Bundesländer

Wowereit empfiehlt Nordneukölln als Urlaubsziel

Die Deutschen verbringen ihren Urlaub am liebsten im eigenen Land. Morgenpost Online hat daher die Regierungschefs der Bundesländer um ihre persönlichen Reiseempfehlungen gebeten. Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) wirbt für Szenebars und Berlins türkische Seele.

Foto: picture-alliance / ZB / Zentralbild

Die deutschen Urlauber reisen zwar gern in die Ferne, aber am liebsten verbringen sie ihre Ferien in der Heimat. 2008 war ein neues Rekordjahr für den Inlandstourismus. Das Statistische Bundesamt zählte insgesamt 313,04 Millionen Übernachtungen deutscher Gäste im Inland. Das entspricht einer Steigerung von 1,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Morgenpost Online hat aus diesem Anlass die Regierungschefs der 16 Bundesländer um einen persönlichen Reisetipp gebeten. Alle antworteten – bis auf Horst Seehofer. Obwohl er einst beteuert hat, die Landkarte Bayerns im Herzen zu tragen, überlässt er die Reise-Empfehlung seinem Stellvertreter. Folgen Sie einer Tour quer durch Deutschland in 16 Etappen.

Schloss Gottorf " ist seit Langem berühmt für seine Moorleichen. Ich war schon als Schuljunge fasziniert davon. Doch das Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte in Schleswig hat natürlich viel mehr zu bieten. Es dokumentiert die lange und wechselvolle Geschichte Schleswig-Holsteins. Der Barockgarten des Schlosses wurde gerade wieder angelegt und ein neues Globushaus erbaut. Es beherbergt eine originalgetreue Rekonstruktion des begehbaren Gottorfer Riesenglobus, der zu seiner Zeit als achtes Weltwunder galt.

Unweit des Schlosses, auf der anderen Seite der Schlei, liegt das Wikinger-Museum Haithabu. Dort lässt sich erahnen, wie die berüchtigten Nordmänner einst gelebt haben.“ Peter Harry Carstensen (CDU)

„Alle Spaziergänger, Sonnenanbeter und Naturliebhaber lade ich ein, an den Strand von Ueckeritz zu kommen. Das kleine Seebad auf der Insel Usedom hat eine tolle Steilküste und einen der schönsten Strände in Mecklenburg-Vorpommern. Mit ein bisschen Glück und Geduld kann man im feinen Sand ein Stück Bernstein finden. Wer sich – zum Beispiel nach einem ausgedehnten Spaziergang am Strand – für Sehenswürdigkeiten interessiert, sollte unbedingt in Greifswald halt machen. Am besten steigt man hinauf auf den Dom: Von der Aussichtsplattform aus hat man einen wunderbaren Blick auf die mittelalterliche Altstadt mit den historischen Backsteinbauten.“ Erwin Sellering (SPD)

„Ich möchte Sie für eine vielleicht unerwartete Seite der Freien und Hansestadt begeistern: unsere Szene der zeitgenössischen Kunst. Starten Sie in der Galerie der Gegenwart. Im Jahr 1997 als Erweiterung der Kunsthalle eröffnet, zeigt sie Gegenwartskunst von der Pop-Art bis heute und bietet in wechselnden Ausstellungen immer wieder faszinierende Ausblicke auf die Themen der Moderne. Die Galerie liegt ebenso markant wie zentral zwischen Binnen- und Außenalster, vom Plateau aus genießt man eine spektakuläre Aussicht über die Alster bis zum Jungfernstieg.“ Ole von Beust (CDU)

„Es mag nach Lokalpatriotismus klingen – aber ich bin überzeugter Märker und dazu stehe ich! In der Uckermark kann man entspannen, sich erholen oder die Zeit aktiv verbringen, sei es zu Fuß, im oder auf dem Wasser, auf dem Rücken der Pferde oder mit dem Fahrrad.

Ich radle gern über uckermärkische Straßen und Pfade. Ich entdecke immer wieder Neues, wie die Glambecker Fachwerkkirche im grünen Herz der Biosphäre Schorfheide-Chorin. Wer hat Anfang 1989 zu träumen gewagt, über solch wunderbare Radwege von allen Teilen Berlins in die Uckermark und weiter Richtung Kopenhagen – keine Grenze hält mich auf – fahren zu können?“ Matthias Platzeck (SPD)

Neukölln-Nord . Da denkt mancher gleich ‚Problemkiez'. Aber in Berlin gilt: Dort, wo es schwierig ist, hat die Stadt auch besondere Reize. Das nördliche Neukölln ist derzeit absolut angesagt bei Kreativen, wie auch die vielen neuen Bars, Clubs, Galerien und Boutiquen verraten. Schon schwärmen Kenner von Reuterkiez und Weserstraße als dem „vielleicht nächsten großen Kulturding“ in Berlin. Nichts ist hier fertig oder gar geleckt. Dafür aber authentisch und sehr lebendig. Dienstags und freitags lockt am Maybachufer der Türkenmarkt. Der heißt wirklich so und ist eine der schönsten türkischen Seiten Berlins.“ Klaus Wowereit (SPD)

„Vor 1989 habe ich mich oft in der Bibliothek des Evangelischen Predigerseminars im Augusteum aufgehalten, um mich medizinhistorischen Forschungen zu widmen. Dafür fehlt mir heute leider die Zeit. Geblieben ist aber meine Faszination für Bibliotheken. Sie sind Orte des kulturellen Gedächtnisses der Menschheit – wie die Zeitzer Stiftsbibliothek . Zum Bestand gehören unter anderen 400 mittelalterliche und 450 frühneuzeitliche Handschriften, die Ptolemäus-Handschrift von 1477 mit der Zeitzer Weltkarte sowie die beeindruckende Privatbibliothek des 1563 verstorbenen Naumburger Bischofs Julius Pflug – des großen Gegenspielers Luthers.“ Wolfgang Böhmer (CDU)

„Entdecken Sie die Rose, wenn Sie nach Bremen kommen. Dazu müssen Sie in den Keller unseres ehrwürdigen Rathauses steigen, das seit 2004 auch Weltkulturerbe der Unesco ist. Seit über 600 Jahren wird im Ratskeller mit Wein gehandelt. Seine besondere Faszination entfaltet der Ratskeller in der Schatzkammer, wo bedeutende der 650 deutschen Weinsorten gelagert werden, die im Ratskeller angeboten werden. Vollkommen gefangen nimmt mich die Atmosphäre des Rose-Kellers. Die Rose war früher ein besonders hochwertiger Wein. Wie der älteste Fasswein Deutschlands, der Rüdesheimer Wein von 1653, der hier lagert. Nur der Kellermeister und der Bürgermeister zum Amtsantritt dürfen angeblich diesen Wein probieren.“ Jens Böhrnsen (SPD)

„Von den Ostfriesischen Inseln und der Nordseeküste bis zu den Gipfeln des Harz bieten sich Reiseziele für jedes Alter. Im Winter genieße ich selbst die verschneiten Bergkuppen im Harz, im Sommer lasse ich beim Familienurlaub die Seele baumeln und entspanne mich bei langen Spaziergängen auf den Nordseeinseln. In Hannover empfehle ich einen Spaziergang durch die Herrenhäuser Gärten und im Sommer das Maschseefest. In meiner Heimatstadt Osnabrück besuche ich regelmäßig das Felix-Nussbaum-Museum, und ein Rundgang über den alten Markt steht fast immer an.“ Christian Wulff (CDU)

„Jedes Jahr im Spätsommer bietet ein Besuch des Ruhrgebiets die Chance, die Industriedenkmäler der Region auf eine außergewöhnliche Art zu erleben: Von August bis Oktober sind sie Schauplätze der RuhrTriennale. Hier finden auf höchstem Niveau Theater und Tanz sowie Musik- und Literaturaufführungen statt. Schon längst hat die Triennale ihren Platz unter den bedeutendsten Festivals Europas eingenommen. Besonders empfehle ich Aufführungen in der Bochumer Jahrhunderthalle , einer ehemaligen Gaskraftzentrale, die von den Düsseldorfer Architekten Petzinka und Pink in ein spektakuläres Festspielhaus umgebaut wurde.“ Jürgen Rüttgers (CDU)

„Schon Voltaire war sich sicher, dass Reisen immer gut tut. Das gilt besonders in meiner Heimatregion, der Pfalz, mit ihren 1800 Sonnenstunden. Wein, Wandern und Radfahren – die Möglichkeiten sind nahezu unerschöpflich. Aber auch Touristen, die einkaufen wollen, kommen auf ihre Kosten. Die Designer-Outlets in Zweibrücken bieten Designer-Moden zu Schnäppchenpreisen. Wer neue Schuhe braucht, ist in Hauenstein und Pirmasens gut aufgehoben. Dort lohnt sich auch besonders ein Besuch im Deutschen Schuhmuseum in Hauenstein, das in einer ehemaligen Schuhfabrik untergebracht ist.“ Kurt Beck (SPD)

„Nur 20 Autominuten von Wiesbaden entfernt liegt das rund 900 Jahre alte Kloster Eberbach . Schon wenn ich durch das Eingangstor und die dicken Mauern in das Innere der alten Zisterzienserabtei eintauche, wähne ich mich in einer längst vergangenen Welt. Es ist immer wieder eindrucksvoll, durch den alten Kreuzgang Richtung Basilika zu laufen, den leicht modrigen Geruch der jahrhundertealten Steine einzuatmen und im Geiste oder ganz real die glockenklaren Stimmen eines Chores zu vernehmen. Kein Besuch darf hier ohne die Verkostung eines der weltberühmten Rieslinge zu Ende gehen – neuerdings auch gern in der nur wenige Hundert Meter entfernten, modernen Steinbergkellerei. “ Roland Koch (CDU)

„Am ,Thüringer Meer', wie die Stauseen Hohenwarte und Bleiloch bei Saalfeld auch genannt werden, habe ich viele schöne Sommermonate meiner Kindheit verbracht. Gemeinsam mit Familie und Freunden ging es am Wochenende oftmals hierher. Zum Baden, Tauchen, Campen, Angeln oder Wandern.

Die eindrucksvolle Fjordlandschaft vermittelte uns den Eindruck, in Norwegen zu sein. Das kannten wir damals nur von Bildern.


Mit einer Gesamtlänge von 28 Kilometern ist es das größte zusammenhängende Stauseengebiet in Deutschland. Heute kommen vor allem Wassersportfans auf ihre Kosten, ob Segler, Kanuten, Ruderer oder Surfer.“ Birgit Diezel (CDU), führt derzeit die Amtsgeschäfte in Vertretung von Dieter Althaus, der sich von seinem schweren Skiunfall erholt

„Wer an Sachsen denkt, hat oft das barocke Dresden, die pulsierende Messestadt Leipzig, unser Weihnachtsland Erzgebirge oder die atemberaubende Natur im Elbsandsteingebirge vor Augen. Eine Stadt lockt mich aber immer wieder ganz besonders: die Europastadt Görlitz . Lange durch die Grenzlage isoliert, liegt Görlitz heute mitten im Herzen Europas. Mit dem polnischen Zgorzelec ist die Stadt über die neu errichtete Altstadtbrücke verbunden. Ohne Ausweiskontrolle und in wenigen Schritten gelangen die Menschen so von der Peterskirche westlich der Neiße zum Dom Kultury auf der östlichen Seite. Zu DDR-Zeiten war Görlitz dem Verfall preisgegeben, jetzt aber erstrahlt die malerische Altstadt in neuem Glanz.“ Stanislaw Tillich (CDU)

„Fast noch ein Geheimtipp sind die Osterseen im bayerischen Alpenvorland: 19 kleine Seen auf 1083 Hektar Hochmoorlandschaft im Süden des großen Bruders, dem Starnberger See. Doch die reinen Fakten können die einmalige Atmosphäre der Region nur schwer beschreiben. Die besondere Stimmung kann man am besten auf einer der kleinen Inseln mitten in den Seen erleben. Und wen das noch nicht verzaubert, der kann an den Osterseen baden, Radl fahren, sich im Winter auf den Loipen austoben oder einfach nur den Ausblick auf die Alpen genießen. Der Name Osterseen hat übrigens nichts mit Ostern zu tun. Er geht auf das germanische Wort ‚Ostan' zurück. Was soviel bedeutet wie ‚im Osten'.“ Martin Zeil (FDP), stellv. Ministerpräsident

„Das Praehistorium ist eine neue erdgeschichtliche Attraktion, eine Mischung aus Urzeitpark und naturhistorischem Bildungserlebnis. Modernste Animationstechniken und raffinierte audiovisuelle Verfahren lassen den Besucher den Lauf von 4,5 Milliarden Jahren Erdgeschichte ‚live' erleben. Durch die Eingangshalle, mit dem über acht Meter hohen und circa 40 Meter langen Argentinosaurus, geht es auf Zeitreise von der Silur- bis zur Kreide-zeit. Monsterskorpione, riesenwüchsige Libellen und Dinosaurier sind nur einige der Lebensformen, die zu Hause waren.

Es ist kein Zufall, dass ‚Gondwana – Das Praehistorium' auf dem ehemaligen Gelände der Grube Reden in Landweiler-Reden entstanden ist. War doch die hier geförderte Kohle einst Urwald und Lebensraum früherer Insekten, Tausendfüßler und Amphibien.“ Peter Müller (CDU)

„Zu sagen, wo es mir in Baden-Württemberg am besten gefällt, das fällt mir wirklich schwer. Wir haben mit dem Kloster Maulbronn, der Insel Reichenau im Bodensee und dem obergermanisch-rätischen Limes drei ,steinerne Zeugen' auf der Liste des Unesco-Welterbes. Ich genieße es, durch das Enztal zu spazieren mit dem angrenzenden Naturpark Stromberg-Heuchelberg und den liebevoll gehegten Weinbergen. Wenn es die Zeit zulässt, fahre ich in den Kaiserstuhl, nehme nach einer Wanderung eine zünftige Vesper im Staatsweingut Blankenhornsberg ein. Dort erfreue ich mich am Blick ins Rheintal und auf den Schauinsland.“ Günther Oettinger (CDU)