"Bhoomi Puja"

Priester weihen Grundstück für Hindutempel

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Christine Eichelmann

Die Sonne strahlte bei 30 Grad, es war genau der richtige Tag, für ein farbenprächtiges Fest in Neukölln. An der Riesestraße weihten Hindupriester das Grundstück für den dort geplanten Tempel. Die 200 Gemeindemitgelider und Gäste zeigten schon einmal, wie viel Farbe sie in den Bezirk bringen können.

Man hätte sie auch für Krieger halten können. Kunstvoll vor der Stirn geknotete Tücher und die weißen Striche auf den nackten Oberarmen geben den bunt gewandeten Männern ein verwegenes Aussehen. Doch Surijamoorthy und G. Graneshan sind „Gurukkal“, zu deutsch: Priester. An der Riesestraße in Neukölln weihten sie am Sonntag ein staubiges Stück Boden, auf dem Berlins zweiter Hindutempel entstehen soll.

So farbenprächtig ist Neukölln selten. Bestickte Schabracken über dem Eingang begrüßen die rund 600 Teilnehmer und Gäste der Zeremonie namens "Bhoomi Puja". Wenige Schritte weiter bremst ein Bodenmosaik aus bunt eingefärbten Kokosflocken den Ankommenden. Hilfreiche Hände reichen ein Tablett mit Gewürzen, die zu einem Punkt auf der Stirn vermengt werden. Blumen- und Blättergirlanden grenzen den Bereich ab, auf dem bis zum Winter 2009 der Tempel erstehen soll. Wer das Karree betritt, zieht seine Schuhe aus. Dass unter leuchtenden Saris bald nur noch staubgraue Socken und Zehen hervorschauen, scheint niemanden zu stören.

Viele der Besucher haben bereits einen Beitrag zu dem künftigen Gotteshaus geleistet. 165.000 Euro kostete das Grundstück, dass die als Verein organisierte Gemeinde Berlin Hindu Mahasabhai im Mai vom Senat kaufte. Das Geld stammt aus Spenden. Auch die zahllosen Blüten, die die Priester unter monotonem Singsang endloser Mantras auf dem provisorischen Opferplatz zwischen Obstgaben und Räucherstäbchen verstreuen, haben die Gemeindemitglieder mitgebracht.

Rund 200 Gemeindemitglieder hatten bisher nur einen Kellerraum

250 Quadratmeter des insgesamt dreimal so großen Areals an der Ecke zur Blaschkoallee wird ab August bebaut. 120 Menschen sollen in der fast quadratischen Tempelhalle unter einem Flachdach Platz finden. Rund 200 Mitglieder zählt die Gemeinde, überwiegend Tamilen aus Südindien und Sri Lanka, deren bisher für Gebete genutzter Kellerraum in Kreuzberg längst zu klein und obendrein sanierungsbedürftig ist.

„Für die Gestaltung der Ornamente an den beiden Tempeltürmen werden Bildhauer und Steinmetze aus Indien kommen“, sagt Bauleiter Rainer Szepat. Der 66-Jährige hat sich bei Asienreisen viele Vorbildbauten angesehen. In Kalkutta steht bereits ein von ihm entworfenes Kaufhaus: „Das hier ist eine besondere Aufgabe, aber nicht wirklich Neuland für mich.“

Zu dem bunt verputzten Gotteshaus sollen noch ein Sanitärtrakt und ein Aufenthaltsraum für die Priester kommen. Früchte für ihre Zeremonien werden diese im Garten finden, in dem unter anderem Obstbäume angepflanzt werden.

Ein ordentlicher Klecks Kolorit

Mit seinen neun und elf Meter hohen Türmen wird der Tempel der Tamilen deutlich kleiner als der schon länger geplante Bau in der Hasenheide. 17 Meter hoch soll dort allein das Portal aufragen. Der Sakralbau, der dem Elefantengott Sri Ganesha gewidmet wird, soll der zweitgrößte Hindutempel in Europa nach dem Neasden Tempel in London werden. Bescheidener, dafür leichter zu realisieren und mit geplanten rund 400.000 Euro Baukosten auch kostengünstiger, könnte das Bauwerk an der Riesestraße gegenüber dem ehemaligen Britzer Krankenhaus und inmitten deutscher Schrebergartenidylle dafür früher bezogen werden.

Sechs kleine Opferstätten, sogenannte Ashrams, sollen sich um den zentralen Altar für den Gott Murugan gruppieren. Das ist der jüngere Bruder Sri Ganeshas und Schutzgott des Tamilentempels. „Wenn alles fertig ist, bringen wir dort ein großes Bild von Murugan an“, sagt Nadarajah Thiagarajah, Vorstand des Vereins der Gläubigen, und zeigt auf die triste Brandmauer des benachbarten Wohnhauses. Thiagarajah lächelt hoffnungsvoll. Vor 17 Jahren hatte er Berlins Hindus zur ersten Gemeinde der Stadt versammelt. Auch das künftige religiöse Zentrum verdanken die Gläubigen nicht zuletzt seinem Engagement. Ein Stück kulturelle Heimat für die Migranten. Und ein ordentlicher Klecks Kolorit für Neukölln.