Stadtentwicklung

Jetzt gibt es finanzstarke Tempelhof-Interessenten

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Norbert Schwaldt

Senatsbaudirektorin Regula Lüscher hat gerade auf einer Immobilienmesse in München den Flughafen Tempelhof potenziellen Nachnutzern angeboten. Was sie dort erlebt hat, was der neue Großflughafen BBI der Innenstadt bringt und warum auch sie das Einkaufscenter Alexa genehmigt hätte, sagt sie Morgenpost Online.

Morgenpost Online: Der Berliner Senat hat einen Ideenwettbewerb für den Flughafen Tempelhof ausgeschrieben. Ist die Berliner Bauverwaltung von ihren eigenen Vorschlägen einer Mischnutzung durch Unternehmen und Wohnen nicht mehr überzeugt?

Regula Lüscher: Es ist immer gut, ein ganzes Spektrum von Vorschlägen zu haben. Schließlich geht es ja um das größte Gebäude der Stadt und ein riesiges Areal. Tempelhof ist zudem eine international bekannte Adresse.

Morgenpost Online: Haben sich denn schon Investoren gemeldet, die auch entsprechende Kapitalbeträge mitbringen?

Lüscher: Auf der Immobilienmesse Expo Real in München haben wir mit zahlreichen Interessenten gesprochen. Darunter waren auch zwei eigenkapitalstarke Projektentwickler aus Deutschland, die für das Großgebäude und angrenzende Baufelder konkrete Konzepte verfolgen. Ein Thema könnte die Luftfahrt sein. Die Konzepte sehen Unternehmensansiedlungen wie auch den Wohnungsbau vor.

Morgenpost Online: Und wer will sich da engagieren?

Lüscher: Das kann ich Ihnen nicht sagen. Wir haben allen Gesprächspartnern Vertraulichkeit zugesichert.

Morgenpost Online: Mit dem Großflughafen Berlin Brandenburg International (BBI) hat Berlin noch ein zweites Airport-Projekt. Wie wird der Großflughafen die Hauptstadt verändern?

Lüscher: Die gesamte Süd-Ostachse der Stadt wird sich bis in das Zentrum hinein verändern. Wenn der Großflughafen startet, wird die Gegend um den Alexanderplatz einen enormen Aufschwung erfahren und die Neubautätigkeit im Umfeld vorantreiben.

Morgenpost Online: Damit dürfte die Gestaltung des Alexanderplatzes wieder in den Mittelpunkt der Diskussion rücken. Das neue Shopping Center Alexa erhitzt noch ein Jahr nach der Eröffnung die Gemüter.

Lüscher: Nun gut, über das Gebäude lässt sich offensichtlich streiten, aber wir haben am Alexanderplatz ein neues Hochhausprojekt, das Zeichen setzen wird für die künftige Bebauung des Umfelds.

Morgenpost Online: Hätten Sie das Alexa als Senatsbaudirektorin genehmigt?

Lüscher: Sagen wir mal, ich hätte es genehmigen müssen. In diesem Amt geht es doch immer um einen Spagat. Das öffentliche Interesse der Stadt und das von privaten Investoren muss zusammengebracht werden. Beide Seiten zusammenzubringen, das ist eben keine leichte Aufgabe.

Morgenpost Online: Viele Freunde hat man da nicht. Liegt das daran, dass Sie aus dem Ausland kommen und auch nicht mit der hiesigen Baulobby verbandelt sind?

Lüscher: In Zürich hatte ich es mit der Zeit viel einfacher. Da hatte ich oft die gleichen Ansprechpartner. In Berlin sind die politischen Strukturen und damit auch die Meinungen zu Architektur und Städtebau vielschichtiger und damit sind auch die Entscheidungen viel komplizierter. Fragt man sieben Architekturexperten, hat man sieben Meinungen.

Morgenpost Online: Fühlen Sie sich bei so viel Gegenwind da noch wohl?

Lüscher: Sehr wohl sogar. In der Diskussion und nicht in der Administration entstehen die besten städtebaulichen Lösungen. Dass es dabei zu Reibungen und Frust auf beiden Seiten kommt, ist doch völlig normal.

Morgenpost Online: Ihre jüngsten Neuerungen – eine Gestaltungssatzung für historische Innenstadtbereiche oder eine Baukommission, die Sie neuerdings berät – haben in der Öffentlichkeit bislang nicht viel Beifall gefunden.

Lüscher: Berlin hat nun mal auch eine breite Medienlandschaft, die provokative Schlagzeilen sucht. In jeder kritischen Schlagzeile zur Stadtarchitektur liegt aber auch ein Quäntchen Wahrheit. Setzt man sich mit der Kritik auseinander, gibt es meist eine produktive Lösung.

Morgenpost Online: Berlin erhält sein neues Gesicht vor allem auf vernachlässigten Brachflächen entlang der früheren Mauer, die die Stadt teilte.

Lüscher: Um den neuen Hauptbahnhof bauen wir die Stadt neu auf, mischen Gewerbe, Wissenschaft, Kultur und Wohnen. Damit entsteht in Richtung Norden eine neue Stadtachse. Der Masterplan wird noch in diesem Jahr fertig.

Morgenpost Online: Dann hat Berlin wohl endlich auch die Chance außergewöhnliche Architekturen zu bekommen?

Lüscher: Entwickler und Architekten sollten von Anfang an kooperieren. Dann können auch Projekte realisiert werden, die international Aufmerksamkeit erregen und in Berlin neue Akzente setzen.