Umstrittenes Interview

Sarrazin setzt Bundesbankchef unter Druck

Die Rolle von Bundesbank-Präsident Axel Weber im Streit über das Interview von Thilo Sarrazin wird immer undurchsichtiger. Hat er mit aller Macht versucht, die diffamierenden Äußerungen seines Vostandsmitglieds über Ausländer zu verhindern oder nicht?

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Wie sich jetzt herausgestellt hat, versuchte Bundesbank-Präsident Axel Weber nicht mit all seiner Macht als Bundesbank-Chef, seinem Vorstand Sarrazin die umstrittenen Aussagen herauszustreichen oder das Interview in der Kulturzeitschrift „Lettre International“ sogar ganz zu verbieten. Bisher hatten Weber nahestehende Personen wiederholt behauptet, Sarrazin habe sich Webers Änderungswünschen einfach widersetzt.

An den Problemen ist offenbar nicht zuletzt Webers Umfeld in schuld. Zwar habe der Leiter der Bundesbank-Kommunikationsabteilung nach Lektüre des Interviews dem früheren Berliner Finanzsenator Sarrazin Änderungsvorschläge unterbreitet, die dieser auch übernommen habe, erfuhr Morgenpost Online. Die geänderte genehmigte Fassung sei dann an „Lettre International“ weitergeleitet worden. Trotzdem enthielt der Text weiterhin Passagen, in denen Sarrazin Türken und Araber hart attackierte.

Unklar bleibt, wie viel Axel Weber wirklich von dem Interview kannte. Die Bundesbank selbst beharrt auf ihrer Darstellung. Sarrazins Interview stehe „in keinerlei Zusammenhang mit seinen Aufgaben bei der Bundesbank“, heißt es in einer Mitteilung. „Insoweit war das Interview auch nicht mit dem Vorstand der Bundesbank abgestimmt.“ Das Gespräch sei von Sarrazin selbstverantwortlich geführt und von ihm in der gedruckten Form freigegeben worden – trotz früher Warnungen, dass einige Formulierungen als Provokation aufgefasst werden könnten.

In der SPD, deren Mitglied Sarrazin ist, wird weiter über das Interview gestritten. Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse fordert eine Auseinandersetzung mit den Äußerungen Sarrazins. In der „Super Illu“ sagt Thierse: „Thilo Sarrazins sprachlichen Entgleisungen muss man energisch widersprechen. Und dann muss man ernsthaft über die tatsächlich existierenden Integrationsprobleme reden, auf die er mit falscher Wortwahl und in entsetzlich überzogener Weise hingewiesen hat.“ Forderungen nach einem Parteiausschluss lehnt er ab.