Großveranstaltungen

Senat will keine Autofahrten nach Tempelhof

Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung hat erste Maßnahmen für ein Verkehrskonzept für Großveranstaltungen auf dem einstigen Flughafen Tempelhof fertig. Doch mit den Betroffenen werden die Ideen noch nicht besprochen.

Das seit langem geforderte Verkehrskonzept für Großveranstaltungen auf dem ehemaligen Flughafen Tempelhof nimmt Form an. In einer Antwort auf eine Parlamentsanfrage der FDP führt die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung eine ganze Liste von möglichen Maßnahmen auf, die ein Verkehrschaos im Flughafen-Umfeld künftig vermeiden sollen. Welche Punkte in dem bereits mehrfach verschobenen Konzept letztlich aufgenommen werden, ist nach Angaben der Behörde noch offen. Noch in diesem Herbst soll der endgültige Maßnahmenkatalog aber vorliegen. Ursprünglich war geplant, das Konzept bereits zur Eröffnung der riesigen Freiflächen des ehemaligen Flugfeldes im Frühjahr zu verwirklichen. Tempelhof-Schönebergs Stadtrat Oliver Schworck (SPD) hatte die zögerliche Umsetzung mehrfach kritisiert. Besonders ärgerlich für den Stadtrat: Weder das Bezirksamt noch die Anwohner wurden bislang an den Planungen beteiligt.

Erst wenn das endgültige Konzept steht, will die Senatsverwaltung die Planungen mit den Betroffenen erörtern. Das geht aus der jetzt veröffentlichten Antwort der Behörde hervor. Lediglich mit der Bürgerinitiative in Neu Tempelhof wird im Vorfeld geredet. Diskussionsstoff bietet die Liste der möglichen Maßnahmen reichlich.

Zu den Vorschlägen zählt unter anderem der Ausbau des U-Bahnhofs Paradestraße. Er soll einen zusätzlichen Ausgang auf der Ostseite des Tempelhofer Damms erhalten. Ausgebaut werden sollen auch zwei Zufahrten zum Veranstaltungsgelände, das Tor 4 am Columbiadamm und das Tor 9 am Tempelhofer Damm. Offen stehen sollen die Zufahrten aber nur den Logistikfahrzeugen der Veranstalter. Geplant ist auch der Ausbau der Logistikflächen auf dem Flughafengelände.

Zusätzliche Parkplätze, wie von der CDU gefordert, soll es dort nicht geben. Ausnahmen sind Reisebusse. Sie könnten nach den derzeitigen Planungen temporäre Stellplätze auf dem Rollfeld bekommen. Für Autofahrer bleiben damit nur die Stellplätze vor dem Flughafengebäude am Tempelhofer Damm und Columbiadamm sowie im Umfeld. Durch weiträumige Beschilderung auf Autobahnen und Hauptverkehrsstraßen sollen sie zu anderen Parkmöglichkeiten geleitet werden.

Neben den dauerhaften Maßnahmen plant die Verwaltung noch eine ganze Reihe von temporären Eingriffen in den Verkehr rund um das ehemalige Flughafen-Gelände. Je nach Veranstaltung könnten demnach die Takte auf der U-Bahnlinie 6 (ab 2000 Veranstaltungsbesuchern) und den S-Bahnlinien auf der Ringbahn (ab 30.000 Besuchern) verdichtet werden. Möglich sei auch der Einsatz von Shuttle-Bussen zwischen dem Flugfeld und der Oderstraße sowie von Tempelhof zum Hauptbahnhof und anderen zentralen Orten der Stadt. Veranstalter, die mehr als 2000 Besucher pro Tag erwarten, sollen zudem Kombitickets anbieten. Das hatte unter anderem der Berliner Fahrgastverband Igeb gefordert. Die Eintrittkarte gilt dann zugleich als Fahrschein für den öffentlichen Nahverkehr. Finanzieren müssten das aber nach den Planungen die jeweiligen Veranstalter.

Erklärtes Ziel der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung ist es, möglichst viele Veranstaltungsbesucher zur An- und Abreise mit Bussen und Bahnen oder dem Fahrrad zu bewegen. Dazu soll unter anderem ein Informationssystem auf allen umliegenden U- und S-Bahnhöfen eingerichtet werden. Eine Marketingoffensive soll für die gute Anbindung des Geländes an den öffentlichen Nahverkehr und das Radwegenetz werben. Zu den möglichen Maßnahmen zählt auch der Bau von Fahrrad-Abstellanlagen. Drohen bei Großveranstaltungen trotzdem Probleme auf den Straßen, könnten den Planungen zufolge sowohl die Zufahrten zur Gartenstadt durch Schilder, Barken oder Ordner gesperrt werden – einfahren dürften dann nur Anlieger – als auch Parkverbote und Teilsperrungen des Tempelhofer Damms angeordnet werden. Möglich ist nach Senatsangaben je nach Verkehrslage auch eine Sperrung der Südumfahrung am Platz der Luftbrücke. Gänzliche Entwarnung für die Anwohner der benachbarten Gartenstadt „Neu Tempelhof“ gibt es aber nicht. „Gleichwohl ist ein Parkplatzsuchverkehr bei keiner Veranstaltung auszuschließen“, heißt es in der Antwort der Senatsverwaltung auf die Anfrage des FDP-Abgeordneten Mirco Dragowski.