City West

Wie der Tauentzien schöner werden soll

Der etwas in die Jahre gekommene Charme der Berliner Einkaufsstraße zwischen Gedächtniskirche und Wittenbergplatz soll aufpoliert werden. Nach dem Willen des Senats zieren den Mittelstreifen künftig Bäume, Hochbeete und Kioske. Doch die Pläne stoßen auf wenig Begeisterung.

Foto: picture-alliance/ ZB / dpa-Zentralbild

Über die Neugestaltung der Tauentzienstraße – Berlins wichtigster Einkaufsmeile – bahnt sich ein handfester Streit an. Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, die ihr Konzept kürzlich in der Lenkungsgruppe City-West vorstellte, möchte auf dem Mittelstreifen Kioske bauen, Bäume pflanzen und Hochbeete errichten.

Anlass ist die Tunnelsanierung der BVG, die dort ab den Sommerferien bis Dezember 2010 im Abschnitt vor dem KaDeWe und Peek & Cloppenburg baut. Da dann die Straßendecke ohnehin neu angelegt werden muss, will die Senatsverwaltung die Bauarbeiten nutzen und den Tauentzien verschönern.

Nach den Plänen eines von ihr beauftragten Gutachters würde der Ausbau des Mittelstreifens 620.000 Euro kosten. Eine zweite Variante, bei der auch noch die Bürgersteige verbreitert würden, kostet rund 2,2 Millionen Euro. Das Geld soll aus dem Programm "Aktive Stadtzentren" kommen. Bund und Land haben dafür für fünf ausgewählte Berliner Zentren 40 Millionen Euro zur Verfügung gestellt.

Senatsbaudirektorin Regula Lüscher teilte in einer Sitzung mit, dass aus Kostengründen allerdings nur die günstigere Variante infrage käme. Zum Ärger von Klaus-Dieter Gröhler, CDU-Baustadtrat von Charlottenburg-Wilmersdorf, wurde den Bezirken keine Gelegenheit eingeräumt, das Thema zu diskutieren.

Auch die Industrie- und Handelskammer (IHK) fordert von der Senatsverwaltung, die Varianten sorgfältiger zu prüfen. "Wir empfehlen dringend, das Know-how der Anlieger und der Wirtschaft rechtzeitiger und besser einzubeziehen", kritisiert Jochen Brückmann, bei der IHK für den Bereich Stadtentwicklung zuständig.

"Varianten sorgfältiger prüfen"

Die Begründung von Senatsbaudirektorin Regula Lüscher allerdings, die BVG müsse bereits am nächsten Tag die Arbeiten ausschreiben und brauche deshalb die schnelle Entscheidung, akzeptierte die IHK nicht. "Für solch einen prädestinierten Standort wäre es wichtig gewesen, die Varianten sorgfältiger zu prüfen. Weil wir dazu aber keine Zeit hatten, kann ich seriös zu den Inhalten nichts sagen", moniert Jochen Brückmann, bei der IHK für den Bereich Stadtentwicklung zuständig.

Dabei sei die Tunnelsanierung doch lange genug bekannt gewesen. Er hätte es besser gefunden, Taxifahrer, Wirtschaft, Veranstalter von Stadtrundfahrten, Geschäftsinhaber und Fußgänger einzubeziehen. Auf den Bürgersteigen sei es dort oft sehr eng. Deshalb sollte über eine Verbreiterung nachgedacht werden.

In den Streit hat sich auch die AG City eingeschaltet. Vorstandsmitglied Gerd-Peter Huber begrüßt zwar die Absicht, die Aufenthaltsqualität der Shopping-Meile zu erhöhen, betont aber: "Es darf auf keinen Fall zusätzliche Ramschbuden geben. Sonst sieht es dort bald so aus wie an der Gedächtniskirche. Sie versperren auch den Blick auf die Geschäfte."

Auch der Baustadtrat von Tempelhof-Schöneberg, Bernd Krömer (CDU), sieht die geplanten Kioske auf dem Mittelstreifen, die die Sicht auf die Gedächtniskirche einschränken könnten, kritisch: "Wir haben doch sogar auf der Stubenrauchbrücke in Tempelhof die Würstchenbude abräumen lassen, weil sie den Blick auf den Hafen-Speicher versperrte." Die bezirklichen Gremien einzubeziehen, gehöre zum Pflichtprogramm, findet zudem sein Kollege Gröhler, der die Abstimmung von Frau Lüscher als "Pseudo-Beteiligung" rügte. Von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung gab es am Montag keine Stellungnahme. bsm

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