Klimaschutz

Berlins größte Solaranlage ist am Netz

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Joachim Fahrun

Foto: mik id/mt / DDP

Auf dem Dach des Wasserwerks Tegel ist die größte Solaranlage Berlins in Betrieb gegangen. Sie kann mit einer Kollektorfläche von 1900 Quadratmetern rund 178.000 Kilowattstunden Strom erzeugen. Das würde reichen, um 70 Vier-Personen-Haushalte ein Jahr lang komplett mit Strom zu versorgen.

Die rechteckigen grauen Platten auf dem Dach der großen Halle glitzern mit der Oberfläche des Tegeler Sees um die Wette. 129 Kilowatt Strom schickten die Fotovoltaik-Module Mittwoch Mittag trotz leicht diesigen Himmels ins Berliner Stromnetz, als Berlins größtes Solarkraftwerk im Wasserwerk Tegel offiziell in Betrieb ging. Wenn die Sonne strahlt und es draußen 25 Grad warm ist, kann die Anlage 192 Kilowatt erzeugen.

1900 Quadratmeter bedecken die leicht schräg stehenden Dünnschichtmodule, die Fläche eines halben Fußballplatzes. Die Installation der Berliner Wasserbetriebe (BWB) ist mit 100 Quadratmetern größer als die bisher größte Berliner Solarstrom-Anlage auf dem Dach des Hauptbahnhofs. 178.000 Kilowattstunden Strom können die Platten auf dem Wasserwerk jährlich erzeugen. Damit erspart die Investition der BWB der Atmosphäre den Ausstoß von 157 Tonnen des Klimagases Kohlendioxid.

Module werden in Frankfurt (O.) hergestellt

Mit der produzierten Energie können die Wasserbetriebe 8500 Berliner mit Wasser versorgen, sagte BWB-Vorstandschef Jörg Simon. Die Menge würde aber auch reichen, um 70 Vier-Personen-Haushalte ein Jahr lang von anderer Stromzufuhr unabhängig zu machen. „Solarenergie ist ein wichtiger Baustein für unser Energiekonzept der Zukunft“, sagte Simon.

800.000 Euro haben die Wasserbetriebe in die Fotovoltaik-Anlage auf dem Wasserwerk gesteckt. Jede Kilowattstunde nimmt der regionale Versorger Vattenfall nach derzeitiger Rechtslage für 44,95 Cent ab. In 14 Jahren soll sich die Investition für die BWB amortisiert haben, sagte Simon. Danach können die Wasserbetriebe praktisch ohne Kosten für weitere Jahre Strom aus der Sonne ernten. Die Hersteller gäben 20 bis 25 Jahre Garantie für solche Anlagen, es gebe aber keinen Grund anzunehmen, dass sie nicht auch viel länger laufen könnten, sagte Hermann Scheer, SPD-Bundestagsabgeordneter und Präsident der europäischen Vereinigung Eurosolar. Der Träger des alternativen Nobelpreises war nach Tegel gekommen, um die „inspirierende Wirkung“ der Anlage für die Nutzung der Solarenergie in Städten zu würdigen. „Es wird die Zeit kommen – und sie ist näher, als viele glauben –, in der solare Stromgewinnung in Gebäuden Standard sein wird“, sagte Scheer. Jede Kilowattstunde, die nicht aus fremden Energieträgern importiert wird, steigere das wirtschaftliche Niveau einer Stadt.

Wirtschaftssenator Harald Wolf (Linke) lobte das Engagement der kommunalen Unternehmen für den Klimaschutz. Der größte Produzent von Solarstrom sei die BSR, jetzt gefolgt von den BWB. Er habe mit der Umweltsenatorin verabredet, nun auch verstärkt auf private Unternehmen zuzugehen, um mit ihnen ebenfalls Klimaschutz-Vereinbarungen abzuschließen, kündigte Wolf an. Aus seiner Sicht dürfte die regionale Wertschöpfungskette erfreulich sein.

Die Module wurden von der Firma First Solar in Frankfurt (O.) hergestellt und von dem Unternehmen Eleven Solar aus Berlin-Adlershof installiert.

Die Deutsche Gesellschaft für Sonnenenergie (DGS) verlieh den Wasserbetrieben am Mittwoch gleich ihr Gütesiegel. Schließlich ist die neue Anlage 40 Mal so groß wie die durchschnittliche Berliner Fotovoltaik-Installation. Die DGS hat mehr als 6000 Solaranlagen in Berlin registriert, davon produziert jede fünfte Strom, die anderen Wärme oder warmes Wasser.