Berliner Flughäfen

Vor der Schließung wird Tegel doch noch ausgebaut

Lange war es vehement bestritten worden, nun bestätigte die Flughafengesellschaft: Tegel wird doch ausgebaut – gut drei Jahre vor seiner Schließung. Das erst 2007 eröffnete Terminal C wird erweitert, die Bauarbeiten laufen bereits. Für die Opposition steht damit fest: Die Berliner sind getäuscht worden.

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Der Flughafen Tegel wird ausgebaut. Was bislang vehement, insbesondere im Vorfeld des Volksentscheids für den Erhalt des Flughafen Tempelhof, bestritten worden war, bestätigte die Flughafengesellschaft am Mittwoch nun doch.

So wird das erst im Mai 2007 eröffnete große Terminal C in Tegel um 6000 Quadratmeter und damit um die Hälfte der bestehenden Terminal-Fläche erweitert. Kosten: 8 Millionen Euro. Die Flughafengesellschaft geht davon aus, dass sich diese Summe bis zur geplanten Schließung des Flughafens Tegel im Jahr 2012 amortisiert. Der Airport soll mit der Eröffnung des Großflughafens Berlin Brandenburg International BBI geschlossen werden.

In Betrieb gehen soll der neue, 90 Meter lange Terminalbau, der östlich des Terminal C anschließt und nach Süden abknickt, Mitte nächsten Jahres, sagte Flughafensprecher Ralf Kunkel. Geplant sind vier neue Gates. Gleichzeitig werden die ersten drei von fünf geplanten Abstellpositionen für Flugzeuge auf dem Vorfeld am neuen Terminalbau gebaut. Die fünf Vorfeldflächen hat die Flughafengesellschaft bereits im Tausch gegen entsprechende Flächen im Norden von der Luftverkehrsbehörde genehmigt bekommen.

„Der Erweiterungsbau soll vornehmlich als Non-Schengen-Terminal und für Flüge nach Osteuropa genutzt werden“, sagte Flughafensprecher Eberhard Elie am Mittwoch. Es werde ein Extra-Transferbereich für Fluggäste geben, die in Tegel umsteigen, um zu Zielen im Non-Schengen-Bereich wie etwa Moskau oder Bangkok zu fliegen. Das neue Terminal diene somit dazu, Abfertigungsprozesse zu beschleunigen respektive zu optimieren, so Elie. Denn ohne Transitraum wären erneute Pass- und Sicherheitskontrollen nötig. Bislang hatte Flughafenchef Rainer Schwarz Ausbaupläne für Tegel immer dementiert und lediglich von „Optimierungsmaßnahmen im Bestand“ gesprochen.

Ausbaupläne wurden immer dementiert

Bereits im März haben der Berliner Morgenpost Informationen über einen neuen Terminalbau vorgelegen. Damals war nach Angaben von Insidern der Umbau des Parkhauses P5 im Gespräch. Später kursierte die Information, es sei der Umbau des Parkhauses P2 geplant. Nicht nur von der Flughafengesellschaft, sondern auch vom Berliner Senat wurden Ausbaupläne jedoch dementiert.

Am 10. April hatte der FDP-Verkehrspolitiker Klaus-Peter von Lüdeke im Abgeordnetenhaus Verkehrssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD) gefragt, ob zur Vermeidung von Engpässen nach Schließung des Flughafens Tempelhof der Bau eines Abfertigungsterminals in Tegel geplant sei. Die Senatorin verneinte. Es liege kein Antrag für ein weiteres Abfertigungsgebäude vor. „Dass nun doch gebaut wird, ist ein unglaublicher Vorgang“, sagte Lüdeke am Mittwoch. „Der Ausbau war immer geleugnet worden und die Leute wurden hinters Licht geführt.“

Offenbar habe man dies nur getan, um nicht den Tempelhof-Befürwortern vor dem Volksentscheid in die Hände zu spielen. Denn die Schließung von Tempelhof bei gleichzeitigem Ausbau Tegels sei offenbar auch aus Sicht der Flughafengesellschaft nicht zu vermitteln gewesen.

Der Verkehrspolitiker der CDU-Fraktion im Abgeordnetenhaus Rainer Ueckert spricht von einem „Skandal“. „Tröpfchenweise kommt jetzt heraus, was wir immer gesagt haben. Der Bedarf war angesichts der steigenden Passagierzahlen abzusehen, wurde aber immer vom Senat und der Flughafengesellschaft heruntergespielt. Das ist ein Skandal.“ Dass der Flughafen Tegel nach wie vor Wachstumstreiber ist, gleichzeitig aber aus allen Nähten platzt, ist kein Geheimnis. Mit 7,3 Millionen Fluggästen in der ersten Hälfte dieses Jahres verzeichnet Tegel 16 Prozent Wachstum gegenüber dem Vorjahreszeitraum.

Tegel war 1974 mit einer Kapazität von sieben Millionen Passagieren eröffnet worden. Dass nun doppelt so viele Fluggäste bewältigt werden können, ist den ständigen Erweiterungen und Optimierungen zu verdanken. So war im Mai 2007 das Terminal C für 2,5 Millionen Passagiere eröffnet worden. Kosten: zwölf Millionen Euro. 2001 hatte war das Terminal D an das Parkhaus P2 gebaut worden. Für die Befürworter Tempelhofs waren diese Erweiterungen unverständlich. Es sei nicht nachzuvollziehen, eine intakte Flughafenanlage wegen angeblicher Verluste schließen zu wollen, gleichzeitig in Tegel aber Millionenbeträge für die Erweiterung zu stecken, hieß es.