Dennis J.

Randale wegen Todesschüssen von Schönfließ

Dennis J. starb am Silvesterabend in Schönfließ durch eine Kugel aus einer Polizeiwaffe. Noch immer ist der Fall nicht geklärt – und noch immer macht er Schlagzeilen. In der Nacht zum Montag gab es in Berlin Randale, die laut Polizei im Zusammenhang mit dem Fall stehen könnten.

Gegen 21.20 Uhr 20 bewarfen nun am Sonntag 10 bis 20 vermummte Personen mit Kleinsteinpflastersteinen die Scheiben einer Sparkassenfiliale und eines Telefongeschäftes in der Muskauer Straße in Kreuzberg sowie die Scheiben eines Bekleidungsgeschäftes in der Eisenbahnstraße. Dadurch wurden insgesamt 20 Scheiben beschädigt.

Zudem wurde in der Skalitzer Ecke Görlitzer Straße ein Glascontainer umgeworfen. In der Pücklerstraße schoben die Täter zwei Mülltonnen auf die Fahrbahn und zündeten sie an.

An einer Hauswand in der Pücklerstraße entdeckten Einsatzkräfte einen aufgesprühten Schriftzug mit Bezug zum Fall Schönfließ sowie zwei zerkratzte Autos. Außerdem fanden die Beamten Flugblätter mit einem Text, der die Todesschüsse vom Silvestertag thematisiert.

Gegen 22.30 Uhr bemerkte dann ein Zeuge Flammen am Zugang des Polizeiabschnitts 25 am Kurfürstendamm in Wilmersdorf, die kurz darauf aber von selbst erloschen. Nach bisherigen Ermittlungen der Polizei handelte es sich um einen Brandsatz, der Verrußungen der Hausfassade, des Vordaches und der angrenzenden Schaufensterfront verursachte.

Schließlich beschädigten gegen 2.30 Uhr 30 Unbekannte mit einem Kleinpflasterstein die Glasscheibe der Commerzbank in der Weserstraße in Neukölln. In allen Fällen hat der Polizeiliche Staatsschutz die Ermittlungen übernommen.

In der Silvesternacht hatte ein Berliner Zivilfahnder bei der Festnahme den mit Haftbefehl gesuchten 26-jährigen Dennis J. in Schönfließ erschossen. Der 35-Jährige feuerte achtmal auf den gestohlenen Wagen, in dem der junge Mann saß. Gegen den Schützen wird wegen Todschlags ermittelt. Gegen zwei weitere Polizisten, die an dem Einsatz beteiligt waren, sind nach Informationen von Morgenpost Online Ermittlungsverfahren wegen Strafvereitelung im Amt eröffnet worden.

Sie haben in einer ersten richterlichen Vernehmung die Aussage verweigert. Der Leitende Neuruppiner Oberstaatsanwalt Gerd Schnittcher nannte dies am Montag in einer Mitteilung bedauerlich. „Wenn ein Einsatz derart aus dem Ruder läuft, erwarten wir bei der Aufklärung dennoch eine vertrauensvolle Zusammenarbeit der Beamten mit uns.“

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