Monatliches Nettoeinkommen

Hälfte der Berliner muss mit 2000 Euro auskommen

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Arm, aber sexy hat der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) die Bundeshauptstadt einmal genannt. Wie vermögend die Berliner wirklich sind, hat nun erstmals das Marktforschungsinstitut GfK GeoMarketing für Morgenpost Online ermittelt. Nirgendwo in Deutschland prallen Arm und Reich so unmittelbar aufeinander wie hier.

Nach Angaben des Marktforschungsinstituts GfK GeoMarketing muss mehr als die Hälfte der Haushalte in der Hauptstadt mit einem Nettoeinkommen von monatlich bis zu 2000 Euro zurechtkommen. In Düsseldorf macht diese Gruppe nur 37 Prozent der Haushalte aus, in Köln 44 Prozent, in München gerade mal 28 Prozent.

Mit der Studie von GfK GeoMarketing wurde zum ersten Mal anhand von Daten der Statistischen Ämter die Verteilung von Wohlstand und Armut ermittelt. Grundlage sind die monatlich zur Verfügung stehenden Nettoeinkommen der Haushalte.

Besserverdiener gibt es dagegen in Berlin verglichen mit anderen deutschen Großstädten nur wenige: 14 Prozent der Haushalte haben mehr als 4000 Euro netto im Monat zur Verfügung, in Düsseldorf sind es 20 Prozent, in Köln 18 Prozent, in München gar 26 Prozent.

Ein weiteres Ergebnis der Studie: Nirgendwo in Deutschland prallen Arm und Reich so unmittelbar aufeinander wie in Berlin. Postleitzahlbezirke mit einem hohen Anteil von Besserverdienern liegen direkt neben Bezirken mit überdurchschnittlich vielen Empfängern von Sozialleistungen.

Eine weitere Erkenntnis ist: Die Vorstellung vom wohlhabenden Westen und ärmeren Osten hat nichts mehr mit der Wirklichkeit zu tun. „Die ärmsten Bezirke sind inzwischen die im ehemaligen Westteil der Stadt“, sagt die Sozialstadträtin des Bezirks Charlottenburg-Wilmersdorf, Martina Schmiedhofer. In Marzahn-Hellersdorf sind die Einkommen der Haushalte zum Teil deutlich höher als im nördlichen Schöneberg oder in weiten Teilen von Charlottenburg oder Wilmersdorf.

Die größten Einkommensunterschiede aber finden sich nicht innerhalb der Stadt, sondern beim Vergleich von Stadt und Land. Die meisten Regionen mit einem hohen Anteil von Besserverdienenden liegen in Brandenburg, im sogenannten Speckgürtel von Berlin. Grob betrachtet kann man sagen: Je näher man der Stadtmitte kommt, desto größer wird die Zahl einkommensschwacher Kieze. Das gilt ganz besonders für die City Ost. „An dieser Studie kann man einen Trend erkennen, der für ganz Deutschland gilt: Top-Verdiener zieht es meist ins Umland der Großstädte, in die sogenannten Speckgürtel“, sagt Simone Baecker-Neuchl, Projektleiterin der Studie. Neben dem traditionell wohlhabenden Südwesten Berlins und seinem Umland gibt es inzwischen auch überdurchschnittliche viele Besserverdiener im nordöstlichen Umland der Stadt.

( Do )