Religion

Urteil zum Beten in der Schule spaltet Berlin

Das Berliner Verwaltungsgericht hat entschieden, dass Schüler in Schulen die Möglichkeit zum Beten haben müssen. Ein muslimischer Schüler hatte geklagt. Vertreter der christlichen Kirchen begrüßen die Entscheidung, Politiker sehen es zum Teil sehr kritisch. Morgenpost Online dokumentiert die Reaktionen.

Heinz Buschkowsky, Bezirksbürgermeister von Neukölln (SPD): „Es steht nicht in meiner Kompetenz, ein Urteil der unabhängigen Gerichtsbarkeit zu kommentieren. In der Sache macht es die Integration nicht leichter. Das ist ein weiterer Schritt zur Verfestigung der Parallelgesellschaften und zur Spaltung der Gesellschaft. Glaubensfragen sind Privatsache. Es ist nicht Aufgabe des Staates, öffentliche Räume für religiöse Handlungen zur Verfügung zu stellen“.

Özcan Mutlu, bildungspolitischer Sprecher der Grünen: „Das Urteil irritiert mich. Es ist weltfremd und fern der Realität unserer Gesellschaft. Es wird der Integration schaden, weil es die Gefahr in sich birgt, ein Präzedenzfall zu werden. Im Koran steht ausdrücklich, dass Gebete und Fasten nachgeholt werden können, wenn man verhindert ist, zum Beispiel aufgrund von Reisen oder dienstlichen Terminen. Mir ist kein anderes Land außer dem Iran bekannt, das Gebetsräume an staatlichen Schulen vorsieht.“

André Schindler, Landeselternausschuss: „Eine Schule in öffentlicher Trägerschaft ist ein Ort von Erziehung und Bildung in einem weltanschaulich und religiös neutralen Rahmen, der geprägt sein muss durch Toleranz, Gleichbehandlung und gegenseitiger Wertschätzung. Leider ist genau dies in zahlreichen Schulen nicht mehr gegeben. Und diese Tendenz wird sich durch das Urteil verstärken.“

Sayran Ates, Anwältin und Frauenrechtlerin, Mitglied der Deutschen Islamkonferenz: „Das ist ein falsches Signal, denn Religion gehört nicht in die Schule, sagte Ates in der RBB-„Abendschau“. Durch Gebete im Klassenzimmer werde religiöser Unfrieden gestiftet. Der 16-Jährige, der vor dem Verwaltungsgericht erfolgreich geklagt hat, werde als Werkzeug genutzt. Die Mehrheit der Muslime in Deutschland wolle das nicht.

Bischof Wolfgang Huber: „Die evangelische Kirche begrüßt das Urteil. Es macht deutlich, dass die Neutralitätspflicht der Schule nicht im Gegensatz zum Grundrecht eines Schülers auf Religionsfreiheit steht“, sagte Volker Jastrzembski, Sprecher von Bischof Wolfgang Huber.

Kardinal Georg Sterzinsky: Das Erzbistum Berlin begrüßt die Entscheidung des Gerichts. Sie stärke die Religionsfreiheit, sagt Bistumssprecher Stefan Förner.

Christoph Lehmann, Vorsitzender der Initiative Pro Reli: „Das Urteil des Verwaltungsgerichts zeigt einmal mehr, dass die Diskussion um das Verhältnis zwischen Schule und Religion in Berlin noch lange nicht beendet ist. Religiöse Bedürfnisse und Empfindungen der Schüler zu ignorieren ist ebenso wenig eine Lösung wie die Entscheidung Gerichten zu überlassen. Der Senat bleibt aufgefordert, den Dialog mit den Glaubensgemeinschaften zu intensivieren, um die Frage von Religion und Schule kooperativ anzugehen“.

Frank Henkel, Landes- und Fraktionsvorsitzender der CDU: „Religionsfreiheit ist ein hohes Gut. Aber wir müssen aufpassen, dass aus Vielfalt nicht viele Einzelinteressen werden. Schule muss neutral bleiben.“