Nach der Wahl

Frank Steffel beschert der Berliner CDU Arbeit

Er ist der Erfolgreichste der Berliner CDU-Bundestagsabgeordneten. Keiner erhielt so viele Erststimmen wie Frank Steffel in Reinickendorf. Der ehemalige Spitzenkandidat der Berliner CDU für das Amt des Regierenden Bürgermeisters steht nun vor einem politischen Comeback auf Bundesebene und feuert die Seinen kräftig an.

Foto: M. Lengemann

39 Prozent – so lautet die magische Zahl. 39 Prozent der Erststimmen holte Frank Steffel, dem viele in der Hauptstadt nach einem desaströsen Wahlkampf 2001 gegen Klaus Wowereit das Ende aller politischen Träume vorausgesagt hatten, bei der Bundestagswahl am Sonntag. 39 Prozent, die sein ohnehin vorhandenes Selbstbewusstsein noch einmal gestärkt haben. Denn niemand in der Hauptstadtunion war so erfolgreich wie der Unternehmer aus Reinickendorf. Selbst die sonst so Stimmen holenden Christdemokraten aus Steglitz-Zehlendorf konnten da nicht mithalten.

Er steht nun vor einem politischen Comeback auf Bundesebene und feuert die Seinen kräftig an. Für die Funktionäre bedeutet dies Extra-Arbeit als Graswurzelbewegung der Partei. Steffel, der einer der stellvertretenden Parteivorsitzenden der Hauptstadt-Union ist, will das Sonder-Engagement auch kontrollieren.

Gestärkt durch dieses Ergebnis trat Steffel am Dienstagabend vor den treuesten Parteifreunden auf dem Reinickendorfer Parteitag auf. Sein Credo: den Wahlkampf bis zur Abgeordnetenhauswahl 2011 fortsetzen – auf anderer Ebene, aber mit mindestens genauso viel Engagement. „Wir brauchen noch mehr Bürgernähe“, so Steffel. Seine Analyse des persönlichen Wahlkampfes: „10 Prozent der Menschen agieren im politischen Raum, 20 Prozent im vorpolitischen und 70 im unpolitischen Raum.“ Sprich: Ein großer Teil der Menschen interessiert sich nicht sonderlich für Politik. Aber an die will er ran.

Steffels Geheimnis seines Erfolges: ran an die Menschen. Die Funktionäre der Berliner CDU, die Mitglieder der Bezirksverordnetenversammlung, die Mitglieder des Abgeordnetenhauses und die Parteitagsdelegierten sollen in die Arbeitsgemeinschaften der Unternehmen, die Sportvereine und die Gemeindekirchenräte. „Die CDU muss im unpolitischen Raum stattfinden“, sagte Steffel. Diese Vernetzung sei wichtig für die Abgeordnetenhauswahl 2011.

Funktionäre auf ihre Vereinsmitgliedschaften abfragen

Steffel beließ es nicht mit seinem Appell. „Sie müssen ja nicht gleich Vorsitzender eines Vereins werden. Das ist ja immer mit viel Arbeit verbunden“, sagte er. „Aber engagieren Sie sich als Schriftführer, als Beisitzer, im Vorstand.“ Steffel kündigte an, die genannten Funktionäre auf ihre Vereinsmitgliedschaften zu überprüfen. „Wir werden abfragen, wer in welchem Verein ist“, so der Reinickendorfer Kreisvorsitzende.

Der am Dienstag vom Parteitag der Reinickendorfer CDU einstimmig für das Amt des Bezirksbürgermeisters nominierte bisherige Stadtrat Frank Balzer (CDU) blies ins gleiche Horn. Selbst wenn die Großwetterlage schlecht sei, könnten die CDU-Mitglieder durch ihren persönlichen Einsatz in den Vereinen oder dem THW die Anti-Stimmung ausgleichen.

Steffel konnte sich für seine Strategie des verpflichteten Ehrenamtes auch schon auf Landesebene höchste Unterstützung sichern. Auf der vergangenen Sitzung des Präsidiums der Berliner CDU habe Parteichef Frank Henkel ähnlich argumentiert, sagte Steffel am Rande des Parteitags.

Wie wichtig das geforderte Engagement für die Zukunft ist, machte Steffel den Parteitagsdelegierten eindringlich deutlich. „Auf Bundesebene wird der linke Block zusammenrücken. 2013 wird es dann zur Richtungswahl kommen.“ Steffel, der gerade die erste Sitzung der Bundestagsfraktion erlebt hatte, gab noch einen wichtigen Hinweis für die Zukunft in den Ehrenämtern: „Reden Sie nicht von Schwarz-Gelb, sondern von einer Koalition der bürgerlichen Mitte.“ Mit einem Anti-Schwarz-Gelben Wahlkampf hatte die SPD versucht Stimmung gegen Union und FDP zu machen. Steffel befürchtet eine ähnliche Auseinandersetzung auch in den kommenden Jahren.

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