Spitzenköche

Berlin hat jetzt 12 Sterne-Restaurants

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Mathias Stengel

Der Berliner Spitzenkoch Stefan Hartmann hat die begehrteste Auszeichnung für Gourmetköche erhalten: einen Michelin-Stern. Damit ist Berlin, was Sterne angeht, die Gourmet-Stadt Deutschlands.

Mit einigen Überraschungen war in diesem Jahr bei der Vergabe der begehrten Michelin-Sterne zu rechnen. Vielleicht neben Christian Lohse ein weiterer Zwei-Sterne-Koch, wurde spekuliert. Gekommen ist es wie fast immer. Denn die geheimen Tester der Gourmetbibel ließen sich bis zuletzt nicht in die Karten gucken. Dann verkündeten sie die faustdicke Überraschung: Mit Stefan Hartmann (33, „Hartmanns“) erhält ein weiterer Berliner Spitzenkoch die begehrte Auszeichnung. Schon seit Jahren zählt der „Berliner Meisterkoch“ 2008 zur absoluten Elite der hauptstädtischen Köche, der Stern kommt – auch für ihn – unerwartet, ist aber verdient und natürlich herzlich willkommen.

Mit Hartmanns Aufstieg in den Olymp der Köche hat sich Berlin seinen 1. Platz an der Spitze der bundesweiten Edelgastronomie mit insgesamt 13 Michelin-Sternen in 12 Restaurants vor Hamburg (11 Restaurants) und München (10) behauptet. Zugleich ist der Stern für Hartmann auch ein Beleg dafür, das Sterne-Gastronomie längst nicht mehr in ausgesprochenen Nobelrestaurants der Fünf-Sterne-Hotellerie geboten wird, sondern mit dem „Reinstoff“, der „Weinbar Rutz“ oder jetzt dem Kreuzberger Souterrain-Restaurant „Hartmanns“ sich längst auch schon in den Hinterhöfen und Szenegegenden mit entsprechendem Interieur und Ambiente etabliert hat. Ein Beleg für diesen Trend ist allein schon die Tatsache, dass es nun in Kreuzberg erstmals in diesem Jahr gleich zwei Sterne-Restaurants gibt. Denn auch Tim Raue konnte in seinem erst im September eröffneten Restaurant an der Rudi-Dutschke-Straße auf Anhieb seinen Stern verteidigen, den er sich zuvor im „Ma“ der Adlon-Holding erkocht hat. Raue darf auch weiterhin – wie bereits im vergangenen Jahr – auf einen zweiten Michelin-Stern hoffen. Mit den Restaurants von Hartmann, Raue, der „Weinbar Rutz“, dem „Reinstoff“ dem „Vau“ und dem „Margaux“ hat die Hauptstadt nun sechs Sterne-Restaurants außerhalb von Luxushotels.

Auf Anhieb erfolgreich waren die neuen Küchenchefs im „First Floor“ (Palace) und im „Lorenz Adlon“ („Hotel Adlon“), die erst im Laufe dieses Jahres ihre Stellen angetreten haben. So konnte Matthias Diether, der auf Matthias Buchholz im „First Floor“ folgte, ebenso überzeugen wie Hendrik Otto („Lorenz Adlon“), der den langjährigen Sternekoch Thomas Neeser beerbt hatte. Otto hatte bereits in früheren Jahren im damaligen Gourmetrestaurant „Vitrum“ des Ritz-Carlton einen Stern erkocht, wenig später aber wurde das Restaurant aus wirtschaftlichen Erwägungen geschlossen.

So wie auch das „Ma“, Raues Wirkungsstätte in der Adlon-Holding, das nach seinem Weggang mit dem „Uma“ zum neuen Groß-„Uma“ fusioniert wurde und folglich den Michelin-Stern einbüßte. Ein ähnliches Schicksal ereilte auch das benachbarte „Gabriele“, dass nach dem Weggang von Sterne-Koch Björn Alexander Panek nun ebenfalls bei der Vergabe der begehrten Trophäen nicht berücksichtigt werden konnten.

Doch durch die Sterne an andere Stelle (Raue) und den neuen Stern (Hartmann) wurde die Bilanz wieder ausgeglichen. Denn die anderen Sterne-Träger, vorneweg Zwei-Sterne-Koch Christian Lohse („Fischers Fritz“), wussten die gestrengen Tester erneut von ihrer Klasse zu überzeugen. So konnten die langjährigen Sterne-Köche Kolja Kleeberg („Vau“), Michael Hoffmann („Margaux“), Michael Kempf („Facil“), Thomas Kammeier („Hugos“) und der Neu-Sterne-Koch des Vorjahres Daniel Achilles („Reinstoff“) und die seit 2008 als Sterne-Köche geehrten Sauli Kemppainen („Quadriga“) und Marco Müller („Weinbar Rutz“) ihren Stern erneut verteidigen.