Neue Kriminalitätsstatistik

Weniger Jugendgewalt, mehr Misshandlungen in Berlin

Heute legen Berlins Innensenator Ehrhart Körting und Polizeipräsident Dieter Glietsch die Kriminalitätsstatistik 2008 vor. Erste Ergebnisse wurden schon jetzt bekannt. So stiegen im Vergleich zu 2007 die Zahlen für Kindermissbrauch und häusliche Gewalt.

Die Kriminalität in Berlin sinkt. Die Polizei registrierte 2008 nach Informationen von Morgenpost Online 482.786 Fälle. Das sind 2,7 Prozent weniger als im Jahr 2007. Die komplette polizeiliche Kriminalstatistik wollen Polizeipräsident Dieter Glietsch und Innensenator Ehrhart Körting (SPD) heute vorstellen.

Aber auch die Aufklärungsquote sank von 50,4 auf 49,5 Prozent. Das liege daran, dass die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) weniger Fälle von Schwarzfahren gemeldet haben, die als aufgeklärte Straftaten in die Statistik einfließen, heißt es in dem Bericht der Berliner Polizei.

Gesunken sind offenbar vor allem die Gewaltdelikte wie Körperverletzung, aber auch Mord und Totschlag. Die Kriminalbeamten erfassten 121 Taten im Bereich Mord und Totschlag. Das sind 17 Taten weniger als noch 2007. Dabei entfielen 44 auf Mord (plus 3) und 77 auf Totschlag (minus 20). Die Jugendgruppengewalt ging sogar rapide zurück – um 32,2 Prozent. 5470 Fälle liefen im vergangenen Jahr auf, wobei fast 32.000 Tatverdächtige unter 21 Jahren festgestellt wurden. Ihr Anteil an allen Tatverdächtigen liegt mit 23,6 Prozent aber immer noch ausgesprochen hoch.

Die Polizei verweist in Bezug auf den Rückgang der Jugendgruppengewalt allerdings darauf, dass es eine statistische Neuerung gegeben habe. Im vergangenen Jahr sei die Erhebung der Daten umgestellt worden, um die Fälle noch genauer eingrenzen zu können. Diese „methodischen Veränderungen“ hätten einen starken Einfluss auf die Zahlen gehabt.

„Offenbar aber haben sich tatsächlich viele Jugendliche von Rohheitsdelikten abgewandt“, sagte der innenpolitische Sprecher der CDU-Fraktion, Robbin Juhnke. Viele dieser ehemals gewalttätigen Jugendlichen hätten sich inzwischen auch anderen, nicht so schweren Delikten gewidmet, wie beispielsweise Einbruch. Das werde nicht in der Intensivtäterdatei erfasst. „Das hängt auch damit zusammen, dass die von der CDU immer wieder geforderte engere Zusammenarbeit von Polizei, Staatsanwaltschaft und Richtern greift“, so der Vorsitzende des Innenausschusses, Peter Trapp (CDU). „Wenn Sanktionen zeitnah erfolgen, also spürbar sind, geht die Zahl der Taten auch zurück.“ Das habe sich daher offenbar auch positiv auf den Rückgang bei den Rohheitstaten ausgewirkt.

Zu den Delikten, die zurückgegangen sind, zählen neben Raub und Körperverletzung auch Nötigung und „Stalking“ (krankhaftes Verfolgen). Dort sank die Zahl der Taten um 4,3 Prozent auf 66.414 Fälle. Beim Raub gab es einen Rückgang von 8027 auf 6461 Fälle (minus 19,5 Prozent). Bei der Körperverletzung wurden 43.617 Fälle bekannt (minus 2,7 Prozent).

Gestiegen sind dagegen die Fälle der häuslichen Gewalt gegen Ehefrauen und -männer. Die Polizei musste in diesem Bereich im vergangenen Jahr 16.382 Fülle bearbeiten. Das entspricht einer Zunahme um 23,9 Prozent. Auch die Zahl der Fahrraddiebstähle stieg auf nunmehr 23.645 Fälle (plus 16,8 Prozent) an. Einen ebenso großen Bereich umfassen die Betrugsdelikte mithilfe von Computern. 2008 fielen 26.653 Fälle des Waren- und Warenkreditbetrugs an – ein Anstieg um 16,7 Prozent.

Besonders besorgniserregend sind die Zahlen im Bereich des sexuellen Missbrauchs von Kindern. Die gemeldeten Taten stiegen auf 636 Fälle an, 7,6 Prozent mehr als 2007. Das habe aber weniger mit der Sensibilisierung des Umfelds von Kindern zu tun als mit einem abgeschlossenen Großverfahren, heißt es in der polizeilichen Kriminalstatistik.