Dieses Buch über das Sexualleben von Berliner Jugendlichen wird erschüttern. Darin steht zum Beispiel, dass ein 15-jähriges Mädchen schon mit 40 Männern geschlafen hat. Oder dass eine Mutter ihre zwölfjährige Tochter mit einem 40-Jährigen verkuppelt hat, weil es angeblich beide toll finden, dass der Mann ein Auto hat und sie nun überall hinfahren können.
Autoren dieses Buches, das am 10. September 2008 erscheint und den Titel "Deutschlands sexuelle Tragödie" (Gerth-Medien-Verlag, 192 Seiten, 14,95 Euro) trägt, sind Pfarrer Bernd Siggelkow und Wolfgang Büscher. Pfarrer Siggelkow ist der Gründer des Berliner Kinderhilfswerkes "Die Arche". Er und Büscher haben mit 83 Jugendlichen über deren Sexualleben gesprochen. Die jungen Leute stammen aus sozial schwachen, aber auch aus bürgerlichen Berliner Familien. In dem Buch sind etwa 35 Geschichten verarbeitet. Der Band ist nicht repräsentativ, alle Erzählungen der Jugendlichen wurden zudem ohne Namensnennung aufgeschrieben. "Am meisten schockiert hat mich die Unwissenheit über das Thema Verhütung", sagt Pfarrer Siggelkow. "Ein 16-jähriges Mädchen ist der Meinung, sie wird nach ungeschütztem Sex nicht schwanger, wenn sie sich auf den Kopf stellt oder im Haus herumrennt." Die Folge: Immer mehr Teeanger werden schwanger.
Keine Angst vor Aids
Die Jugendlichen hätten keine Angst vor einer HIV-Infektion oder vor Geschlechtskrankheiten. Merkwürdige Begründung: "Aids war früher." Verhütung finde so gut wie nicht statt. Die Jugendlichen lebten in den Tag hinein, als ob es kein Morgen gebe.
Geschockt habe Siggelkow auch die Aussage einer jungen Mutter, die mit ihren Kleinkindern zu Hause Pornofilme schaut und sagt, das sei nicht schlimm für die Kinder, es sei ja nur Sex. Einmal, so Pfarrer Siggelkow, hätten vier Jungs im Treppenhaus der Arche "gespielt", wie sie alle nacheinander ein Mädchen vergewaltigen. Siggelkow sei sofort dazwischen gegangen und habe die Jungs zur Rede gestellt. Die hätten nur geantwortet, dass sie solche Szenen immer im Internet und im Fernsehen sehen.
Selbst Gruppensex sei heutzutage bei den Jugendlichen üblich. Bei "Homepartys" säßen die Teenager zusammen in einem Raum. Irgendwann habe ein Paar vor den Augen aller Sex. Siggelkow sagt: "Kinder sind keine richtigen Kinder mehr". Sexuelle Tragödien spielten sich nicht nur in sozial schwachen Familien, sondern auch in der Oberschicht ab. Ziel des Buches sei es, auf dieses gesellschaftliche Phänomen aufmerksam zu machen und aufzurütteln. "Wir müssen die Notbremse ziehen", so Siggelkow.
Das Hilfsprojekt "Die Arche" will jetzt mit einer Frauenärztin zusammenarbeiten, um für mehr sexuelle Aufklärung bei den Jugendlichen zu sorgen.
Aber Pfarrer Siggelkow kann auch etwas Aufmunterndes über die Großstadtjugendlichen sagen: Jeder der jungen Leute wünsche sich eine feste Partnerschaft und ein Leben als Familie - mit Mutter, Vater und Kind.
tak


