Islam

Neue Kreuzberger Moschee ist eröffnet

Sie bietet rund 1000 Gläubigen Platz - die Moschee, die am Freitag in Kreuzberg eröffnet wurde. Mehrere Jahre war an dem Gotteshaus für Muslime gebaut worden. Das reich verzierte Gebäude ist auch für Neugierige geöffnet.

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Sie bietet rund 1000 Gläubigen Platz - die Moschee, die am Freitag in Kreuzberg eröffnet wurde. Mehrere Jahre war an dem Gotteshaus für Muslime gebaut worden. Das reich verzierte Gebäude ist auch für Neugierige geöffnet.

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Der Vorplatz an der Wiener Straße ist voller Menschen. Luftballons schmücken den Eingang zu dem neuen, hohen Gebäude. Männer und Frauen, Alte und Junge strömen in das Maschari Center mit der neuen Omar-Ibn-Al-Khattab-Moschee. Zahlreich sind auch die jungen Männer, die am Eingang im Halbkreis stehen und die Menschenmenge im Blick haben. „Nicht drinnen trinken“, sagt streng einer der Aufpasser zu zwei Jungen, die mit geöffneten Cola-Dosen eintreten wollen. Ansonsten ist von Strenge nichts zu merken. Überaus freundlich und höflich weisen Aufsichtskräfte den Weg. Der führt zu einem roten Teppich, umstellt von Stiefeln, Sandalen und Pumps. Auch die schwarzen Regale ringsum sind voller Schuhe. Man wähnt sich in einem Second-Hand-Geschäft. Aber nein, es ist der Eingang zur Moschee.

Nach sechs Jahren Bauzeit hat das islamische Gotteshaus am Freitag seine Türen geöffnet. Für jedermann. An diesem Freitagnachmittag ist der hohe Gebetssaal voller Menschen. Muslime mit runder Kappe auf dem Kopf sitzen mit untergeschlagenen Beinen auf dem Boden. Auf einem weichen, grünen Teppich mit Blumenmuster. Andere stehen in kleinen Gruppen und diskutieren. Wer wie ein Mitteleuropäer aussieht und fotografiert, kann damit rechnen, dass er mit einem Lächeln willkommen geheißen wird und einen Prospekt über das Haus in die Hand gedrückt bekommt.

Die Omar-Ibn-Al-Khattab Moschee bietet rund 1000 Gläubigen Platz. Auf rund 5000 Quadratmeter Fläche gibt es dort auch Geschäfts- und Veranstaltungsräume. Die arabische Moschee ist neben der türkischen Sehitlik-Moschee in Neukölln das größte islamische Gotteshaus in Berlin. Insgesamt gibt es in Berlin rund 80 Moscheen und Gebetshäuser sowie insgesamt rund 300.000 Muslime.

Staunen über die Pracht

Die meisten Blicke der Nichtmuslime richten sich nach oben. Ein riesiger Kronleuchter hängt in der Mitte der Decke. Sechs kleinere strahlen am Rand. Wände, Säulen und Decken tragen Verzierungen, soweit das Auge reicht. „Wir staunen über die Pracht“, sagt Peter Münzel, der mit seiner Begleiterin das Haus besichtigt. „Es gibt wenige schöne Moscheen in Berlin“, ergänzt Andrea Thurig. „Das ist eine davon.“ Die beiden Schöneberger begrüßen es, dass die Muslime in Kreuzberg dieses Gebetshaus bekommen haben. Ein bisschen übertrieben sei die Pracht allerdings, sagt Andrea Thurig. „Es ist eher wie ein Palast.“

Ein Palast, den der Islamische Verein für wohltätige Projekte hat bauen lassen. Das Haus solle ein Angebot für den Kiez sein, sagt Birol Ucan, Kreuzberger, Vereinsmitglied und Ansprechpartner für Journalisten. Ein Friseur und ein Restaurant werden öffnen, eine Fleischerei und eine Bibliothek. Die Boutique mit arabischer Damenmode ist schon da, auch die Kita ist bereits in Betrieb. Es soll Deutschunterricht für Ausländer geben. Die Volkshochschule könnte Weiterbildungskurse im Maschari Center anbieten, sagt Ucan. „Der Name ‚VHS' würde vielleicht Berührungsängste mildern.“

Die soziale Komponente im Blick

Die, die am Eröffnungstag kommen, haben solche Ängste längst abgelegt. Wie etwa Gerhard Van Lengen. Er wohne seit 1973 am Kottbusser Tor, erzählt der 70-Jährige. „Ich warte schon seit Jahren darauf, dass dieses Haus öffnet.“ Was ihm ins Auge sticht, sind die unzähligen Verzierungen aus weißem Gips. „Das sind die reinen Staubfänger“, sagt er. „Da putzt man ohne Ende.“ Auch der blanke Steinfußboden mit den Einlegearbeiten müsse gewienert werden. Seine Begleiterin hat die soziale Komponente im Blick. „Hier drinnen die Pracht, draußen das Elend – das ist paradox für Kreuzberg“, sagt sie. Sie wüsste gern, wer die großen Geldgeber für den schönen Bau sind. „Der Verein hat immer wieder auf dem Markt Spenden gesammelt, aber soviel kann das nicht gebracht haben.“ Doch über die Kosten hüllt sich Vereinsmitglied Birol Ucan in Schweigen. Die Summe von zehn Millionen Euro, die in einigen Zeitungstexten auftaucht, will er nicht bestätigen. Man kenne noch nicht die Gesamtsumme, sagt er. Auch Besucherzahlen vom Eröffnungstag kann er nicht nennen. Wichtiger ist ihm, dass alle Gäste gut betreut sind, und dass die arabischen Leckerbissen für alle ausreichen.

Wichtig ist auch die Unterscheidung zwischen voll und leer. Wenn die Moschee voll ist, dann beten Männer im großen Saal mit dem riesigen Kronleuchter. Den Frauen bleibt der obere Raum vorbehalten, von dem aus sie in den großen Saal schauen können. Wenn nur wenige Gläubige in der Moschee sind, stehen die Männer im großen Saal vorn beim Gebet, und die Frauen hinten. Der Muezzin wird rufen, aber nur im Inneren des Hauses. Besucher können beim Gebet vom Rand aus zusehen. Ihnen soll das Haus ab 10 Uhr offen stehen, bis in die Abendstunden.

Schon am Eröffnungstag genießen viele Kreuzberger den Blick durch die großen Fenster der oberen Stockwerke auf die vorbeifahrende U-Bahn, auf das Leben und Treiben an Wiener und Skalitzer Straße. „Am 1. Mai können sie hier Eintritt nehmen“, ruft ein Mann begeistert. „Dann kann man sich den Krawall von oben angucken.“ Leider bleibt die siebte Etage mit der Dachterrasse am Eröffnungstag geschlossen. So ist der Blick über Kreuzberg verwehrt. Die Besucher kehren vor den Büros in der sechsten Etage um und nehmen den Fahrstuhl nach unten. Viele nehmen den Weg durch das attraktive Treppenhaus mit dem glänzenden Steinfußboden und den Kronleuchtern. Einfache Lampen tun es auch hier nicht. Eine fröhliche junge Frau mit Brille, weißem Kopftuch und schwarzem Gewand sagt: „Wir haben lange auf die Moschee gewartet. Endlich ist sie da.“ Ihre Familie stamme aus Marokko, erzählt sie, sie lebe seit 23 Jahren in Berlin. Ihren Namen will sie nicht nennen. Sie hat einen geflochtenen Korb unterm Arm und reicht jedem Besucher zum Abschied einen glitzernden kleinen Beutel mit Bonbons. „Darf ich Ihnen das antun“, fragt sie eine Dame, die die Stufen herunterkommt. Die nimmt den Beutel entgegen. „Sie dürfen.“