Fussball in Berlin

Türkiyemspor erhält eine Heimat am Gleisdreieck

Die jahrelange Suche nach einer Sportanlage hat für Türkiyemspor ein Ende. Der Berliner Fußballverein zieht 2012 ans Gleisdreieck. Dort sollen für 5,5 Millionen Euro zwei Sportplätze entstehen. Darüber werden sich allerdings nicht alle freuen. Kleingärten müssen für das Bauprojekt weichen.

Der Berliner Fußballverein Türkiyemspor erhält nach jahrelanger Suche eine eigene Sportanlage am Gleisdreieck. Für die mindestens zwei Sportplätze samt Umkleidekabinen müssen allerdings Kleingärten verschwinden, die sich zurzeit an dem geplanten Standort befinden. Der Bezirksbürgermeister Friedrichshain-Kreuzbergs, Franz Schulz (Grüne), hat einen entsprechenden Antrag in die Bezirksverordneten-Versammlung eingebracht, das Projekt steht auf der überbezirklichen Prioritätenliste des Senates. Die Sportanlage soll 5,5 Millionen Euro kosten und spätestens im Jahr 2012 in Betrieb gehen. Die Plätze sollen am westlichen Ende des geplanten Parks am Gleisdreieck zwischen Yorkstraße und der U-Bahn-Linie 2 entstehen, auf einem Teil der „Kleingartenkolonie Potsdamer Güterbahnhof“.

Türkiyemspor zeigte sich erleichtert. „Wir bedanken uns beim Bezirk nach 30 Jahren ohne eigenen Trainingsplatz“, sagte der Präsident des Vereins, Celal Bingöl. Künftig sollen die Herrenmannschaften und die A-Jugend weiter im Jahn-Sportpark in Prenzlauer Berg spielen, der ebenfalls mit Mitteln des Konjunkturpaketes ausgebaut werden soll. Die Jugendmannschaften sollen auf den beiden neuen Plätzen am Gleisdreieck trainieren. „Es war uns wichtig, einen Standort in Kreuzberg zu bekommen, da unsere Wurzeln in Kreuzberg liegen und wir hier groß geworden sind“, sagte Bingöl gestern.

Die Herrenmannschaft des Vereins spielt derzeit in der Vierten Liga. Insgesamt sollen die Sportanlagen rund um den Jahn-Sportpark mit Mitteln aus dem Konjunkturpaket II in Höhe von 30 Millionen Euro ausgebaut und saniert werden, sechs Millionen Euro davon sollen für Türkiyemspor bereit gestellt werden. Türkiyemspor musste die angestammte Spielstätte im Katzbachstadion verlassen, weil sie nicht den Bestimmungen des Deutschen Fußballbundes (DFB) genügt. In Gesprächen mit Friedrichshain-Kreuzbergs Bürgermeister Schulz habe der Verein nach einer Lösung gesucht. Dank des Konjunkturprogramms ist jetzt auch die Finanzierung gesichert.

Kritik der Kleingärtner

Auf scharfe Kritik stoßen die Pläne bei den Kleingärtnern. Es sei ein Unding, einen neuen Park am Gleisdreieck zu planen, indem die Senatsverwaltung beginne, 300 Obstbäume abzuholzen und Gärtner zu vertreiben, heißt es in einem Protestbrief der „Parkgenossenschaft Gleisdreieck“. Es sei beschämend, wie der Bezirk mit der einzigen Kleingartenkolonie Kreuzbergs umgehe, kritisieren die Gärtner. Nach den Plänen des Bezirkes müssen den neuen Sportplätzen 50 Parzellen weichen, während die verbleibenden 30 Gärtner einen dauerhaften Bestandsschutz erhalten. Doch darauf wollen sich die Kleingärtner nicht einlassen. „Die Kleingartenkolonie möchte, dass Sport und Kleingärten nicht gegeneinander ausgespielt werden“, heißt es in einem Schreiben der Kleingärtner.

Auf dem Gelände des Gleisdreiecks soll eine rund 16 Hektar umfassende Parklandschaft zwischen Schöneberger Ufer im Norden und Yorckstraße im Süden entstehen. Die Grünfläche gilt als Ausgleich für die Neubebauung des Potsdamer Platzes nach dem Mauerfall.

Vor 12.000 Fans gegen Hertha BSC

Türkiyemspor ist der größte Verein türkischstämmiger Berliner und nimmt seit 1978 am Spielbetrieb teil. Die Teams wurden mehrfach mit Integrationspreisen ausgezeichnet. Der Verein ging 1978 aus der Spielervereinigung „Kreuzberg Gencler Birligi“ (Kreuzberger Junge Union) hervor, in der vor allem Migranten aus Izmir zusammen Fußball spielten. Der bekannteste Ex-Spieler ist Ümit Karan, der über Türkiyemspor den Sprung zu Galatasaray Istanbul schaffte und auch für die türkische Nationalmannschaft nominiert wurde.

Türkiyemspor stand Anfang der neunziger Jahre kurz vor dem Aufstieg in die Zweite Bundesliga. Sportlicher Höhepunkt war ein Spiel gegen Hertha BSC, das damals in die Oberliga abgestiegen war, vor 12.000 Zuschauern im Katzbachstadion.

© Berliner Morgenpost 2019 – Alle Rechte vorbehalten.