Neue Studie

Wo Berlin im Länder-Ranking gut abschneidet

Die arbeitgebernahe Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft hat untersucht, wo die Bundesländer wirtschaftlich stehen. Berlin schafft nur Rang 15. Doch es gibt auch eine gute Nachricht, betrachtet man die Entwicklung der vergangenen Jahre: Da punktet die Hauptstadt - und liegt in einigen Bereichen bundesweit vorn.

Bayern liegt vorn: Im aktuellen Bundesländer-Vergleich punktet der Süden Deutschlands, die Hauptstadt dagegen liegt auf dem vorletzten Platz. Besser sieht es bei der Betrachtung der Entwicklung seit 2004 aus: Da steht Berlin auf Platz acht; mithin hat sich in der Hauptstadt mehr getan als in vielen anderen Bundesländern – aber längst nicht so viel wie in Hamburg (Platz 1) und Mecklenburg-Vorpommern (Platz 2). Die Studie, in der unter anderen Wirtschaftleistung, Arbeitslosenzahlen, Anteil von Hochqualifizierten an den Erwerbstätigen und anderes mehr untersucht werden, kommt von der arbeitgebernahen Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM).

Das sogenannte Bestandsranking zeigt, wo Berlin aktuell im Vergleich steht. Und das ist recht weit hinten: der vorletzte Platz. Zwar gibt es Stärken: In Berlin liegt der Anteil der Hochschulabsolventen an allen Beschäftigten bei 13,8 Prozent (Bundesdurchschnitt: 9,9 Prozent, Platz eins für Berlin), damit ist Berlin bundesweit führend. Zwar gehen in Berlin 39,8 Prozent der unter Dreijährigen in Berlin in die Kita (Bundesdurchschnitt: 15,5 Prozent, Platz vier für Berlin). Bei der Steuerkraft kommt Berlin auf 1901 Euro je Einwohner (Bundesdurchschnitt: 2139 Euro, Platz sieben für Berlin).

Aber die Schwächen wiegen deutlich schwerer: Die Arbeitsplatzversorgung - also der Anteil der Erwerbstätigen an der Bevölkerung zwischen 15 und 65 Jahren - liegt in Berlin bei 61,0 Prozent. Bundesdurchschnitt: 68,4 Prozent. Letzter Platz für die Bundeshauptstadt. 13,4 Prozent der Bevölkerung in Berlin sind Empfänger von Arbeitslosengeld II. Bundesweit sind es 6,4 Prozent. Auch liegt Berlin auf dem letzten Platz. 14.576 Straftaten je 100.000 Einwohner wurden in Berlin im Jahr 2007 gemeldet. Im Bundesdurchschnitt waren es 7635. Wieder Rang 16 für Berlin. 100 Bewerber finden in Berlin statistisch ein Angebot von 87,3 Ausbildungsstellen. Bundesweit liegt die Ausbildungsplatzdichte bei 98,3 Lehrstellen. Nochmals: letzter Platz für die Hauptstadt. Und schließlich: 15,3 Prozent aller über 18-Jährigen in Berlin sind verschuldet. Bundesweit liegt dieser Anteil bei 10,9 Prozent. Berlin kommt hier auf den vorletzten Platz im Ländervergleich.

Besser sieht es beim "Dynamikranking" aus. Das zeigt, wie sich Berlin und die anderen Bundesländer im den Jahren 2004 bis 2007 entwickelt haben. Hier steht Berlin an achter Stelle im Gesamtvergleich. Das heißt: In der Hauptstadt hat sich in den vergangenen Jahren deutlich mehr getan als in vielen anderen Bundesländern.

Als Dynamik-Stärke wurden in der Studie ermittelt, dass in Berlin die Zahl der Erwerbstätigen in der Zeit von 2004 bis 2007 um 4,4 Prozent anstieg – im Schnitt aller Bundesländer lag das Plus nur bei 2,2 Prozent. In dieser Disziplin erreicht Berlin Platz eins im Dynamikvergleich. Weitere Stärken, die die Studie ausweist: Die Zahl der Beschäftigten in Berlins Öffentlichen Dienst sank zwischen 2004 und 2006 um 5,3 Staatsdiener pro 1000 Einwohner – bundesweit waren es nur 0,9 Staatsdiener pro 1000 Einwohner – nochmals Rang 1 für Berlin. Der Anteil der Hochqualifizierten an allen Beschäftigten stieg in Berlin von 2004 bis 2007 um 0,7 Prozentpunkte, der Bundesdurchschnitt beträgt 0,6 Prozentpunkte, Rang zwei für Berlin. Auf Platz drei liegt Berlin bei der Einwohnerentwicklung: Der Zuwachs in den Jahren 2004 bis 2007 erreichte 0,5 Prozent (Schnitt: minus 0,3 Prozent).

Gegen die Stärken stehen die Schwächen Berlins: Das reale Bruttoinlandsprodukt wuchs von 2004 bis 2007 nur um 3,8 Prozent - der Mittelwert liegt hier bei 6,4 Prozent und Berlin darum auf dem letzten Platz. Der Anteil der Arbeitslosengeld II-Empfänger an der Gesamtbevölkerung stieg von 2004 bis 2007 in Berlin um 3,2 Prozentpunkte. Bundesdurchschnitt: 1,4 Prozentpunkte – noch ein letzter Platz für Berlin.

Die Produktivität, also die wirtschaftliche Leistung jedes einzelnen Erwerbstätigen pro Jahr, sank in Berlin von 2004 bis 2007 um 0,2 Prozent. Rang 16 für Berlin, denn bundesweit stieg die Produktivität um 4,1 Prozent. Und bei der Entwicklung des verfügbaren Einkommens pro Einwohner erreicht Berlin nur Platz 12: In Berlin lag das Einkommensplus von 2004 bis 2006 bei drei Prozent, im Bundesmittel dagegen bei 3,8 Prozent.

Das Dynamik-Länderranking (wirtschaftliche Entwicklung seit 2004)

1. Hamburg

2. Mecklenburg-Vorpommern

3. Bayern

4. Baden-Württemberg

5. Brandenburg

6. Sachsen

7. Hessen

8. Berlin

9. Schleswig-Holstein

10. Sachsen-Anhalt

11. Thüringen

12. Rheinland-Pfalz

13. Niedersachsen

14. Saarland

15. Nordrhein-Westfalen

16. Bremen

Das Bestands-Länderranking (aktueller wirtschaftlicher Stand)

1. Bayern

2. Baden-Württemberg

3. Hamburg

4. Hessen

5. Rheinland-Pfalz

6. Niedersachsen

7. Schleswig-Holstein

8. Nordrhein-Westfalen

9. Saarland

10. Bremen

11. Thüringen

12. Sachsen

13. Brandenburg

14. Mecklenburg-Vorpommern

15. Berlin

16. Sachsen-Anhalt