Securitas und BVG

Schwarzfahrer ertappt - Kontrolleure bekommen Prämie

Das Gerücht ging lange um, nun ist es bestätigt: BVG-Kontrolleure, die bei der Sicherheitsfirma Securitas angestellt sind, bekommen Prämien für ertappte Schwarzfahrer. Der Fahrgastverband warnt die BVG vor einem Imageschaden. Der Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg fordert höhere Löhne für die Kontrolleure.

Mitarbeiter der privaten Sicherheitsfirma Securitas, die im Auftrag der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) die Tickets der Fahrgäste kontrollieren, erhalten Prämien abhängig von der Zahl der ertappten „Schwarzfahrer“. Das Vorhandensein einer entsprechenden internen Betriebsvereinbarung bestätigte nun der Berliner Sprecher des weltweit agierenden Unternehmens, Michael Schur. Danach erhalten die Fahrscheinkontrolleure zusätzlich zum Lohn Geld, aber auch Tank- und Verzehrgutscheine, wenn sie in einer Acht-Stunden-Schicht mehr als zwölf Fahrgäste ermitteln, die keinen gültigen Fahrschein vorweisen können. Erwischte „Schwarzfahrer“ müssen der BVG ein sogenanntes erhöhtes Beförderungsentgelt von je 40 Euro zahlen. Allein im Vorjahr nahmen die kommunalen Verkehrsbetriebe dadurch 12,7 Millionen Euro ein.

Nach der bereits seit 2007 gültigen Betriebsvereinbarung kann ein Securitas-Kontrolleur für den 13., 14. und 15. Fahrgast ohne gültigen Fahrausweis, gegen den er während seines Einsatzes ein „erhöhtes Beförderungsentgelt“ verhängt, jeweils 50 Cent zusätzlich erhalten. Für den 16. bis 18. an einem Tag ertappten „Schwarzfahrer“ soll es dann einen Zuschlag von je einem Euro, ab dem 19. dann gar 1,50 Euro geben. Unterm Strich können besonders erfolgreiche Securitas-Mitarbeiter so ihren Lohn um etwa 200 Euro aufstocken. Für Schur sind diese Sonderzahlungen keine „Fangprämien“, die zu rabiatem Vorgehen bei den Kontrollen animieren, sondern sinnvolle Lohnergänzungen. Die Mitarbeiter erhalten, obwohl von Securitas schon übertariflich bezahlt, lediglich einen Bruttolohn von 6,54 Euro. Um gute Angestellte zu halten, müssten sie zusätzlich motiviert werden. Geld- und Sachprämien würden aber nicht nur nach der Anzahl der ertappten Schwarzfahrer vergeben, sondern auch danach, wie die Zufriedenheit der BVG-Kunden sei. „Wenn es etwa gehäuft Beschwerden von Fahrgästen über das Auftreten eines Kontrolleurs gibt, kann es keine Prämie geben“, so Schur. Die etwa 50 Securitas-Mitarbeiter, die Fahrscheine kontrollieren, würden zudem regelmäßig geschult.

Laut BVG gibt es keine Aufforderung an Securitas, Prämien für besonders viele ertappte „Schwarzfahrer“ zu zahlen. „Allerdings ist es innerhalb von Unternehmen eine übliche Praxis, besondere Leistungen extra zu honorieren“, sagte BVG-Sprecher Klaus Wazlak. Dass dies nicht automatisch zu einem besonders scharfen Vorgehen der Kontrolleure führen müsse, belege die Tatsache, dass die Anzahl der Fahrgastbeschwerden seit 2007, also seit der Übertragung dieser Aufgabe an die Firma Securitas, „deutlich zurückgegangen“ sei.

Kulanz gegenüber Touristen in Gefahr

„Erhebliche Bauchschmerzen“ wegen der nun bekannt gewordenen Prämien-Praxis hat dagegen der Berliner Fahrgastverband Igeb. Laut dem Igeb-Vizevorsitzenden Jens Wieseke sind zwar beim Verband seit 2007 keine Beschwerden mehr über rabiate Kontrolleure eingegangen; grundsätzlich bergen aber „Fangprämien“ viele Gefahren für das Image des Berliner Nahverkehrs in sich. Durch finanzielle Anreize würden die Kontrolleure angeregt, „lieber einmal zu wenig als einmal zu viel die Augen zuzudrücken“, befürchtet Wieseke. Auf der Strecke bleibe dabei die von der BVG geforderte Kulanz – vor allem gegenüber Berlin-Touristen, die mit einem falschen oder nicht entwerteten Ticket erwischt werden.

Verstärkte Fahrschein-Kontrollen, um die Quote der Schwarzfahrer zu senken, werden vom Fahrgastverband jedoch befürwortet. Allerdings, sagte Wieseke, sei der Kontrolldruck dabei viel wichtiger als das Abkassieren. Kontrolleure sollten sich im Zweifel eher als „Freund und Helfer“ der Fahrgäste verstehen und ihnen nötigenfalls zum richtigen Fahrschein verhelfen.

Für den Auftraggeber, die BVG, könnte die Praxis nach Wiesekes Ansicht zu einem Imageverlust führen, obwohl die Kontrolleure gar keine BVG-Beschäftigten sind. „Ein Fahrgast, der kontrolliert wird, unterscheidet nicht, ob er einen Mitarbeiter der BVG oder eines Fremdunternehmens vor sich hat“, sagt er.

Vom Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg heißt es, dass ein Schwarzfahrer-Kopfgeld für Kontrolleure im öffentlichen Nahverkehr „nicht üblich“ sei. Sinnvoller sei es, für eine insgesamt bessere Bezahlung der Mitarbeiter privater Sicherheitsfirmen zu sorgen.