Nach der Insolvenz

Berliner Hertie-Mitarbeiter wollen kämpfen

Die Sorgen der Mitarbeiter sind groß: Wie wird es weitergehen mit Hertie? Die Warenhauskette hat Insolvenz angemeldet, auch die Berliner Häuser in Schöneberg, Wedding und Tegel stehen auf dem Prüfstand. Doch die Mitarbeiter wollen kämpfen.

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Die Stimmung in Berlin schwankte zwischen Hoffnung und Niedergeschlagenheit als erst Management und Mitarbeiter sowie schließlich die Kunden von der Pleite bei Hertie erfuhren. „Wir fühlen uns bescheiden“, sagte eine Mitarbeiterin im Kaufhaus am Kaiser-Wilhelm-Platz in Schöneberg. Schließlich ist die Angst vor dem Jobverlust groß – die Krise beim Karstadt-Konzern, zu dem auch dieses Haus gehörte, ist unvergessen.

„Schade wäre es, wenn Hertie hier dicht machen würde“ sagte Hüsamettin Kilisli. „Meine Frau, meine Tochter und ich kaufen hier seit Jahren und kennen das Kaufhaus noch als ,Bilka’. Es hat Tradition“, sagt der 44-Jährige. Auch Stammkunde Manfred Zicker würde das Aus bedauern, „denn der Service ist sehr gut und das Personal sehr freundlich“.

Nach tagelangen Spekulationen um Hertie hatte die Warenhauskette am Donnerstag Insolvenz angemeldet. Grund sind Finanzprobleme des britischen Haupteigentümers Dawnay Day. Die Briten sind unter anderem durch die Krise an den Finanzmärkten in Schieflage geraten. Nun sollen zusammen mit dem Insolvenzverwalter bundesweit alle 72 Standorte von Hertie auf ihre Rentabilität untersucht werden, kündigte die Geschäftsleitung an. Auf dem Prüfstand stehen auch die Häuser in Schöneberg, Wedding und Tegel.

Doch nach dem ersten Schock zeigten sich zumindest die Betroffenen in Deutschland kämpferisch. Der Gesamtbetriebsrat, die Mitarbeiter und Lieferanten stünden voll hinter Hertie und glaubten an eine Chance „für den größtmöglichen Erhalt der vielen Arbeitsplätze“, sagte Finanzchef Mark Rahman. Die Insolvenzordnung biete zahlreiche Möglichkeiten, den Geschäftsbetrieb zu stabilisieren und eine gute Ausgangslage für einen nachhaltigen Turnaround zu schaffen.

Auch in den Berliner Warenhäusern gibt es Optimisten: „Wir werden es auch diesmal packen“, sagte Mario Ratajczak, Betriebsratschef von Hertie an der Turmstraße in Wedding. Seit 1960 steht an dieser Stelle ein Warenhaus, das von verschiedenen Konzernen geführt wurde. „Wir wurden schon so oft tot gesagt, und trotzdem gibt es uns immer noch“, so Ratajczak. Das Haus schreibe schwarze Zahlen, und das Umflaggen von Karstadt auf Hertie hat dem Standort nicht geschadet.

Schon 2004 ging bei den Hertie-, zu diesem Zeitpunkt Karstadt-Häusern die Jobangst um. Damals stieß der krisengeschüttelte Handelsriese Karstadt-Quelle große Teile seiner Kernsparten ab, um seine Millionenverluste abzubauen. Die drei Berliner Häuser standen bereits auf die Kippe, wurden dann aber verkauft. Jetzt kehrt die Krise zurück.

Der zuständige Ver.di-Sekretär Johann Rösch, der auch im Hertie-Aufsichtsrat sitzt, kritisierte die aktuellen Eigentümer von Hertie scharf. „Dawnay Day hat nichts mehr unternommen, um eine Rettung zu ermöglichen“, sagte Rösch. Als eine der Ursachen für die Insolvenz nannte Rösch die überdurchschnittlich hohen Mieten, die Dawnay Day für die Warenhäuser erhalte. „Die Mietverträge waren so gestaltet, dass Hertie keine Chance hatte, in die schwarzen Zahlen zu kommen.“

Die Investoren hatten die Warenhäuser als „Nachbarschaftskaufhäuser“ für den schnellen Einkauf vor der Haustür neu ausgerichtet. Nach Einschätzung aus Finanzkreisen wird der Insolvenzverwalter Hertie-Häuser mit besonderem Sanierungsbedarf oder schlechtem Absatz schließen und für den „gesunden Kern“ einen oder mehrere neue Investoren suchen.