Flughafen

Legendäres Flugzeug verrottet in Tegel

Als im November 1986 das erste Lufthansa-Flugzeug nach Ende des zweiten Weltkrieges wieder in Berlin landete, standen Wirtschafts- und Politprominenz Spalier. Die Boeing 707 im Kranich-Outfit war eine Sensation und ein Geschenk an Berlin. Heute will sie hier niemand mehr haben. Und so wird sie wohl bald in der Nähe von Köln stehen.

Foto: Sven Lambert

Sie gibt heute ein mehr als trauriges Bild ab. In der hintersten Ecke im Südwesten des Flughafens Tegel, verborgen vor den Augen der Öffentlichkeit, modert das fast 50 Jahre alte Passagierflugzeug des Typs Boeing 707 vor sich hin. In Berlin hat an dem legendären Flugzeug, das vor 22 Jahren für Furore sorgte, niemand mehr Interesse. In Troisdorf bei Köln dagegen ist die Begeisterung für die Maschine riesig.

Doch zunächst zur Berliner Geschichte des Flugzeugs. Seine Landung am 22. November 1986 in Westberlin war ein Politikum. Sie stand nicht nur für das Engagement der Lufthansa für die damals noch geteilte Stadt, sondern auch für die Vision eines endlich wieder freien Flugverkehrs in die Stadt.

Am 23. November 1986 schrieb die Berliner Morgenpost: "Ein vierstrahliges Verkehrsflugzeug des Typs Boeing 707 in den Farben der Deutschen Lufthansa ist die neueste Attraktion des Flughafens Tegel". Berlins Regierender Bürgermeister Eberhard Diepgen (CDU), Lufthansa-Vorstandschef Heinz Ruhnau und der Präsident des Flugzeugherstellers Boeing, Thomas A. Wilson standen Spalier, als mit der Boeing 707 in Lufthansa-Outfit das erste Flugzeug der Kranich-Linie nach Ende des zweiten Weltkrieges wieder in Berlin landete. Das Ganze war nur durch einen Coup möglich geworden. Denn nach Berlin durften nur Maschinen der Alliierten durch den Luftkorridor fliegen.

Boeing hatte Lufthansa anlässlich der Auslieferung des 200. Flugzeugs an die Kranich-Linie ein Geschenk machen wollen. Der Flugzeughersteller erwarb daher von der israelischen Fluggesellschaft El-Al eine Boeing 707 und ließ diese, wenn auch nicht ganz originalgetreu, in den Lufthansa-Farben bemalen. Die Maschine wurde nach Frankfurt geflogen und musste nun den Weg durch den eigentlich für eine deutsche Maschine gesperrten Luftkorridor nach Berlin antreten. Zu diesem Zweck erhielt die Maschine eine amerikanische Registrierung und die Lufthansa-Bemalung wurde überklebt. Alles klappte, in Tegel wurde die Tarnung entfernt und die Maschine in allen Ehren und mit der "Berliner Luft" empfangen.

Doch die goldenen Zeiten für das legendäre Flugzeug sind nun offenbar vorbei, mit seinem damals symbolträchtigen Auftritt hat es seinen Zweck erfüllt. Längst ist der Flugverkehr nach und von Berlin wieder frei, fliegt die Lufthansa die Stadt wieder an. Doch ist das ein Grund, die Boeing 707 verrotten zu lassen? Weder die Flughafengesellschaft, das Deutsche Technikmuseum noch die Lufthansa haben mehr ein Interesse, den Flugzeug-Oldie in Berlin zu halten. Die Gründe sind monetärer Natur. "In Tegel kann man mit dem Flugzeug aus Sicherheitsgründen nichts machen", sagt der Vize-Direktor des Technikmuseum, Prof. Holger Steinle. Die Lufthansa hatte dem Museum damals die Boeing übereignet. Das Flugzeug zu zerlegen und möglicherweise am Flughafen Tempelhof im Sinne des immer wieder ins Gespräch gebrachten Luftfahrtmuseums aufzustellen, sei viel zu teuer, sagt Steinle und nennt ein Summe von 200 000 Euro. "Für ein Viertel dieses Geldes bekommt man bereits eine Boeing 707 auf dem Gebrauchtflugzeugmarkt in Afrika oder Südamerika", sagt der Luftfahrtexperte Steinle. Das Technikmuseum werde jedenfalls die Tegeler Maschine nicht unter seine Fittiche nehmen. Auch der Flughafen hat kein Interesse an der Maschine. "Leider", sagt Tegels Verkehrsleiter Elmar Kleinert. "Die Boeing 707 ist ein Juwel. Sie leitete das Düsenzeitalter ein." Auch für die Lufthansa. Deren erste Boeing 707 wurde 1960 vom damaligen Regierenden Bürgermeister Willy Brandt auf den Namen Berlin getauft. Schließlich wurde die "Luft-Hansa" 1926 in Berlin gegründet.

Das alles weiß der Troisdorfer Restaurantbesitzer und Flugzeugliebhaber Uwe Prommer. "Ein Restaurant in einem Flugzeug ist mein uralter Traum", sagt Prommer und schwärmt von der 707 in Tegel. Über die Lufthansa habe er von der Maschine erfahren und sie vor vier Wochen besichtigt. Dass die Berliner das Flugzeug vergammeln lassen, findet Prommer schlimm. "Das tut man nicht." Der 43-Jährige will es nun vom Technikmuseum erwerben. Und die Aussichten sind gut, dass er es auch für einen symbolischen Preis bekommt. Lufthansa habe ihm bereits Hilfe beim Transport signalisiert, so dass die Kosten nicht immens würden. Und wenn alles gut geht, will Prommer die Maschine als Museum, Ort für Trauungen und Restaurant neben sein bestehendes Restaurant Poco Loco in Troisdorf stellen. ",Poco Loco' heißt übrigens auf Spanisch ,ein bisschen verrückt', sagt er.

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