Berliner East Side Gallery

Berühmtestes Mauerbild "Bruderkuss" weggeputzt

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Die Berliner East Side Gallery, das 1,3 Kilometer lange, von Künstlern bemalte Mauerstück zwischen Oberbaumbrücke und Ostbahnhof, wird saniert. Doch nun ist bei den Arbeiten das bekannteste Werk, der "Bruderkuss" zwischen Breschnew und Honecker, verschwunden. Der Künstler war zunächst wütend.

Von der Berliner Mauer steht fast nichts mehr. Doch an der East Side Gallery zwischen Ostbahnhof und Oberbaumbrücke im Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg kann man sie noch sehen. Nach dem Mauerfall hatten 118 Künstler aus 24 Ländern 1990 die Ostseite der Mauer als Leinwand der etwas anderen Art genutzt und Bilder auf den Beton. Das bekannteste Werk zeigt den „Bruderkuss“ zwischen SED-Generalsekretär Erich Honecker (1912-1994) und Kreml-Chef Leonid Breschnew (1906-1982). Besser heißt es wohl: Es zeigte den "Bruderkuss". Denn das Bild des Moskauer Maler Dimitri Vrubel ist nun weg, im Laufe der Sanierungsarbeiten verschwunden. Nur Schriftreste des russischen Titels "Mein Gott, hilf mir, diese tödliche Liebe zu überleben" sind noch zu erkennen.

Vrubel malte 1990 das berühmteste Bild der 1316 Meter langen East Side Gallery. Jetzt entdeckte der Künstler den Schaden eher durch Zufall bei einem Berlin-Besuch. Er ist schockiert. "Es ist unglaublich. Wo ist mein Werk?", sagte er der "Bild"-Zeitung.

Aus Telefonaten habe er gewusst, dass die Galerie anlässlich des 20. Jahrestages des Mauerfalls restauriert wird. Doch dass dabei sein Bild verschwinden werde, sei ihm nicht bewusst gewesen. Er habe gedacht, dass er sein Originalbild wieder herstellen solle, so Vrubel.

Dem widersprach jedoch Kani Alavi, Vorsitzender der Künstlerinitiative East Side Gallery, der die Sanierung initiierte und vorantrieb. Es sei immer von einer Betonsanierung die Rede gewesen. Dazu werden alle Werke mit 80 Grad heißem Wasserdampf abgetragen. Die Sanierung ist notwendig, weil durch mikroskopische Risse seit Jahren Wasser ins Gemäuer sickert. Konsequenz: Der Beton bröckelte, die Stahlkonstruktion rostete und die Farbe blätterte ab. Im November 2008 wurde mit den Arbeiten begonnen. Für die Verschönerung der 820 Mauersegmente stehen rund 2,2 Millionen Euro zur Verfügung. Erst wird der Beton saniert, dann sollen die Bilder wiederhergestellt werden.

Nachdem sich Vrubel anfänglich geweigert hatte, das Bild noch einmal neu zu malen, gibt es jetzt jedoch eine Einigung. Alavi sagte Morgenpost Online, der Moskauer Künstler werde den „Bruderkuss“ nach der Sanierung wieder auf dieselbe Stelle bringen. „Alle Künstler, zu denen ich noch Kontakt habe, haben sich bereit erklärt, ihre Werke noch einmal zu malen.“ Finanzielle Unterstützung erhalte die East Side Gallery von der S.t.e.r.n. GmbH. Der Träger erstatte den Künstlern Material-, Reise- und Verpflegungskosten. Darüber hinaus würden sie nicht bezahlt. Alle beteiligten sich ehrenamtlich an der Kunstaktion. sei/jfi