Sanierungspläne geplatzt

Berlin hat kein Geld für die Askanische Schule

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Regina Köhler

Foto: Marion Hunger

Schüler, Eltern und Lehrer der Askanischen Oberschule in Tempelhof-Schöneberg sind in Aufruhr. Die Pläne für eine umfangreiche Sanierung ihrer Schule sind geplatzt. „Laut Finanzverwaltung waren dafür bereits 1,3 Millionen Euro aus dem Konjunkturprogramm II sowie 406.000 Euro Landesmittel eingeplant", sagt Schulleiter Ulrich Forwergck.

Das denkmalgeschützte Schulgebäude an der Kaiserin-Augusta-Straße sollte eine Cafeteria bekommen, die Heizung der Schule sollte modernisiert, die Fenster saniert werden. „Es liegen sogar schon Baupläne vor, die ich unterschrieben habe“, so der Schulleiter. Nun aber wird wohl aus alledem nichts werden. „Ganz nebenbei haben wir jetzt erfahren, dass doch kein Geld für uns da ist“, sagt Forwergck. Das Büro des Bildungsstadtrates Dieter Hapel (CDU) habe der Schule lediglich 1000 Euro zugesagt, um selbst Renovierungen vornehmen zu können. „Das empfinde ich schon – und insbesondere die Kollegen, Schüler und Eltern, die in der Vergangenheit solche Arbeiten in ihrer Freizeit durchgeführt haben – als besondere Ignoranz“, heißt es dazu in einem Brief, den Schulleiter Forwergck vor wenigen Tagen an Bezirksbürgermeister Ekkehard Band (SPD) sowie Bildungsstadtrat Dieter Hapel (CDU) geschrieben hat. Forwergck bittet darin um Unterstützung, damit die versprochenen Baumaßnahmen durchgeführt werden.

Besonders verärgert ist der Schulleiter darüber, dass er erst auf Nachfrage beim Bildungsstadtrat die Auskunft erhalten hat, dass seine Schule nun doch leer ausgehen wird. „Wir sind offiziell nicht informiert worden. Es gab weder eine stichhaltige Begründung, noch den ernsthaften Versuch mit der Schule Alternativen zu überlegen.“ Zum Start des neuen Schuljahres habe er deshalb noch vollmundig verkündet, dass die Schule demnächst eine Cafeteria haben wird. „Wie stehen wir denn jetzt gegenüber den Schülern und Eltern da?“

Auch die Eltern fühlen sich vor den Kopf gestoßen. „Die Schule ist dringend sanierungsbedürftig“, sagt Matthias Rödiger, Vorsitzender der Gesamtelternvertretung des Askanischen Gymnasiums. „Wir sind deshalb entsetzt darüber, dass nun wieder nichts daraus werden soll.“ Eltern könnten nicht verstehen, dass bereits Planungsarbeiten gemacht worden sind und nun alles stehen liegen gelassen wird.

„Unsere Schule steht definitiv auf der Liste der Finanzverwaltung. Dort sind alle Schulen festgehalten, die Geld aus dem Konjunkturpaket bekommen sollen“, betont Rödiger. Nach dem Sanierungsstopp müssten die Eltern davon ausgehen, dass der Bezirk mit dem Geld andere Löcher stopfen will. Das sei nicht hinnehmbar. „Schüler und Eltern planen nun Protestaktionen“, so Rödiger. In der kommenden Woche wolle sich die Bezirksverordnetenversammlung Tempelhof-Schöneberg mit dem Thema beschäftigen. „Alle Fraktionen haben uns Hilfe signalisiert.“

Bildungsstadtrat Hapel versteht die Enttäuschung der Eltern. Der Bezirk habe jedoch kurzfristig umplanen müssen, sagt er. Die an der Askanischen Oberschule vorgesehenen Baumaßnahmen seien zugunsten baulicher Arbeiten an acht anderen Schulen gestrichen worden. Das Geld aus dem Konjunkturpaket II reiche einfach hinten und vorne nicht aus.

„Unser Bezirk hat 12,27 Millionen Euro bekommen. Damit sollen sowohl Mensen gebaut, als auch Baumaßnahmen für die Schulstrukturreform finanziert werden“, sagt Hapel. Dabei seien allein für den Einbau von Mensen an Oberschulen mindestens 30 Millionen Euro nötig. Insgesamt gebe es im Schulbereich des Bezirks einen Sanierungsstau von 100 Millionen Euro.

Hapel räumt allerdings auch Fehler in der Kommunikation ein. „Ich werde mich demnächst mit den Eltern treffen. Wir wollen die Schule nicht allein lassen und gucken, wo wir vielleicht doch noch improvisieren können“, sagt er.

Die Schülersprecherinnen der Askanischen Oberschule, Jil Hecht (16) und Kathrin Aebischer (14) rufen indes zu einer Demonstration vor dem Rathaus Tempelhof-Schöneberg auf. „Am Dienstag um 15?Uhr wollen wir uns zumindest für den Bau der Cafeteria stark machen“, sagt Jil Hecht. Die Schüler seien wegen der Verkürzung der Abiturzeit oft bis 14.20 Uhr, die der Oberstufe sogar bis 16.30 Uhr in der Schule. Eine Mittagsverpflegung sei deshalb dringend nötig.