Selber fahren

Führerschein mit 17 ist vielen Berlinern zu teuer

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Nur wenige Jugendliche in Berlin nutzen die Möglichkeit, bereits vor der Volljährigkeit eine Fahrerlaubnis zu erlangen. Dabei hat sich der Führerschein mit 17 längst bewährt: Die Unfallzahlen und Bußgeldverfahren junger Autofahrer sind gesunken.

Der Führerschein mit 17 hat sich nach Einschätzung von Fahrlehrern und der Deutschen Verkehrswacht längst bewährt. Doch aus ihrer Sicht nutzen noch zu wenige Jugendliche in Berlin die Möglichkeit, schon vor dem 17. Geburtstag mit der Fahrschule zu beginnen und mit 17 den Führerschein zu bekommen. „Der Zulauf in den Berliner Fahrschulen hält sich in Grenzen“, sagte der Vorsitzende des Fahrlehrer-Verbands Berlin, Peter Glowalla.

„In der Hauptstadt machen jährlich etwa 35.000 Menschen den Führerschein, rund 3800 davon im Rahmen des Führerscheins mit 17“, sagte Glowalla. Im Bundesvergleich sei das ein geringer Wert, aber typisch für Ballungszentren. „Das hängt mit dem gut ausgebauten Nahverkehrsnetz zusammen.“

Seit dem 1. Januar dieses Jahres gilt bundesweit die Regelung, dass schon 17-Jährige den Führerschein machen und sich ans Steuer setzen können, wenn ein Erwachsener dabei ist. Dieser muss mindestens 30 Jahre alt sein und seit wenigstens fünf Jahren eine Fahrerlaubnis haben. Zudem darf er nicht mehr als drei Punkte in der Verkehrssünderkartei in Flensburg haben.

„Für die Verkehrssicherheit in Deutschland ist das ein wahnsinnig wichtiges Projekt“, sagte die Sprecherin der Deutschen Verkehrswacht in Berlin, Hannelore Herlan. Denn die Unfallzahlen bei den jungen Autofahrern seien schon erheblich gesunken. Es fielen auch weniger Bußgelder an, weil es weniger Verkehrsverstöße gebe.

„Der Mangel an Fahrerfahrung ist die Hauptursache von schweren Unglücken im Straßenverkehr“, erläuterte Walter Funk vom Institut für empirische Soziologie an der Universität Erlangen-Nürnberg. Wegen der Praxisnähe sei der Führerschein mit 17 eine der erfolgreichsten Sicherheitsmaßnahmen im Straßenverkehr: „Schon nach wenigen Monaten beherrschen die jungen Fahranfänger ihr Auto besser, fahren selbstsicherer und entspannter.“

Fahrlehrer Glowalla hat noch einen Nebeneffekt ausgemacht: „Die Jugendlichen und ihre Eltern sprechen miteinander. Vater, Onkel, Opa und Oma sind als Begleitpersonen zwar sehr beliebt, aber niemand übertrifft die Mutter auf dem Beifahrersitz“, berichtete Glowalla. Die Mütter glänzten mit Ruhe und Gelassenheit und hätten meist auch mehr Zeit als die Väter. „Den motorisierten Kids tut es gut, wenn jemand besonnen, aber bestimmt sein Unbehagen am Fahrstil artikuliert.“

Wer mit 17 Jahren den Führerschein machen will, muss mit gut 1500 Euro Kosten rechnen. Damit ist er nicht teurer als der konventionelle Führerschein. Geringe Zusatzkosten entstehen aber, weil die Begleitpersonen offiziell registriert werden müssen. „Pro Person berechnen wir 5,10 Euro“, sagte eine Mitarbeiterin der Fahrerlaubnisbehörde.

( dpa )