"Gegengerade"-Premiere

Randale bei Filmparty in Berliner Nobelhotel

Die Berlinale-Premiere des Films "Gegengerade" im Edelhotel Esplanade ist völlig aus dem Ruder gelaufen. Mehrere Gäste randalierten. Das Hotel schätzt den Schaden auf rund 10.000 Euro.

Eine schicke Premierenfeier im Grand Hotel Esplanade am Lützowufer mit vielen Prominenten ist am späten Dienstagabend durch einige randalierende Gäste völlig aus dem Ruder gelaufen. Am Ende musste in der Nacht zu Mittwoch eine Einsatzhundertschaft der Polizei einschreiten, nachdem das Hotelpersonal vor den Ausschreitungen kapituliert hatte. Nach Angaben einer Polizeisprecherin kam es in der Nobelherberge zu erheblichen Schäden.

Die private Feier in zwei angemieteten Sälen im Konferenzbereich hatte nach 22 Uhr begonnen. Zuvor war dem ausgewählten Publikum, darunter auch den Mitwirkenden Mario Adorf, Katy Karrenbauer, Claude Oliver Rudolph, Natalia Avelon sowie Premierengast Ben Tewaag, der Streifen „Gegengerade“ von Regisseur Tarek Ehlail präsentiert worden. Der Film erzählt eine Geschichte im Milieu von St. Pauli. Im Anschluss trat die Punkband „Slime“ auf, die auch in dem Film mitgewirkt hatte. Gegen Mitternacht eskalierte die Situation schlagartig. Einige der Gäste begannen damit, zu randalieren. Laut Polizei wurde auf Teppiche uriniert, es gab Farbschmierereien, und im Toilettenbereich wurde vorsätzlich eine Überschwemmung verursacht.

Generaldirektor Jürgen Gangl wurde eingeschaltet. „Bis 23 Uhr verlief die Party mit etwa 350 Gästen ganz normal“, sagte er am Mittwoch nach den Randalen. Ein mögliches Gewaltpotenzial habe er vorab nicht erkannt. „Wir haben nichts gegen kurze Musik-Gigs. Auch nicht gegen Punk-Konzerte“, sagte er. Ein Teil der Filmcrew habe außerdem im Hotel gewohnt. Gegen 1 Uhr morgens sei allerdings klar geworden, dass die Party aus dem Ruder laufe.

Gangl machte sich einen Überblick über die Schäden (Graffiti an den Wänden, zerstörte Urinale in den Toiletten, zerbrochene Tische) und suchte das Gespräch mit dem Regisseur. Die Bitte des Hoteldirektors, die Party zu beenden, ignorierte Ehlail. „Er hat sich seiner Verantwortung entzogen“, sagte Gangl. „Und es gab so gut wie keine Security.“ Gegen halb zwei sollte die Party beendet werden, der Alkoholausschank wurde gestoppt, die Musik abgestellt. „Etwa 200 Gäste gingen friedlich. Etwa 150 blieben“, so Gangl weiter, der inzwischen Strafanzeige gegen unbekannt gestellt hat. Doch das Chaos ging weiter.

„Um 2.20 Uhr erreichte uns der Hilferuf aus dem Hotel. Es wäre sicher besser gewesen, sich früher an uns zu wenden“, hieß es bei der Polizei. Als die Einsatzkräfte eintrafen, sollen sich noch etwa 50 Personen im Eingangsbereich aufgehalten haben. Nur zögerlich wurde der Aufforderung der Polizei Folge geleistet, das Haus zu verlassen. Die Polizei nahm zur Blutentnahme zwei Männer im Alter von 23 und 30 Jahren sowie eine 29-Jährige fest. Die Beamten leiteten mehrere Ermittlungsverfahren wegen Sachbeschädigung und Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte ein. Nach ersten Schätzungen des Hotels beläuft sich die Schadenshöhe auf 10000 Euro. Jürgen Gangl ist sauer: „Der Regisseur ist untergetaucht.“

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