Disziplinarverfahren

Berliner Polizist trug verbotene Quarzsand-Handschuhe

| Lesedauer: 2 Minuten
Hans Nibbrig

Der angebliche Einsatz von Quarzsand-Handschuhen bei der Berliner Polizei sorgt erneut für Ärger: Ein Polizeibeamter soll am vergangenen Wochenende bei einem Einsatz am Herrmannplatz in Neukölln die verbotenen Handschuhe getragen haben.

Bei der Berliner Polizei sorgen sogenannte Quarzhandschuhe wieder einmal für Ärger. Ein Beamter hat zugegeben, solche Handschuhe, in denen Quarzsand vernäht ist, bei einem Einsatz am 17. Juli am Hermannplatz in Neukölln getragen zu haben. Die Polizeiführung hat das ihren Beamten im Dienst aber ausdrücklich verboten.

Einem Journalisten einer Berliner Tageszeitung war aufgefallen, dass ein Polizist dennoch mit diesen Handschuhen im Einsatz war. Sein Artikel erschien unter der Überschrift "Polizei schlägt weiter mit Quarzsand zu".

Wie eine Polizeisprecherin mitteilte, hat der Beamte inzwischen eingeräumt, bei dem Einsatz die verbotenen Handschuhe getragen zu haben. Schläge, aber auch hartes Zugreifen damit können erhebliche Verletzungen hervorrufen. Die bisherigen Ermittlungen hätten aber keinen Anhaltspunkt dafür ergeben, dass der Polizist mit seinen Handschuhen jemanden geschlagen habe, sagte die Sprecherin weiter. Dennoch sei ein Disziplinarverfahren gegen ihn eingeleitet worden.

Auch Polizeivizepräsident Gerd Neubeck äußerte sich gestern zu dem Vorfall. Es sei nicht tolerierbar, dass ein Polizeibeamter trotz ausdrücklichen Verbots Quarzhandschuhe getragen habe, sagte Neubeck. Gleichzeitig kritisierte er die Berichterstattung über den Vorfall und wies die darin enthaltenen pauschalen Vorwürfe entschieden zurück. Es habe sich um einen Einzelfall gehandelt. "Hier werden Tausende Mitarbeiter der Polizeibehörde und ihre gute Arbeit wegen eines Einzelfalles, der noch nicht einmal zutreffend beschrieben wird, in Misskredit gebracht", so Neubeck.

Ende vergangenen Jahres hatten Quarzhandschuhe bei der Berliner Polizei schon einmal für erhebliche Aufregung gesorgt und einigen Einheiten ein äußerst negatives Image beschert. Seither wird in der Behörde peinlich genau auf eine Einhaltung des Verbotes dieser Handschuhe geachtet. Nach Anzeigen mehrerer Kollegen waren gegen sieben Beamte der Hundertschaft der Direktion 4 (Südwest) Ermittlungen eingeleitet worden. Die Beamten sollen ihre Untergebenen aufgefordert haben, Quarzhandschuhe anzuschaffen und diese bei Einsätzen auch gezielt zu benutzen. "Provozieren, eskalieren, zuschlagen", soll das Motto der Beschuldigten gewesen sein. Gleichzeitig sollen sie Untergebene, die nicht mitziehen wollten, bedroht haben. Die Beschuldigten wurden inzwischen versetzt.