Bildung

Berlin schafft die Grundschulempfehlung ab

In Berlin wird es schon bald keine Standard-Empfehlung für den weiteren Bildungsweg nach der Grundschule mehr geben. Stattdessen sollen regelmäßige Gespräche zwischen Lehrern und Eltern ausschlaggebend für die Entscheidung über die weiterführende Schule sein. Der Landeselternausschuss reagiert skeptisch.

Vom Schuljahr 2010/11 wird es keine Bildungsgangempfehlung für den Übergang von der Grundschule in die weiterführenden Schulen mehr geben. Das hat das Abgeordnetenhaus beschlossen. Ausschlaggebend für die Entscheidung über die weiterführende Schule sollen künftig stattdessen regelmäßige Beratungsgespräche zwischen Lehrern und Eltern sein. Die Initiative für den entsprechenden Antrag ist von den Grünen ausgegangen.

In den Lehrer-Eltern-Gesprächen soll es um Lernfortschritte und Lernprobleme der Kinder sowie Maßnahmen zur Förderung und Verbesserung des Lernens gehen. Eine entsprechende Fortbildungsoffensive soll die Diagnose- und Beratungskompetenz der Lehrer stärken.

Özcan Mutlu, bildungspolitischer Sprecher der Grünen, bezeichnete den Beschluss über die Abschaffung der Grundschulempfehlung als Weichenstellung für den Übergang auf die weiterführenden Schulen. „Wie die Zugangskriterien für den Übergang auf das Gymnasium oder die künftige Sekundarschule auch aussehen werden, im Mittelpunkt werden die Beratungsgespräche zwischen Lehrern und Eltern stehen“, sagte Mutlu.

Laut Mutlu werden Grundschullehrer und Eltern künftig gemeinsam beschließen, welche Oberschule ihr Kind besuchen soll. „Kommt es dabei zu größeren Unstimmigkeiten, sollte überdies ein Gespräch der Eltern mit den Lehrern der gewünschten weiterführenden Schule zur Klärung beitragen“, so Mutlu.

Der grüne Bildungspolitiker bezeichnet die neue Reglung als Stärkung des Elternwillens. „Wir kommen endlich weg von der notenorientierten Bildungsgangempfehlung“, sagte er. Diese sei für die Eltern bislang zwar nicht bindend gewesen, hätte aber subjektive Beurteilungen, die stark durch die soziale Herkunft oder einen eventuell vorhandenen Migrationshintergrund der Kinder geprägt sind, befördert.

Karin Babbe, Schulleiterin der Weddinger Erika-Mann-Grundschule, begrüßte die Beschlussfassung des Abgeordnetenhauses. „Wir führen bereits seit Jahren Beratungsgespräche mit Eltern durch und haben gute Erfahrungen damit gemacht“, sagte sie. Wichtig sei, mit diesen Gesprächen bereits in den ersten vier Schuljahren zu beginnen. „Nur so sammeln auch die Eltern Erfahrung und Vertrauen.“

Der Vorsitzende des Landeselternausschusses, André Schindler, äußerte sich indes kritisch zur Abschaffung der Grundschulempfehlung. „Grundschulempfehlungen zeigen den Eltern relativ schnell, woran sie sind. Sollen das auch Eltern-Lehrer-Gespräche tun, müssen diese häufig und in relativ kurzen Abständen geführt werden“, sagte Schindler. Er forderte eine objektivere Einschätzung der Schüler. „Zentrale Vergleichsarbeiten und einfache Tests können wesentlich dazu beitragen, dass Schüler einheitlich beurteilt werden“, sagte er.

In der Bildungsverwaltung heißt es, die Abschaffung der Grundschulempfehlung sei ein Bestandteil der durch die geplante Schulstrukturreform notwendig werdenden Neuregelung des Zugangs zu den Oberschulen.