Großeinsatz

Ursache für Großbrand in Werft ungeklärt

Flammen haben eine historische Bootshalle und mehrere Schiffe in Spandau zerstört. Die Feuerwehr löschte stundenlang. Die Kripo sucht nun nach der Ursache des beängstigenden Großbrandes.

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Auf einer Marina in Berlin-Spandau ist am frühen Dienstagmorgen ein Feuer ausgebrochen. Den Flammen fielen nicht nur zwei Gebäude, sondern auch mehrere Schiffe zum Opfer. Morgenpost Online sprach mit dem Werft-Chef.

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Fassungslosigkeit, Unglaube, Verzweiflung – nach dem Großbrand auf der Marina-Lanke-Werft in Spandau, bei der am Dienstag ein Schaden in Millionenhöhe entstanden ist, sind die Eigentümer ratlos. Über die Ursache des Feuers und bei der Frage, wie es weitergehen soll. Peter Twelkmeyer steht in den Trümmern seiner Sportboot-Werft im Ortsteil Wilhelmstadt. Binnen weniger Stunden hat eine Feuersbrunst die Stabilität der 1300 Quadratmeter großen Halle zerstört, hat Dächer und Giebelwände einstürzen lassen. Seit 100 Jahren ist die Werft im Familienbesitz, nun ist sie nur noch ein nasses Trümmerfeld. Wie auch mehrere alte Schiffe, die im kommenden Frühjahr restauriert und aufgebaut werden sollten.

„Ich kann es nicht fassen“, sagt Twelkmeyer und sieht sich verständnislos um. Bis zum Dienstagabend suchen Feuerwehrleute nach weiteren Brandnestern, jetzt untersuchen Spezialisten des Landeskriminalamtes (LKA) die Ursache für den Brand in Spandau. Menschen sind nicht zu Schaden gekommen.

Scharfe Lanke 109 bis 131, 4.08 Uhr, Dienstagmorgen: Zeugen bemerken hellen Feuerschein und alarmieren die Feuerwehr. Als die ersten Einsatzkräfte am Ort eintreffen, brennt zunächst ein 300 Quadratmeter großes, eingeschossiges Bürogebäude. Schnell wird klar, dass die Versorgung mit Löschwasser zum größten Problem wird – die vorhandenen Hydranten haben kaum Druck, die offenen Gewässer sind zugefroren. Löschfahrzeuge rasen nun in einem Pendelverkehr zur 500 Meter entfernten Heerstraße, um dort an Wasserspendern aufzutanken. Gleichzeitig wird ein Löschboot angefordert.

Explodierende Gasflaschen

Zur gleichen Zeit schlagen die hohen Flammen bereits auf die Werfthalle über. Darin explodieren Gasflaschen, die Löscharbeiten werden zusätzlich verzögert, die Mannschaften können nicht in die Ruine eindringen. Wenig später gibt der Einsatzleiter an den Lagedienst der Feuerwehr „Vollbrand“ durch. 120 Feuerwehrmänner kämpfen gegen die Flammen. Dächer geben nach und krachen zu Boden. Erst um 7.49 Uhr ist das Feuer unter Kontrolle, um 10 Uhr endlich gelöscht. Die Kripo wird eingeschaltet. „Es wird aber noch dauern, bis wir richtig anfangen können“, so ein Beamter. „Alles liegt unter Löschschaum.“

Noch gegen Mittag stehen Feuerwehrleute mit Gasmasken auf dem einsturzgefährdeten Dach und werden durch Leinen gesichert. Aus dem Bürobau steigen Rauchschwaden auf, einige Glutnester sind noch nicht gelöscht. Peter Twelkmeyer steht in einer angrenzenden Ausstellungshalle, die von den Flammen verschont wurde. Vor sich hat er einen Schlüsselkasten, den die Feuerwehrleute retten konnten. Die Dutzende Schlüssel sind mit einer dicken Rußschicht überzogen, die bunten Plastikanhänger geschmolzen. „Ich stehe immer noch unter Schock und überlege, wie es weitergeht“, sagt der 65-Jährige. Ein Mitarbeiter redet derweil mit dem Einsatzleiter. Auf seine Bitte hin werden zwei pechschwarze Computer aus dem verkohlten Bürotrakt geholt. „Vielleicht kann man die Daten noch retten, die Hoffnung stirbt zuletzt“, sagt er. Twelkmeyer rechnet nach erster Schätzung mit einem Schaden zwischen 800.000 und einer Million Euro.

Der Blick ins Innere des Verwaltungsgebäudes lässt erahnen, mit welcher Macht die Flammen um sich geschlagen haben. Mit äußerster Vorsicht tasten sich die Feuerwehrleute vor und klauben das Wenige auf, was noch zu gebrauchen scheint. Von innen können die Löschkräfte nicht an die schwelenden Glutnester heran, der Gebäudeteil ist einsturzgefährdet. Sie vermuten, dass der Verwaltungsbau und die Werfthalle abgerissen werden müssen.

Der niedergebrannte helle Ziegelbau stammt aus dem Jahre 1898 und stand unter Denkmalschutz. An seinen Flanken hat sich der Ruß emporgefressen, die Scheiben des großen Werfttores sind geborsten, das Dach ist gefährlich durchgebogen und in Teilen schon eingestürzt. „Die neue Werfthalle war gerade erst fertig geworden. Im kommenden Frühjahr wollte ein neuer Bootsbauer einziehen und mit der Restaurierung von Oldtimer-Schiffen seinen Lebenstraum verwirklichen“, sagt Twelkmeyers Schwester Gabriele, die im Familienbetrieb beschäftigt ist.

Drei eigene Charterschiffe sind den Flammen zum Opfer gefallen. Es handele sich um Hausboote, die in der Saison an Wassersport-Touristen tageweise vermietet werden. Auch zwei Privatschiffe, die sich gerade zur Überholung in der Werfthalle befanden, sind ausgebrannt. Alle weiteren Schiffe, die sich auf dem Gelände des Yachthafens befinden, blieben unversehrt – selbst der majestätischen „Betty“, einer Motoryacht, die auf dem Hof direkt vor der abgebrannten Werfthalle überwintert, konnten die Flammen nichts anhaben: Der günstig stehende Wind hatte ein Übergreifen verhindert.

Den ganzen Tag über kommen besorgte Bootsbesitzer zur Unglücksstelle und machen sich ein Bild vom Schaden. „Wir haben im Radio vom Brand gehört und sind so schnell wie möglich nach Spandau gefahren. Unser Sportboot ist glücklicherweise in einer anderen Halle untergestellt“, sagt Helmut Paschke, der seit vier Jahren auf der Scharfen Lanke und auf den Gewässern im Umland schippert. Er will sich gar nicht ausmalen, was passiert wäre, wenn die Feuerwalze noch auf weitere Gebäude auf dem Werftgelände übergegriffen hätte. Denn in der Ausstellungshalle, keine zehn Meter vom mutmaßlichen Ausgangspunkt des Großbrandes entfernt, stehen Dutzende neue Boote, darunter auch größere Yachten mit einer Länge um die zehn Meter. Knapp 157.000 Euro kostet allein ein Motorschiff der Marke „Beneteau Antares“.

Kaffee und Suppe für die Feuerwehr

„Es ist wirklich beängstigend, so etwas mitzuerleben“, sagt ein Mitglied der Segler-Vereinigung Unter-Havel, die ihre Liegeplätze nur wenige Meter neben der verwüsteten Werft hat. Vereinsmitglieder beobachten die Löscharbeiten schon seit den frühen Morgenstunden und versorgen die Feuerwehrleute mit Kaffee und Suppe. Auch Anwohner betrachten noch am frühen Nachmittag die ausgebrannten Gebäude und erkundigen sich, wie es den Twelkmeyers geht. „Es ist schon beunruhigend, dass die Feuerwehr solche Schwierigkeiten mit dem Löschwasser hatte. Da muss der Brandschutz was machen, die müssen sich was überlegen“, sagt ein Nachbar.

Auf seiner Internetseite gibt Werftinhaber Twelkmeyer Entwarnung und versichert seinen Kunden, dass keine Privatschiffe zu Schaden gekommen seien. Der Hafenbetrieb werde aufrecht erhalten. Er gibt sich kämpferisch und verspricht, dass spätestens ab Frühjahr die Ruine wieder aufgebaut wird, sofern möglich sogar mit historischer Fassade. „Was zu erhalten ist, wird erhalten“, verspricht er.

„Vielleicht haben wir nach dem Brand jetzt die Möglichkeit, die Nutzung zu verändern. Bisher waren wir durch die denkmalgeschützten Gebäude eingeschränkt. Jetzt kommt der Neuanfang“, versucht Peter Twelkmeyer dem Unglück etwas Positives abzugewinnen.