Historie

Der rauchende Mäzen

Einst war Pankow ein Dörfchen am Nordrand von Berlin. Dann entdeckten wohlhabende Berliner das Fleckchen und richteten sich hier ihre Sommerresidenzen ein. Noch immer ist Pankow kräftig durchgrünt. Mit der Industrialisierung zog auch hier Urbanität ein.

Gerade einmal 200 Bewohner zählte Pankow Ende des 18. Jahrhunderts. Und kaum 100 Jahre ist es her, da war Pankow noch ein kleines märkisches Dorf am Rande der Residenzstadt Berlin. Zwischen der Kirche und dem Rathaus zeichnen die Straßen bis heute den Verlauf des Dorfangers nach. Namensgeber ist die Panke – ein schmaler Fließ, der im brandenburgischen Bernau entspringt und unterm Schiffbauerdamm in die Spree mündet.

Im 19. Jahrhundert entdeckten viele wohlhabende Berliner Pankow für ihre Sommersitze. Ein Grund dafür, dass der Ortsteil so reich gesegnet ist mit Grünanlagen. Wo sich heute etwa der Bürgerpark erstreckt, stand einst eine Papiermühle. Hermann Killisch von Horn, der Begründer der Berliner Börsenzeitung, kaufte 1856 das Anwesen und ließ es für sich und seine Familie zu seinem Landsitz umgestalten. Nach von Horns Tod gelang es dem damaligen Pankower Bürgermeister Wilhelm Kuhr , das zehn Hektar große Areal ins Gemeindeeigentum zu überführen und 1907 der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Ende des 19. Jahrhunderts erreichte die stürmische Industrialisierung Berlins auch die Vororte: 1874 ließ die Schultheiss-Brauerei in Pankow eine Mälzerei errichten, 1906 verlegte der Zigaretten-Fabrikant Josef Garbáty-Rosenthal seine Fabrik dorthin. Der für seine soziale Einstellung und sein Mäzenatentum bekannte Garbáty prägte stark das Leben im 1920 nach Groß-Berlin eingemeindeten Pankow. Bis heute sichtbar: das 1912 neben seiner Fabrik erbaute „II. Waisenhaus der jüdischen Gemeinde in Berlin“, das von Garbáty unterstützt wurde. Nach den Nazi-Pogromen 1938 gelang es dem Leiter des Hauses, Kurt Crohn, viele jüdische Waisen mit Kindertransporten nach England und in die Niederlande in Sicherheit zu bringen. 1940 ließen die Nationalsozialisten das Waisenhaus schließen. Fast alle Bewohner wurden in Konzentrationslagern ermordet.

Zu DDR-Zeiten wurde das Haus von Kuba als Botschaft genutzt. 1999 übernahm die in Pankow sehr aktive Cajewitz-Stiftung (kümmert sich um hilfebedürftige Senioren) das fast verfallene Gebäude und ließ es denkmalgerecht sanieren. Heute beherbergt es eine öffentliche Bibliothek, ein Begegnungszentrum und eine freie Schule. An Garbátys segensreiches Wirken in Pankow erinnern auch der 2000 nach ihm benannte Platz vor dem S- und U-Bahnhof sowie das Café Garbáty (Breite Str. 43), ein beliebter Treff.