verfüge, würden die Berliner von den Qualitätsreduzierungen noch nicht so viel mitbekommen. Wenn man aber bewusster durch die Straßen gehe, werde man schnell mitbekommen, dass nicht mehr so viel blühe, wie noch vor einigen Jahren. Das könne man bald an wenigen Frühlingsblumen nachvollziehen, sagte Hoch.

„Unser Etat beträgt nur die Hälfte von dem, was wir eigentlich benötigen würden“, beklagt sich die Leiterin des Spandauer Grünflächenamts, Elke Hube. Da bleibe für Frühlingsblüher so gut wie gar nichts mehr übrig. Spandau habe wenigstens Ende vergangenen Jahres noch eine Handvoll Zwiebeln pflanzen können. Es gebe jedoch nur noch ganz wenige Beete. „Wir haben sogar in der Altstadt die Blumenkübel abschaffen müssen.“ Wenn dieser Trend so weitergehe, werde das Farbige und Schmucke bald ganz aus den Berliner Außenbezirken verschwinden. Alles werde „grau-grün“, so Hube.

Anders sehe die Lage in der Stadtmitte aus. „Die bekommen dort das Doppelte bis Fünffache wie wir“, sagte Spandaus Grünflächenamtschefin. Da bleibe noch Luft fürs Repräsentative. Spandau müsse dagegen mehr auf Rasenflächen setzen. Aber auch die würden Arbeit machen und Geld kosten. „Bei uns wurden in den vergangenen Jahren zwei Drittel der Stellen gestrichen.“ Die Situation sehe in Spandau katastrophal aus, weil man als Amt oft nicht einmal den Verkehrssicherungspflichten nachkommen könne. Gerade große Bäume würden große Probleme machen. „Hier schreiben wir einen Vermerk nach dem anderen.“ Der Senat müsse endlich handeln, betonte Hube. So könne es jedenfalls nicht bleiben.

( dpa )